Die tz beantwortet wichtige Mieter-Fragen

Wasserschaden! Wer muss zahlen?

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Waltraud Karakoussis vor ihrer Wand, die seit April feucht ist. Der Vermieter weigert sich, den Schaden zu beheben

München - Drei Mieter berichten in der tz von ihren Problemen in ihren Wohnungen: Einmal geht es um einen Wasserschaden und wer dafür aufkommt. Die weiteren Themen : Schimmel und Kündigung per E-Mail.

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Waltraud Karakoussis (49) plagt sich seit Monaten mit einem Wasserschaden in ihrer Wohnung herum. Bis heute ist eine Wand in ihrer Diele nass, ihren Schuhschrank musste sie in den Hausflur stellen. Zwar sagte sie sofort dem Vermieter bescheid, als am 29. April das Rohr gebrochen ist. Handwerker kamen und fanden die Stelle, trockneten die darunter liegende Wohnungen und den Keller aus – und Waltraud Karakoussis bekam darüberhinaus 400 Euro Entschädigung von der Versicherung. Aber trotzdem kann die Verwaltungsangestellte an der Medizinischen Fakultät der Uni München seither nicht mehr normal in ihrer Wohnung leben.

„Eine Wand ist noch immer patschnass und der Eigentümer kümmert sich nicht. Die Handwerker der Hausverwaltung kommen nur, wenn ich sie anrufe“, sagt Karakoussis. Und beseitigen dann doch nicht alle Schäden. Warum die Dielenwand nass ist, ist noch immer unklar.

„Ich halte das einfach nicht mehr aus mit der patschnassen Wand“, sagt die tz-Leserin verzweifelt. Doch traue sie sich nicht, dem Vermieter mehr Druck zu machen. Weil die Wohnung in München-Neuperlach, in der Waltraud Karakoussis wohnt, sehr günstig ist, möchte sie diese nicht verlieren „385.- Euro warm für 46 Quadratmeter, so etwas findet man heute in München nicht mehr. Wenn ich jetzt Mordsrabatz mache, findet man vielleicht einen Grund, mich zu kündigen. Ich wohne seit 21 Jahren in der Wohnung, in der Zeit hatte ich sieben Wasserschäden“, sagt Karakoussis. „Wenn der Vermieter mich trifft, sagt er nur: ,Ach, Sie schon wieder!‘ Dabei kann ich doch nichts dafür, dass bei mir in der Wohnung die ganzen Wasserleitungen verlaufen.“

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Das Problem, dass sich Mieter hilfesuchend an sie wenden, sich aber keinesfalls mit dem Vermieter anlegen wollen, kennt Rechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München zu Genüge. „Aber wenn es nichts nutzt, den Vermieter auf das Problem anzusprechen, weil er nicht reagiert, muss man es eben schriftlich machen und ihm eine Frist setzen“, erklärt Franz. Selbstverständlich empfehle es sich, in einem freundlichen Ton zu schreiben.

Zum Fall von Frau Karakoussis sagt Franz: „Natürlich muss der Vermieter den Wasserschaden beheben!“ Er muss die Feuchtigkeit aus der Wand nehmen lassen, die Ursache suchen und anschließend die Wand zumauern und streichen. Am besten ist es, den Vermieter per Einschreiben darauf hinzuweisen, dass der Schaden umgehend behoben werden muss, weil diese Feuchtigkeit ja auch zu Substanzschäden am Haus führen kann.“

Der Vermieter könne ja kaum wollen, dass sich durch die Feuchtigkeit Schimmel, andere Hauspilze oder Fäulnisbakterien bilden. „Man kann den Vermieter ja darauf hinweisen, dass, wenn er nichts macht, vielleicht irgendwann immens teure Sanierungsarbeiten notwendig sein können.“

Weiterhin rät Franz, in dem Schreiben auch mitzuteilen, dass man berechtigt wäre, die Miete zu mindern und man die Miete ab sofort unter Vorbehalt bezahlt. Wichtig ist es auch eine Frist zu setzen, am besten von zwei Wochen. Und anzukündigen, dass man bei fruchtlosem Verstreichen der Frist selbst Handwerker beauftragen und die Kosten von der Miete abziehen wird. Um das Ganze nicht eskalieren zu lassen, könne Waltraud Karakoussis dem Vermieter ja auch anbieten, dasssie auf Mietminderung verzichtet, wenn er sich beeilt – oder dass sie die Malerkosten übernimmt, sich also an der Sache finanziell beteiligt.

S. Sasse

Kein Schadenersatz für Schimmel in der Wohnung

Ein Münchner Ehepaar hat vor dem Amtsgericht München von seinem ehemaligen Vermieter einen Schadenersatz von 2314 Euro gefordert. Die Mieter waren aus ihrer Wohnung ausgezogen, weil das Bad mit Schimmel befallen war. Die zuständige Richterin wies die Klage jedoch ab. Den Klägern stehe kein Anspruch auf Schadensersatz zu, sagte sie, da die erneut aufgetretenen Mängel dem Vermieter nicht angezeigt worden ist.

In der Wohnung des Ehepaares hatte sich schon im Juli 2010 Schimmel an den Wänden gebildet. Alle Räume, mit Ausnahme des Flures, waren damit befallen. Der Hausmeister des Anwesens behandelte die befallenen Wände mit einem Schimmel-Beseitigungsspray. Doch das Problem trat im Januar 2011 wieder auf.

Daraufhin informierten die Mieter den Vermieter, der einen Malerfachbetrieb damit beauftragte, den Schimmel zu beseitigen. Die Mieter befürchteten allerdings, dass der Schimmel erneut auftreten könnte. Aus diesem Grund teilten sie dem Vermieter mit, dass sie sich ein außerordentliches Kündigungsrecht vorbehalten.

Tatsächlich trat schon im März im Bad erneut Schimmel auf. Daraufhin räumten die Mieter die Wohnung und verlangten vom Vermieter unter anderem die Umzugskosten und die Maklerkosten für die neue Wohnung zurück. Dieser weigerte sich allerdings zu zahlen. Vor Gericht behielt er Recht. Denn laut Richterin muss der Mieter die Mängel erneut anzeigen, auch wenn der Vermieter vorher schon versucht hatte, das Problem erfolglos zu beseitigen.

Kündigung per E-Mail gilt als nicht wirksam

Ich habe Probleme mit meinem Vermieter. Wir haben vor drei Monaten mündlich und per E-Mail gekündigt. Als ich meinen Vermieter zwei Monate später ansprach, sagte er, dass es nicht reichte und dass ich einen Brief zur Kündigung schreiben soll. Das habe ich gemacht und dann meinte er, dass wir noch einen Monat extra bezahlen müssen, also November, obwohl wir Ende Oktober ausziehen wollten. Nachdem wir es mit ihm diskutierten sagte er, dass eine halbe Novembermiete reicht. Ist das rechtens?

Bernard de Gaude, München

Eine Kündigung muss laut Gesetz schriftlich mit Unterschrift erfolgen, erklärt Anja Franz, Rechtsexpertin des Mietervereins München. Eine Kündigung per E-Mail ist unwirksam. Es ist nicht besonders fair, dass der Vermieter den Mieter erst nach zwei Monaten auf die Unwirksamkeit hinweist, aber er muss nichts sagen. Das Mietverhältnis dauert so lange, bis eine wirksame Kündigung mit drei Monaten Frist vorgelegt wird. Familie de Gaude sollte also das Angebot annehmen, wonach sie nur noch eine halbe Miete zahlen muss – damit kommt sie immer noch besser weg, als wenn es nur streng nach den Buchstaben des Gesetzes ginge.

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