Was kontrollieren Stadträte beim Fußballspiel?

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Unter den 66 000 Zuschauern bei einem Bayern-Spiel befinden sich 35 Stadträte, die nicht nur die Pässe der Kicker, sondern auch die ordnungsgemäße Stadionnutzung im Auge haben.

2005 wurde die Allianz-Arena eröffnet, und seither sitzen bei allen Heimspielen der Bayern und Sechzger bis zu 35 Stadträte auf den Rängen.

Sie haben keinen Eintritt bezahlt und auch kein privates Dauerticket. Sie sind quasi im Dienst und „vergewissern sich der vertragsgemäßen Nutzung des Stadions“. Der Normalbürger hingegen weiß, was gespielt wird, nämlich Fußball, und zahlt für ein Bayernspiel (Kategorie 1) 50 bis 60 Euro, bei den Löwen gut 30.

„Der Besuch der Arena zählt zur Wahrnehmung der Kontrollpflichten“, so die Aufgabenbeschreibung für Mandatsträger, die das Direktorium im Rathaus am Montag an die Redaktionen verschickte. Anlass für diese Mitteilung war die eher seltene Reaktion einer Stadtratsgruppierung auf ein Privileg: Der Linken war die ihr zugeteilte Dauerkarte nicht geheuer, das Trio gab sie an die Protokollabteilung zurück. Die Fragen zum Thema richtete Stadträtin Brigitte Wolf an OB Christian Ude. Sie sorgt sich, dass es sich um Vorteilsnahme handeln könne, und fragt auch nach, ob der Wert der Karte nicht als „geldwerter Vorteil“ versteuert werden müsse.

Hintergrund des Fußballmärchens für den Stadtrat ist laut OB Ude aber die Tatsache, dass die Stadt als Grundstückseigentümerin und im Rahmen des Erbbaurechtsvertrags 56 Dauerkarten erhält. „Es ist keine Vorteilsnahme, „da es sich nicht um eine Leistung der Stadiongesellschaft oder der Vereine an Stadtratsmitglieder handelt“. Bis zur Auflösung des Sportausschusses im März 2008 erhielten dessen Mitglieder die Tickets, jetzt werden sie an Fraktionen und Gruppierungen verteilt. Fünf Plätze bekommen die zuständigen Referate (Kommunal-, Kreisverwaltungs- und Schul- und Sportreferat). 16 Karten stehen außerdem Gästen der Stadt zur Verfügung.

Von einem geldwerten Vorteil könne man nicht sprechen, weil „der Stadtrat weiterhin in der Verantwortung steht, die Verkehrserschließung und die Sicherheit zu gewährleisten“. Brigitte Wolf ist nicht überzeugt, und hätte die Sache lieber vom Finanzministerium überprüft. „Wir müssen unser MVV-Jobticket ja auch versteuern.“

Die Überwachungspflicht im Stadion hat sich bei den Stadträten noch nicht recht herumgesprochen. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl etwa findet, dass die Tickets Mandatsträgern helfen, sportpolitisch „am Ball zu bleiben“.

Brigitte Wolf fordert bei der Gelegenheit die Überprüfung aller Vergünstigungen für Stadträte.

BW

Quelle: tz

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