Anfang von Trumps Ende?

Midterm Elections: Ein Münchner im US-Wahlkampf

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tz-Kolumnist Prof. James Davis (r.), Ex-Botschafter John Emerson (2. v. r.) und dessen Frau Kimberly (2. v. l.) waren mit Demokraten-Anhängern im Wahlkampf für Demokrat Gil Cisneros unterwegs.

Donald Trump steht zwar selbst nicht zur Wahl – doch die Zwischenwahlen könnten für die Zukunft des US-Präsidenten entscheidend sein. Mittendrin: Der tz-Kolumnist Prof. James Davis.

München - In einer der beiden Kammern des US-Kongresses, dem Repräsentantenhaus, könnten die Demokraten laut Umfragen die Mehrheit erobern – und dann würden sie zahlreiche Untersuchungen gegen Trump einleiten. Die Ergebnisse könnten die Grundlage für ein Amtsenthebungsverfahren bilden. Der in München lebende tz-Kolumnist Prof. James Davis war mit einem der demokratischen Hoffnungsträger im Wahlkampf unterwegs. 

Midterm Elections in den USA: Mögliche Schicksalswahl - wird Donald Trump abgestraft?

Wollen die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus des US-Kongresses wiedererlangen,dann müssen sie Wahlkreise wie den 39. im Bundesstaat Kalifornien gewinnen. Der 39. liegt zum Großteil in Orange County, ein Bezirk südwestlich von Los Angeles, und ist eine traditionelle Hochburg der Republikaner. Der derzeitige Abgeordnete, Ed Royce, stellt sich nicht mehr zur Wahl. Als Zeichen des demografischen Wandels in solchen Wahlkreisen stellen die Republikaner anstelle dieses weißen Mannes eine Frau mit koreanischen Wurzeln zur Wahl. Denn die „koreanische“ Gemeinde in Orange County ist groß und traditionell konservativ. 

Für die Demokraten kandidiert Gil Cisneros. Wie der Name offenbart, ist Gil „Latino“, also ein aus Lateinamerika abstammen der US-Amerikaner. Die Zahl der Latinos in dieser Mittelschicht Gemeinde ist während der letzten Jahren gewachsen, und sie neigen dazu, die Demokraten zu wählen. 

Wahlbeteiligung entscheidend für das Endergebnis

Experten prognostizieren, dass das Endergebnis der Midterms Elections entscheidend von der Wahlbeteiligung abhängen wird. Deswegen schicken Kampagnen wie die Gil Cisneros‘ eine ganze Armee von Wahlhelfern zu den Häusern registrierter Demokraten und unabhängiger Wählerinnen und Wähler,um sicherzustellen, dass diese am Dienstag auch tatsächlich zur Wahlurne gehen. Am vergangenen Samstag bin ich mit dem ehemaligen US-Botschafter in Berlin, John Emerson, und seiner Frau Kimberly bei einer solchen Aktion mitgegangen. 

Dabei kann man so einiges lernen. Zumindest bei dieser Wählergruppe ist das Thema Krankenversicherung sehr wichtig. Auch die Amtsführung Trumps wird thematisiert. Er bringe Schande über das Weiße Haus und damit über ganz Amerika, meinte eine Frau, die „hundert Prozent“ für Gil sei.

Gil Cisneros macht einen recht offenen und unkomplizierten Eindruck, ist aber ein äußerst vielschichtiger Kandidat, musterhaft für die Kandidaten, auf die die Demokraten ihre Hoffnung setzen. Einst Republikaner,ist der ehemaliger Offizier der Marine nach seinem Einsatz im Irak zu den Demokraten gewechselt.

Dann gewann er die Lotterie. 266 Millionen Dollar hat er bekommen– ein Rekord in Kalifornien. Damit hätte er sich zurückziehen können – doch er entschied, mit einem Großteil der Gelder eine  Stiftung für Studiengebühren für bedürftige Kinder aus der eigenen Gemeinde zu gründen. Alsdann Donald Trump versuchte, die von Präsident Barack Obama eingeführte Gesundheitsreform abzuschaffen, warf Gil seinen Hut ins Rennen. 

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Cisneros und Young Kim

Derzeit gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Cisneros und der Republikanerin Young Kim. Und so ist es in 31 weiteren, bisher von den Republikanern besetzten und jetzt von den Demokraten hart umkämpften Wahlkreisen in Amerika. Um die Mehrheit im Repräsentantenhaus zugewinnen, müssen die Demokraten mindestens 218 der 435 Wahlkreise gewinnen. Heute scheinen 202 Sitze sicher, 16 bisher von Republikanern besetzte Wahlkreise müssen die Demokraten in ihre Richtung umdrehen. Es wird am Dienstag für Gil, aber auch für das ganze Land, eine lange Nacht geben.

Midterm Elections: Umfragen, Ergebnisse, Folgen für Trump - alle Infos im Live-Ticker

Am Dienstag, 6. November, finden in den USA die Midterm Elections statt. Wir berichten von der Kongresswahl 2018 im Live-Ticker. Hier bekommen Sie alle Infos rund um die so wichtige Wahl in Amerika. Wer die unsere Berichterstattung in Deutschland mitverfolgen will, muss jedoch lange wach bleiben. Hier erfahren Sie, wann es die ersten Ergebnisse der Midterm Elections 2018 gibt. 

Hier haben wir außerdem für Sie zusammengefasst, was die letzten Umfragen der Midterm Elections sagen und welche Folgen der Ausgang der Kongresswahlen für US-Präsident Donald Trump und die Republikaner haben kann. 

James Davis

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