Die tz hilft bei Mietfragen

Wasserschaden! Wer zahlt für die Reinigung?

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Knut Keul zeigt seine Hemden. Bei Wasserschäden wurden sie feucht.

München - Aller schlechten Dinge sind drei. Das gilt jedenfalls für Knut Keul (45) und seine Wohnung im Glockenbachviertel. Drei Wasserschäden innerhalb eines Jahres.

Aller schlechten Dinge sind drei. Das gilt jedenfalls für Knut Keul (45) und seine Wohnung im Glockenbachviertel. Drei Wasserschäden innerhalb eines Jahres, drei Mal Ärger mit den feuchten Wänden, drei Mal alle 60 Hemden waschen und bügeln, damit ihnen die Feuchtigkeit keinen Schaden zufügt. Bloß bei den Reparaturen spielt die Zahl drei keine Rolle. Denn: Keul hat insgesamt 21 (!) Tage lang auf Handwerker gewartet. Meistens vergebens, weil die angekündigten Leute nicht kamen. „Das liegt eindeutig an der schlechten Koordination durch den Vermieter“, sagt er. Jetzt will Keul sowohl das Geld für die Reinigungsmittel als auch seine Verdienstausfälle durch die Wartezeit ersetzt bekommen.

Keul, der als selbstständiger Verkaufspromoter arbeitet, verdient normalerweise 150 Euro pro Arbeitstag. Allerdings natürlich nicht dann, wenn er daheim sitzt und auf den Installateur wartet … Anja Franz, Rechtsexpertin des Münchner Mietervereins, sieht in diesem Fall gute Chancen für den Mieter. Allerdings geht es da nicht um die kompletten 21 Tage, sondern nur um diejenige Zeit, die über das normale Maß hinausgeht. Franz: „Wenn sich Herr Keul zwei bis drei Tage pro Schadensfall hätte freinehmen müssen, wäre das zumutbar. Mehr aber nicht.“ Keuls Rechtsanwalt Max-Peter Fischer hat jetzt 13 Tage Verdienstausfall beim Vermieter geltend gemacht. Bisher allerdings ohne Reaktion. Deshalb zieht der Mieter eine Klage in Erwägung.

Ersetzt bekommen möchte Keul auch die Waschmittel-Kosten für die Hemden – allesamt feinster Zwirn. Keul: „Ich bin in meinem Job darauf angewiesen, dass ich edel gekleidet bin.“ Deshalb hat er nach jedem der Wasserschäden alle Hemden, die feucht geworden waren, gewaschen und desinfiziert beziehungsweise gechlort, danach auf dem Balkon getrocknet. Und jedes Mal war er vier Tage mit dem Bügeln beschäftigt.

Der Vermieter will die Kosten für die Wäsche allerdings nicht ersetzen, obwohl es nur um einen geringen Betrag geht. Es sei nicht nachgewiesen, dass Keul mit den Mitteln für insgesamt 26,99 Euro ausschließlich seine Hemden nach Wassereinbrüchen gewaschen habe. Keul: „Das ist ärgerlich. Schließlich hat jeder die Hemden sehen können – ich habe sie ja auf dem Balkon getrocknet.“

Anja Franz kann den Ärger des Mieters nachvollziehen. „Aber das ist eben die Krux beim Schadensersatz: Hier muss immer alles genau nachweisbar sein.“ Und bei den Reinigungsmitteln ist das schwierig. Franz erklärt: „Anders wäre es, wenn Herr Keul seine Hemden in die Reinigung gebracht hätte. Dann wäre der Nachweis gelungen.“ Im Hinblick auf den Vermieter gibt die Rechtsexpertin zu bedenken, dass es viel günstiger ist, die Hemden selbst zu waschen als sie in die Reinigung zu geben. Franz meint: „Mit dem Ersatz der Reinigungsmittel kommt der Vermieter doch viel besser weg, als wenn er die Kosten einer professionellen Reinigung so vieler Hemden hätte übernehmen müssen.“

Keuls Vermieter wollte auf Anfrage der tz unter Hinweis auf das laufende Verfahren keine Stellung beziehen.

Susanne Sasse

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