Viele Kunden unzufrieden wie nie

Beschwerde-Sturm im Netz: Was läuft falsch bei der MVG?

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Fahrgäste am U-Bahnhof Hauptbahnhof müssen sich wie so oft gedulden.

Defekte Türen, regelmäßig im Tunnel wartende U-Bahnen, Busse, die erst gar nicht kommen. Im Nahverkehrsnetz ist der Wurm drin. Doch woran liegt das? Und was sagt die MVG dazu?

Die Besuchereinträge auf der Facebook-Seite der MVG stapeln sich zur Zeit. „Es ist so ärgerlich!“ „Die gefühlt 1000ste Fahrstörung des Monats in der U2 - TOP TOP TOP.“ „Trams fallen willkürlich aus, von Bussen braucht man nicht erst anfangen zu reden. Ihr habt das Konzept nicht im Griff - Frust pur!“ Am schlimmsten aber trifft es Menschen, die öffentlichen Nahverkehr dringend ordnungsgemäß bräuchten, wie bei diesem Beispiel: 

Besonders hart treffen Ausfälle der MVG in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen, wie diesen Rollstuhlfahrer.

Ganz München treffen Probleme mit U-Bahn, Bussen und Tramverkehr gerade augenscheinlich besonders stark. Was Münchner zusätzlich noch verärgert, sind Stammstreckenschwierigkeiten, wie etwa die Sperrung der Stammstrecke vergangene Woche. Die wenigsten wissen, dass S-Bahn-Frust und der von ihnen so betitelte „Stammstrecken-Mist“ nicht einmal im Zuständigkeitsbereich der MVG liegt, sondern die Bahn (DB AG) sich darum kümmern sollte. „Das Beschwerde-Aufkommen unterscheidet sich von Tag zu Tag. Unser Kundendialog bearbeitet pro Jahr rund 15.000 Kundenschreiben“, sagt der Pressereferent des Bereichs MVG, Michael Korte auf Nachfrage. 

Es ist wirklich kein Leichtes, in der Landeshauptstadt ein Verkehrsunternehmen zu sein. Zu spät, zu teuer und überhaupt gibt es nicht einmal W-Lan. Und macht die MVG etwas richtig, wird nicht gedankt, sondern nur toleriert. Doch warum genau stapeln sich die Störungen gerade im Moment so sehr?

Scheidplatz verursacht als MVG-Brennpunkt aktiv und passiv Probleme

„Aktuell sorgt die Langsamfahrstelle zwischen Petuelring und Scheidplatz im Berufsverkehr für entsprechende Verzögerungen auf der U8, die sich im gemeinsam genutzten Abschnitt im Stadtzentrum auf die anderen dort verkehrenden Linien übertragen“, sagt Korte. Zusätzlich fahren gerade zu Stoßzeiten aufgrund der Jahreszeit viel mehr Fahrgäste mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Trotzdem tut die MVG, was sie kann: „Bei der U-Bahn rollt im Moment alles, was Räder hat. Grund ist, dass wir während der U3-Baustelle noch mehr Züge einsetzen als im regulären Betrieb, um unseren Kunden zusätzliche Fahrtmöglichkeiten via U1/U7 und U2/U8 zu bieten“, sagt Korte. Auf der Facebookseite der MVG ist als Antwort auf eine Beschwerde zu lesen: „Die U-Bahn kommt nicht, wie es ihr gefällt, sondern wie es ihr möglich ist. Es gibt in der Stadt, zumal in der Hauptverkehrszeit, nunmal zu viele Mitspieler, die den Zug unvorhergesehen davon abbringen können, den Fahrplan einzuhalten.“

U9-Spange soll Münchner Verkehrsnetz entlasten

Selbst ganz kleine Störungen erzeugen bei der MVG gerade einen Dominoeffekt. Das liegt insbesondere auch an der konzentrischen Gestaltung des Münchner U-Bahnsystems (diverse Überschneidungen von Linien, kein linienreiner Betrieb wie etwa in Berlin oder Wien). Um zukünftig derart viele Beeinträchtigung zu verhindern, arbeitet die Münchner Verkehrsgesellschaft an der sogenannten „U9-Spange“. Das ist ein geplanter Streckenabschnitt im U-Bahn-Netz. Sie wird in Nord-Süd-Richtung verlaufen und soll vor allem eine Entlastung der Stammstrecke 1 sichern und das gesamte Netz ein wenig entzerren. Nähere Informationen gibt es hier.

„Die konzentrische Ausrichtung des U-Bahnnetzes soll mit der U9-Spange dauerhaft aufgebrochen werden, die auch eine Entzerrung der Linien ermöglicht“. „Für zusätzliche Kapazitäten sollen auch auch die neuen Züge des Typs C2 mit mehr Fassungsvermögen, die sukzessive in das Netz eingespeist werden und der Umbau zentraler Bahnhöfe wie etwa des Sendlinger Tors sorgen“, berichtet Korte.

Busse und Tram tun, was sie eben können

Auch wenn Verzögerungen gerade bei Bus und Tramverkehr im Stadtzentrum gerade besonders hoch erscheinen, leiden die Netzwerke wie alle Oberflächenverkehrsmittel darunter, dass sie im Individualverkehr mitschwimmen und deswegen auch zusammen mit den Autos im Stau stehen. „Eine Häufung von Ausfällen gibt es nicht“, sagt Korte. Die Redakteure für Social Networking der MVG-Seite versuchen, nach einer Beschwerde auf Facebook eine Erklärung zu finden: „Alle Linien, die übers Nadelöhr Hauptbahnhof fahren, sind davon abhängig, ob es sich dort staut. Das Thema Verspätungen und hohe Nachfrage bedingt sich gegenseitig - je länger die Bahn auf sich warten lässt, desto mehr Menschen warten am Bahnsteig. Mehr Menschen, die raus und rein wollen, bedeuten oft längere Standzeiten für die Tram und damit weitere Verspätungen.“ 

An anderer Seite geht es ab März bei der MVG gleich weiter und wird für neuen Ärger sorgen: Mit dem Mega-Projekt am Sendlinger Tor werden die Münchner für sechs Jahre geduldig bleiben müssen.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Lage bei der MVG mit dem Frühling und der endlich - wenn auch verspätet - abgeschlossenen Bauarbeiten zwischen Scheidplatz und Münchner Freiheit zum 18. April zumindest etwas entspannt. 

Bonner Platz: Riesenbaustelle im Untergrund - Video und Bilder

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jl

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