Kampf gegen Trinkwasser-Keime wird Pflicht

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Das Trinkwasser soll künftig besser überprüft werden. Die Anlagen dafür müssen die Hausbesitzer einrichten.

München - Neue Regeln fürs Trinkwasser: Künftig müssen tausende Vermieter ihre Leitungen jährlich auf gesundheitsschädliche Keime testen lassen. Das ist mit einem hohen Aufwand verbunden.

Der Grund für die ganze Aufregung ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen: Legionellen. Winzige Bakterien im Trinkwasser, die, wenn man sie einatmet, zu Lungenkrankheiten, mitunter sogar zum Tod führen können. Legionellen befinden sich immer im Wasser – entscheidend ist ihre Anzahl. Und künftig werden die Grenzwerte strenger: Ab 1. November gilt eine neue Trinkwasserverordnung. Kaum jemand weiß, was sich dadurch ändert – obwohl allein in München 135 000 Wohngebäude betroffen sind. In der Pflicht stehen vor allem die Vermieter. Sie müssen sich auf regelmäßige Kontrollen einstellen und ihre Anlagen entsprechend umbauen. Das könnte sich auch auf die Mietpreise auswirken.

Die Novelle soll bundesweit die Qualität des Trinkwassers sichern. Zwar hat das Münchner Wasser, das aus dem Alpenvorland kommt, einen hervorragenden Ruf – doch die Stadtwerke sind nicht für die Anlagen in den einzelnen Häusern verantwortlich. Es geht bei der Novelle also nicht um die Qualitätskontrolle der Wasser-Lieferanten, sondern um das, was in den Hausleitungen passiert. Und das ist Sache der Eigentümer.

Birgit Noack, Rechtsanwältin beim Haus- und Grundbesitzerverein München, erklärt, was die Novelle in der Praxis bedeutet: „Bis dato gab es Kann-Vorschriften, ab November gibt es definitive Verpflichtungen für alle Betreiber einer Trinkwasser-Großanlage.“ Dazu zählen Anlagen mit warmem Wasser, die mehr als 400 Liter fassen. Noack: „Damit gelten die Pflichten für nahezu alle vermieteten Mehrfamilienhäuser mit zentraler Trinkwassererwärmung.“

Nach Schätzungen des Gesundheitsamts sind in München 750 000 Wohnungen in 135 000 Wohngebäuden betroffen. Entzieht sich ein Hausbesitzer der neuen Regelung, muss er mit empfindlichen Strafen rechnen. Wer seinen Mietern vorsätzlich oder fahrlässig verseuchtes Wasser zur Verfügung stellt, macht sich strafbar – „dies kann mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft werden“, betont Noack.

Um das zu vermeiden, müssen Hausbesitzer künftig ein Mal im Jahr ein zertifiziertes Unternehmen beauftragen, im Haus mehrere Wasserproben zu nehmen. „Dafür müssen Entnahmestellen eingerichtet werden“, sagt Noack, „etwa drei bis fünf pro Haus“. Eine kostet 80 bis 150 Euro. Dazu kommen die jährlichen Prüfkosten von etwa 200 Euro. Es sei durchaus möglich, so Noack, dass diese Mehrkosten auf die Miete umgelegt werden.

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Stefan Schweizer, Leiter der Abteilung Hygiene im Gesundheitsamt, ist skeptisch – denn ihm fehlt das Personal für die Umsetzung. Geplant ist derzeit, dass alle Ergebnisse beim Gesundheitsamt gesammelt und gelesen werden. „Das Ganze macht ja nur Sinn, wenn wir auffälligen Proben auch nachgehen können“, sagt Schweizer. Er schätzt, dass in zehn bis 30 Prozent der geprüften Häuser der Legionellen-Grenzwert überschritten ist. „Um allen nachzugehen, bräuchte ich 50 neue Mitarbeiter, die ich nicht habe.“

Noch gibt es dazu keine eindeutigen Anweisungen vom Freistaat. Die bayerischen Vertreter hatten im Bundesrat gegen die Novellierung gestimmt – „wir sehen keinen Nutzen für die Verbraucher und eine hohe Belastung der Verwaltung“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Die Qualität des Münchner Wassers und die bereits sehr hohe Kontrolldichte mache zusätzliche Vorschriften überflüssig. Dennoch müsse das Gesetz nun umgesetzt werden. „Wir sind dabei, uns zu überlegen, wie das in der Realität aussehen könnte.“

Fest steht: Ab 1. November gilt das Gesetz. Dann müssen alle betroffenen Vermieter ihre Anlage beim Gesundheitsamt melden. Doch erst, wenn alle Details geklärt sind, soll die Bevökerung informiert werden. Mit Flyern, Briefen oder im Internet will das Gesundheitsamt die Vermieter aufklären. Diese müssen dann wiederum ihre Mieter über die Ergebnisse der Kontrollen informieren.

Ann-Kathrin Gerke

Was man gegen gefährliche Keime im Wasser tun kann

Nicht nur Vermieter, auch jeder Mieter kann dafür sorgen, dass das Wasser möglichst keimfrei bleibt. Jörg Schütz, technischer Geschäftsführer des Fachverbands für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in Bayern, sagt: „Das Wasser, das wir haben, ist Spitzenklasse. Damit das so bleibt, können Privathaushalte einiges tun.“ Die Keime, die hier relevant sind, heißen Legionellen. „Das sind stäbchenförmige Bakterien, die in geringer Zahl im Wasser vorhanden sind. Sie können dann gefährlich werden, wenn sie sich stark vermehren und über die Atemwege, zum Beispiel beim Duschen, in die Lunge gelangen.“ Um das zu vermeiden, gibt Schütz Tipps:

Stagnation des Wassers vermeiden:

Alle Rohre sollten regelmäßig gespült werden, auch in Räumen, die man nicht so häufig benutzt. Als Faustregel gilt: Hat man einen Wasserhahn drei Tage nicht benutzt, sollte man das Wasser ein Mal austauschen. Das funktioniert, indem man den Hahn so lange aufdreht, bis das Wasser wieder richtig schön kalt oder heiß ist. Schütz: „Wer aus dem Urlaub kommt, sollte auf jeden Fall alle Leitungen einmal durchspülen.“

Temperaturen hoch halten: „Die Temperatur des warmen Wassers im Boiler oder im Wasserspeicher sollte 60 Grad betragen“, sagt Schütz. Legionellen fühlen sich bei Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad wohl – dann herrschen optimale Bedingungen für die Vermehrung.

Anlagen vom Fachmann warten lassen: Die Trinkwasseranlage, sagt Schütz, müsse mindestes ein Mal im Jahr gewartet werden. Am Boden des Trinkwasserspeichers lagern sich Sedimente ab. Das sind optimale Lebensräume für Keime. Die Filter müssen noch häufiger gereinigt werden, je nach Typ alle zwei bis sechs Monate. Auch die Perlatoren an den Hähnen sollte man regelmäßig reinigen, zum Beispiel mit Essig.

Nicht nur Vermieter, auch jeder Mieter kann dafür sorgen, dass das Wasser möglichst keimfrei bleibt. Jörg Schütz, technischer Geschäftsführer des Fachverbands für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in Bayern, sagt: „Das Wasser, das wir haben, ist Spitzenklasse. Damit das so bleibt, können Privathaushalte einiges tun.“ Die Keime, die hier relevant sind, heißen Legionellen. „Das sind stäbchenförmige Bakterien, die in geringer Zahl im Wasser vorhanden sind. Sie können dann gefährlich werden, wenn sie sich stark vermehren und über die Atemwege, zum Beispiel beim Duschen, in die Lunge gelangen.“ Um das zu vermeiden, gibt Schütz Tipps:

Stagnation des Wassers vermeiden:

Alle Rohre sollten regelmäßig gespült werden, auch in Räumen, die man nicht so häufig benutzt. Als Faustregel gilt: Hat man einen Wasserhahn drei Tage nicht benutzt, sollte man das Wasser ein Mal austauschen. Das funktioniert, indem man den Hahn so lange aufdreht, bis das Wasser wieder richtig schön kalt oder heiß ist. Schütz: „Wer aus dem Urlaub kommt, sollte auf jeden Fall alle Leitungen einmal durchspülen.“

Temperaturen hoch halten: „Die Temperatur des warmen Wassers im Boiler oder im Wasserspeicher sollte 60 Grad betragen“, sagt Schütz. Legionellen fühlen sich bei Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad wohl – dann herrschen optimale Bedingungen für die Vermehrung.

Anlagen vom Fachmann warten lassen: Die Trinkwasseranlage, sagt Schütz, müsse mindestes ein Mal im Jahr gewartet werden. Am Boden des Trinkwasserspeichers lagern sich Sedimente ab. Das sind optimale Lebensräume für Keime. Die Filter müssen noch häufiger gereinigt werden, je nach Typ alle zwei bis sechs Monate. Auch die Perlatoren an den Hähnen sollte man regelmäßig reinigen, zum Beispiel mit Essig.

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