Sonnenstraße die ganze Woche nur einspurig

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Die Sonnenstraße war auch am Vormittag noch überflutet

München - Wegen eines Wasserrohrbruch ist am Montag in der Früh die Sonnenstraße komplett überflutet worden. Der Schaden wird wohl in die Millionen gehen. Die Straße ist nur einspurig befahrbar.

Nach Angaben der Münchener Polizei löste vermutlich ein defekter Hydrant den Rohrbruch aus. “Da hat es eine 400-Millimeter-Leitung zerrissen, das Wasser stand zeitweise knietief“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Wasserrohrbruch! Sonnenstraße überflutet

Um 1.20 Uhr ist die Feuerwehr alarmiert worden. Seitdem pumpen die Feuerwehrler Wasser ab. Der Wasserrohrbruch ist auf Höhe der Sonnenstraße 23 bis 27 entstanden. Das Wasser hat sich blitzschnell auf der gesamten Straße ausgebreitet, auch die dahinter liegende Herzog-Wilhelm-Straße wurde überflutet. Die Sonnenstraße war den ganzen Tag nur einspurig befahrbar. Auch die Geschäfte an der Sonnenstraße sind betroffen: Die Feuerwehr pumpt immer noch Wasser aus den Kellern. 60 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr München waren und sind im Einsatz.

Der Wasserrohrbruch führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im morgendlichen Berufsverkehr. Und auch die Fußgänger waren betroffen. "Ohne Gummistiefel war kaum ein Durchkommen", sagte eine Polizeisprecher".

Auch der SWM Sicherheitsservice war in der Nacht vor Ort. Die Mitarbeiter schlossen ca. 20 Absperrhähne auf einer Länge von ca. 400 Metern. Der Wasseraustritt konnte gegen 3.50 Uhr gestoppt werden. Bis dahin dürften ca. 5 Millionen Liter Wasser aus der Leitung ausgetreten sein.

Das Wasser hat eine Fahrspur unterspült und ist auch in angrenzende Keller, Tiefgaragen und Häuser eingedrungen. Nach dem Abpumpen des Wassers über der Schadensstelle haben die SWM mit den Aufgrabungsarbeiten und dem Freilegen der Leitung begonnen.

Die Ursache ist nach Angaben der Stadtwerke noch unklar, ein Gutachter ermittelte am Einsatzort. „Im Winter kommt es aufgrund der Kälte zwar immer wieder zu solchen Rohrbrüchen. Das muss hier aber nicht unbedingt der Fall gewesen sein“, sagte die Sprecherin der Stadtwerke, Bettina Hess. Es seien auch andere Ursachen wie Materialermüdung oder Untergrundbewegungen möglich.

Die Trinkwasserversorgung der Kunden ist nicht beeinträchtig. Diese kann über eine parallel verlaufende Wasserleitung auf der anderen Straßenseite gewährleistet werden. Lediglich in den frühen Morgenstunden waren die Bürogebäude Sonnenstraße 23, 25 und 27 für ca. 1 Stunde ohne Wasser.

Die Reparatur an der Leitung dürfte noch bis Montagabend andauern, die Wiederherstellung der Straße noch voraussichtlich bis Ende der Woche. Bis dahin kann in der Sonnenstraße vom Sendlinger Tor bis zum Stachus nur eine Fahrspur genutzt werden. Die Schadenshöhe schätzte die Feuerwehr auf mehrere Millionen Euro.

weg/dpa

Münchner Rohrbrüche mit Folgen

Der Rohrbruch in der Sonnenstraße ist kein Einzelfall – hier eine Chronik spektakulärer Fälle:

Februar 2011: Am Candidplatz sorgt ein Rohrbruch für ein Chaos auf dem Mittleren Ring. Durch permanente Unterspülung war die Fahrbahn abgesackt.

Februar 2005: Nach einem Rohrbruch an der Landsberger Straße – die Fahrbahn ist auf 250 Metern knietief überschwemmt – fällt in der Gegend der Strom aus. Die Feuerwehr muss 25 Nackerte aus einer Sauna retten.

Dezember 2006: Im Waldfriedhofviertel in Sendling bricht eine Hauptleitung. 400 Wohnungen sind betroffen. An der Fürstenrieder Straße bricht die Fahrbahndecke auf 15 Quadratmetern ein!

September 2003: In Trudering stürzt eine Radlerin nach einem Rohrbruch in ein Schlammloch, überlebt nur knapp. Eine halbe Million Liter Wasser hatten den Radweg unterspült.

München: Wasser gut, Netz schlecht

München ist bekannt für seine hervorragende Trinkwasserqualität. Nicht ganz so toll ist allerdings die Qualität des Kanalnetzes. Denn rund 1000 des insgesamt 3200 Kilometer langen Systems bestehen aus Graugussleitungen. Und die gelten als anfällig: Erschütterungen – etwa durch Baustellen oder starken Verkehr – machen die Rohre mürbe und bruchanfällig. Seit 1968 werden sie deshalb auch gar nicht mehr verlegt. Doch der Bestand bleibt ein Problem – wie man am Montag wieder in den Sonnenstraße sah. Von Seiten der Stadtwerke München (SWM) versucht man dieses Problem mit Kontrollen in den Griff zu bekommen. „Einmal im Jahr“, so SWM-Sprecher Christian Miehling, „wird das gesamte Netz begangen und mittels Bodengeophonen abgehört.“

Austauschen will man die Problem-Rohre jedenfalls nicht. Dies, so die Stadtwerke, lohne sich nach Abwägung aller Risiken nicht. Allerdings gibt es da noch einen Punkt, über den man bei den Stadtwerken ungern spricht. Aufgrund von Undichtigkeiten im Netz versickern jedes Jahr Millionen (!) von Kubikmetern wunderbares Trinkwasser einfach im Erdreich. Von 15 Prozent (=15 Millionen Kubikmeter) der gesamten Wassermenge war vor einigen Jahren im Stadtrat sogar die Rede.

Zur Orientierung: Im Schnitt verbraucht jeder Münchner Haushalt täglich 128 Liter fürs Duschen, Waschen und die Toilette. Legt man den Verbrauch von Gewerbe und Industrie noch drauf, kommt man sogar auf 230 Liter. Das heißt: Insgesamt leiten die Stadtwerke jedes Jahr über 116 Millionen Kubikmeter ins Rohrnetz. Zum Vergleich: Der Starnberger See hat rund drei Milliarden Kubikmeter Wasser.

tz

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