tz löst Mietfragen

Überschwemmung! Wer zahlt den Schaden?

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Michael Mähl (62) in seinem Fitnessraum im Keller. Er versucht, die Feuchtigkeit nach der Überschwemmung mit Trockner und Ventilator zu bekämpfen. An einer Wand bröckelt aber bereits der Putz

München - Erst der Starkregen, dann das Hochwasser im Keller! Wer zahlt jetzt den Schaden der Überschwemmung? Die tz hilft auch bei dieser aktuellen Mietfrage.

Es lief gerade die Tagesschau, als es am Himmel krachte. Starkregen! Eine Viertelstunde später standen die beiden Kellerräume von Michael Mähl (62) unter Wasser. Seit zwei Wochen kämpfen der Laimer und seine Nachbarn um die Beseitigung der Überschwemmungsschäden. „Ich fühle mich damit völlig allein gelassen.“

Etwa fünf Zentimeter hoch stand das Wasser in seinem Kellerabteil mit Betonboden. „Da war zum Glück nichts Wichtiges drin. Aber die Überschwemmung hat auch meinen gemieten 15-Quadratmeter-Keller betroffen, den ich als Fitnessraum nutze.“

Er und die anderen betroffenen Nachbarn der Heimag-Wohnanalage (Tochter der gemeinnützigen Gesellschaft Gewofag) in der Friedenheimer/Camerloher Straße halfen alle zusammen. Mit Schaufeln, Schrubbern und Eimern beförderten sie den Großteil des Wassers hinaus. Das Problem: Allein eine Stunde hat ausgereicht, um Mähls Laminatboden zu beschädigen. „Der Boden ist jetzt wellig und wirft Blasen. Außerdem fällt der Putz an einer Stelle von der feuchten Wand. Und es riecht es überall muffig.“

Mähl will keinen Ärger mit der Hausverwaltung. „Der Schaden ist ja nicht riesig. Mir geht es ums Prinzip. Keiner hat uns informiert, was jetzt geschieht.“ Weil im Gespräch mit den Nachbarn viele Fragen zu diesem Thema aufgekommen sind, hat sich Mähl an die tz gewandt. Wie ist denn hier die Rechtslage?

Anja Franz vom Münchner Mieterverein erklärt: „Mieträume müssen so beschaffen sein, dass sie bei gewöhnlichen Wetterverhältnissen gegen das Eindringen von Wasser geschützt sind. Der Vermieter ist verpflichtet, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.“ In Mähls Haus (Baujahr 1964) gibt es zwar eine Rückstausicherung – aber er vermutet: „Die war wohl defekt.“

Die Mietexpertin kann Mähl nicht ganz beruhigen: „Der Vermieter ist nur dann haftbar, wenn er diese Rückstausicherung bewusst nicht eingebaut oder sie nicht laufend gewartet hat. Dann kann man ihn auf Schadens-beseitigung und Schadenersatz in Anspruch nehmen.“ Zur Beseitigung gehöre natürlich die Trockenlegung der Räume. Ein Trockengerät hat Michael Mähl inzwischen bekommen.

Franz führt fort: „Wenn durch einen Wasserschaden Gegenstände zerstört worden sind, muss der Vermieter sie oder deren Wert ersetzen. Problematisch ist hier nur meist, dass der Wert der Gegenstände nicht so einfach beziffert werden kann. Rechnungen liegen ja bei Gegenständen, die im Keller aufbewahrt werden, meist nicht mehr vor.“ Man solle aber dennoch eine Schadensliste anfertigen und diese dem Vermieter vorlegen. Der wiederum könne sie dann an seine Versicherung weiterleiten. „Die Versicherungen schicken dann meistens Gutachter zur Schadensbewertung.“

Anja Franz vom Mieterverein betont aber noch einmal: „Dies alles gilt nur, wenn der Vermieter für die Überschwemmung verantwortlich ist.“ Ist das nicht der Fall, muss der Mieter die Schäden an seinem Eigentum selbst tragen oder eben seiner Hausratversicherung melden, sofern Überschwemmungsschäden von dieser mit umfasst sind.

Auf Anfrage der tz erklärte die Gewofag, dass sie bezüglich des Laminats nicht helfen könne. „Das tut uns leid. Aber der Mieter hat diesen Raum als Lagerraum gemietet und uns nicht in Kenntnis gesetzt, dass der Laminat verlegt wurde.“ Beim Schaden am Putz aber kann Mähl hoffen. „Wir werden das genau prüfen und den Schaden gegebenenfalls beheben“, hieß es von der Vermieterseite.

Nina Bautz

Bitte ­richten Sie Ihre Fragen (und Ihre Telefonnummer für Rückfragen) an die Mieterverein-Vorsitzende Beatrix Zurek (r.) und ihre Kollegin Anja Franz unter dem Stichwort „tz-Leser fragen die Mieterpräsidentin“ per Post an die ­Lokalredaktion, 80282 München, per Fax an 089/5 30 65 67 oder per ­E-Mail an: lokales@tz.de.

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