Was in den Kliniken wirklich falsch läuft

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Der Hygiene-Skandal am Klinikum Bogenhausen brachte die städtischen Kliniken in Verruf

München - Mit einer neuen Struktur will die städtische Klinikum GmbH aus der Krise. Die tz erklärt das geheime Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger.

Der Aufsichtsrat der Klinikum GmbH unter Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) beauftragte die Unternehmensberatung Roland Berger mit einem Struktur-Gutachten. Die rot-grüne Rathausmehrheit will das Papier geheim halten. Doch der tz liegt die Studie vor. Sie stellt der ehemaligen, vom Rathaus eingesetzten Klinikleitung ein vernichtendes Zeugnis aus. Die tz erklärt das Papier:

- Bei der Klinik-Geschäftsführung spricht das Gutachten von „insgesamt fehlender Kooperation zwischen den Geschäftsführern“. Im Umgangsjargon würde man sagen, die linke Hand wusste nicht, was die rechte macht. Außerdem wird die „Fehlende Abbildung von medizinischer Kompetenz“ in der Chefetage kritisiert. Das heißt, das Management hatte wenig Ahnung von der Arbeit der Ärzte.

- Dann bemängeln die Gutachter die „Langsame Entscheidungsfindung“ sowie „gravierende Umsetzungsschwächen“. Das heißt: Nach langem Hin und Her getroffene Entscheidungen werden kaum umgesetzt. Vielmehr herrsche „Wildwuchs“. Vernichtendes Gesamturteil: „Insgesamt fehlende Führung“.

- Auch die Klinikstruktur bekommt ihr Fett weg: Von „Fehlender Nutzung von Effizienzvorteilen“ ist die Rede. Das heißt, obwohl man die fünf Stadtkliniken 2004 unter einem Dach zusammenfasste, nutzt man die Vorteile kaum.

- Weiterer Kritikpunkt: „Teilweise fehlender Dienstleistungsgedanke und fehlende Kontrolle von erbrachten Leistungen“. Sprich: Der Patient wird nicht als Kunde gesehen und beim Abrechnen offenbar geschlampt.

- Die Prüfer lassen auch an den einzelnen Klinikleitungen kaum ein gutes Haar: „Teilweise sehr starke Konzentration auf den eigenen Betrieb. Die Identifikation mit dem Konzern fehlt.“ Das heißt: Jedes Krankenhaus macht quasi, was es will.

- Fazit der Prüfer: „Strukturen und Prozesse sind in großen Teilen konzeptionell sehr fortschrittlich. Die konsequente Umsetzung wurde z.B. aufgrund der fehlenden aktiven Führung jedoch nicht realisiert.“

- Schließlich kritisiert Berger die „bisherige Reaktion auf den Wettbewerb mit den Münchner Universitätskliniken und den privaten Krankenhäusern“ und vermisst ein „standortübergreifendes Portfoliomanagement“. Das heißt, die Kliniken haben offenbar nicht begriffen, dass es Konkurrenz gibt. Und die Angebote der fünf Kliniken sind schlecht aufeinander abgestimmt.

Für die Zukunft schlägt Berger eine dreiköpfige Klinikleitung vor mit einem Vorstandsvorsitzenden, der die Kollegen überstimmen kann, einem ärztlichen Direktor und einem Finanzchef. Bislang mussten Entscheidungen von zwei Geschäftsführern unterschrieben werden.

Eva Caim, gesundheitspolitische Sprecherin der CSU-Stadtratsfraktion, befürchtet: „Wenn es nach SPD und Grünen geht, wird es wieder vier Geschäftsführer geben, weil die Gewerkschaften im Aufsichtsrat einen Personalchef ihrer Wahl wollen.“ SPD-Fraktionschef Alexander Reissl bestätigt: „Die SPD würde sich dem Wunsch der Personalvertretung kaum verschließen.“ Am 8.Dezember stellen sich die Kandidaten für die neue Klinikleitung dem Aufsichtsrat vor. Caim: „Darum ist es jetzt Zeit, die neue Organisationsstruktur zu diskutieren. Wenn die neuen Geschäftsführer bestellt sind, ist es zu spät dafür.“

Johannes Welte

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