Handy am Ohr bei Tempo 200, bei Rot über die Ampel

Was ADAC-Tester im Taxi erlebten

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Die Münchner Taxler bekamen vom ADAC die Nute "gut".

Sie waren als Geschäftsleute unterwegs, hatten als Tarnung einen Trolley dabei.

Ihre Mission: Münchens Taxifahrer testen. Was die Fahrgäste des 1. ADAC-Taxi-Tests in der Stadt erlebten, war teilweise haarsträubend: Ein Taxifahrer raste mit Tempo 200 über die Autobahn, lieferte sich ein Rennen mit seinem Bruder, der ebenfalls mit einem Taxi fuhr. Dabei telefonierte der Fahrer des Testtaxis mit dem Handy, bretterte anschließend mit 80 durch die Stadt. Der Fahrer fiel auch glatt durch bei der Bewertung: „sehr mangelhaft“. Ein anderer Taxler, der bei Rot über die Ampel fuhr, konnte sich immerhin über ein „ausreichend“ freuen. „Da waren wir kulant“, sagt Robert Sauter vom ADAC-Verbraucherschutz. Weniger kulant hingegen war der Autoclub bei einem Taxler, der einen Umweg von 500 Metern fuhr: „mangelhaft“ auch seine Note.

Insgesamt erreichten die Münchner Taxifahrer in dem bundesweiten ADAC-Test aber einen anständigen vierten Platz – ADAC-Urteil: „gut“ (tz berichtete). Spitzenreiter der zehn getesteten Städte ist Nürnberg: Dort erreichten die Taxler 85,8 von 100 möglichen Punkten (München 83,4). Schlusslicht des Taxi-Städtevergleichs ist die Bankenmetropole Frankfurt mit 76,8 Punkten.

Münchens Taxi-Chef Hans Meißner ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Der vierte Platz freut mich riesig.“ Weniger freundliche Worte findet er für die beiden Taxler, die mit 200 über die Autobahn und bei Rot über die Kreuzung bretterten: „Diese Dumpfbacken gehören aus dem Verkehr gezogen, das ist lebensgefährlich.“ Die 500 Meter Umweg, die ein Taxifahrer vom Hauptbahnhof zur Josephspitalstraße (Altstadt) fuhr, sieht der Taxi-Boss nicht so eng: „Das sind 1,40 Euro mehr. Dafür ist der nicht gebrettert.“

Laut ADAC-Testergebnis hat München die „zweitfreundlichsten Taxifahrer Deutschlands“ – hinter Dresden. Wie in allen zehn getesteten Städten waren die ADAC-Tester auf fünf Routen unterwegs. Jede Strecke wurde vier Mal befahren, je zweimal tagsüber und in der Nacht. Die Wertungskriterien waren Freundlichkeit, Auto, Streckentreue und Tarif. Minuspunkte vergaben die Tester beispielsweise, wenn die erlaubte Höchstgeschwindigkeit deutlich überschritten und Einbahnstraßen missachtet wurden. Pluspunkte gab’s für Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Fahrer. Von den 20 Fahrten in München erhielt eine die Bestnote, eine fiel komplett durch. Fazit des ADAC-Tests: Ob eine Taxifahrt gut oder schlecht ist, bestimmt allein der Fahrer.

Jacob Mell

Quelle: tz

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