Wau, ich bin ein Trennungs-Hund

München - Auch der beste Stammbaum ist keine Garantie, dass man selbst nicht zum hin- und hergerissenen Scheidungshund wird, wie der Fall des Pinschers Ringo vor dem Amtsgericht München beweist.

Trennungen kommen in den besten Häusern vor. Das musste jetzt Ringo (Name von der Redaktion geändert) erfahren, ein etwa vier Jahre alter Deutscher Pinscher aus renommierter Zuchtlinie. Seine Ahnen können bis zu den acht Ur-Ur-Großeltern mit Vor- und Nachnamen lückenlos benannt werden. Aber auch der beste Stammbaum ist keine Garantie, dass man selbst nicht zum hin- und hergerissenen Scheidungshund wird, wie dieser Fall vom Amtsgericht München beweist.

Eineinhalb Jahre, nachdem die Beziehung zwischen Herrchen und Frauchen gescheitert war, musste das Sorgerecht für Ringo vor Gericht geklärt werden. Ergebnis: Der Rüde bleibt ganz bei der Münchnerin, dafür muss sie ihrem Ex 425 Euro zahlen – knapp die Hälfte des Kaufpreises.

Es war eine verfahrene Situation, mit der es Richterin Lena Neumeier zu tun hatte: Es gab Vorwürfe und Behauptungen von der einen wie von der anderen Seite. Nach der Trennung des jungen Paares hatte ursprünglich eine harmonische Umgangsregel gegolten, vereinbart ganz ohne rechtlichen Beistand. Unter der Woche lebt Ringo bei ihm – die Wochenenden verbringt er bei Frauchen. Eine Weile lief es so recht gut.

Anfang 2010 aber gab das Teilzeit-Frauchen den Gemeinschafts-Pinscher am Montagfrüh nicht wieder heraus. Ihr Hauptargument laut Mitteilung des Amtsgerichts: Der Hund gehöre eigentlich ihr, da er ihr geschenkt worden sei – was der angebliche Schenker umgehend abstritt. Die Frau wurde aber auch von der Sorge umgetrieben, ihr ehemaliger Partner würde ihr Ringo irgendwann ganz vorenthalten: Immer wieder mal habe er ihr vorgeworfen, dem Hund gehe es bei ihr so schlecht. In der Tat erklärte er dem Gericht, die Frau komme mit dem Hund nicht zurecht, verabreiche ihm Billigfutter, habe ihn auch immer mal wieder weggesperrt oder krank zurückgegeben. Da behielt sie ihn lieber selbst ein und ließ umgekehrt ähnliche Vorwürfe gegen ihren früheren Partner los.

Schließlich reichte der Mann Klage vor dem Amtsgericht ein. Seine Prozessgegnerin sollte verpflichtet werden, Ringo unter der Woche wieder ihm zu übergeben. Für die bisherige Lösung seien die Fronten zu verhärtet, meinte Richterin Neumeier. Im Interesse des Hundes sei es doch besser, sich anderweitig zu einigen, appellierte sie an die Kontrahenten.

Auch wenn der Hund Miteigentum beider Parteien wäre, könne jeder der beiden eine Aufhebung der Miteigenschaft verlangen, so sah juristisch und sperrig formuliert die Lage des quicklebendigen Ringo aus: „Das könnte dazu führen, dass der Hund verkauft und der Erlös geteilt wird.“ Dieser salomonische Appell fiel bei den unversöhnlichen Kontrahenten auf fruchtbaren Boden: Dass der gemeinsam ausgesuchte und von beiden heiß geliebte Ringo bei völlig fremden Leuten landen sollte, das wollten weder Frauchen noch Herrchen.

BW.

Rubriklistenbild: © dpa

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