Brunnen am Sendlinger Tor nimmt wieder Gestalt an

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Einen Hügel aus Beton schütten diese Arbeiter auf. Darauf kommen die Original-Pflastersteine. Der Ringstein oben, aus dem eine der sechs Fontänen emporspritzen wird, markiert die Spitze des Hügels.

München - Der Brunnen am Sendlinger-Tor-Platz wird neu aufgebaut. Ascorbinsäure (Vitamin C) im Wasser soll Verkalkung vorbeugen.

Der Brunnen am Sendlinger Tor nimmt wieder Gestalt an. Hinter dem weißen Bauzaun sind Arbeiter gerade dabei, die Hügellandschaft nach Originalplänen von Heiner Schumann aus dem Olympiajahr 1972 zu modellieren. Denn für die 700 000 Euro teure Sanierung musste die Anlage komplett abgetragen werden.

Sechs mehr als drei Meter hohe Fontänen und fünf sogenannte Qualler, integriert in sanfte gepflasterte Hügel im Rondell der Tram-Wendeschleife, hatte Schumann seinerzeit entworfen. Doch in den letzten Jahren war die Freude der Münchner über die Wasserspiele getrübt: Nur noch klägliche 70 Zentimeter hoch spritzte das Wasser – mehr schaffte die alte, verkalkte Technik nicht mehr. Als 2009 auch noch Wasser in das Pumpenhaus unter dem Brunnen eindrang, wurde die Anlage stillgelegt. Das Bauwerk wurde freigelegt und abgedichtet, nun entsteht der sichtbare Teil neu – mit den Original-Pflastersteinen, wie Florian Hochstätter vom Baureferat betont.

Im Untergrund wird die Technik nahezu komplett erneuert. Während etwa aus dem Fischbrunnen und den Volkssängerbrunnen auf dem Viktualienmarkt stets frisches Trinkwasser plätschert, arbeitet im Inneren des Sendlinger-Tor-Brunnens ein Kreislaufsystem. Das spart Wasser, viel Wasser: Gut 60 000 Liter spritzen täglich aus den Düsen. Doch auch wenn es nicht direkt aus der Wasserleitung komme, sei das Wasser dank mehrerer Filterstufen im Kreislaufsystem sauber, versichert Hochstätter. Mehrfach pro Saison würden die 50 000 Liter Wasser der Anlage zudem komplett ausgetauscht, so dass man auch Kinder ohne Bedenken im Brunnen plantschen lassen könne.

Damit die Rohre nicht wieder so schnell verkalken, wird dem Wasser vollautomatisch eine geringe Menge Ascorbinsäure zugesetzt. Das macht die Anlage gewissermaßen zum Gesundbrunnen, denn Ascorbinsäure ist nichts anderes als Vitamin C.

Bis November, so hofft Bauleiter Robin Röderer, wird die Anlage oberirdisch fertig sein. Im März 2010 könnten dann erste Testläufe beginnen, um Pumpenleistung und Düsen genau zu justieren. Im Sommer 2012 sollen die Fontänen dann wieder 3,50 Meter hoch spritzen. An heißen Tagen werden davon – ähnlich wie am Stachus – auch die Anlieger profitieren: Die Verdunstung beeinflusst das Mikroklima positiv. „Um wie viel Grad es kühler wird, kann man aber nicht ausrechnen“, sagt Röderer. Über eine Neuerung werden sich vor allem Fahrgäste an der Tram-Haltestelle freuen: Ein Windwächter überwacht die Windgeschwindigkeit auf dem Platz. Weht es zu stark, wird die Pumpenleistung reduziert, damit die Fontänen kleiner werden und die Wartenden nicht im Sprühregen stehen.

Peter T. Schmidt

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