Pandemie führt zu Einschnitten im ÖPNV

Wegen Corona MVG auf Sparkurs: Kürzungen beim Bustakt und kaum neue Angebote

Nur bei Bussen soll sich im kommenden Jahr was ändern – allerdings geht es dabei auch um Kürzungen.
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Nur bei Bussen soll sich im kommenden Jahr was ändern – allerdings geht es dabei auch um Kürzungen.

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) – auch im kommenden Jahr. Bereits 2020 hatten sinkende Fahrgastzahlen zu Einnahmeeinbußen von 140 Millionen Euro geführt. Bund und Freistaat ersetzten den Ausfall mit einem Rettungsschirm – allerdings nur zu 90 Prozent. Und zudem bleibt die Nachfrage nach Tickets weiter auf einem niedrigen Niveau.

Schon 2021 hatte die MVG auf nennenswerte Großprojekte verzichtet. Geplant waren dennoch Taktverdichtungen bei der U-Bahn und Tram sowie neue Buslinien. Einiges davon ist schon umgesetzt, wie etwa der Fünf-Minuten-Takt der U6 nach Garching in der Hauptverkehrszeit. Andere Projekte harren noch der Umsetzung, beispielsweise die Taktverdichtung auf der U4 bis Arabellapark in der Hauptverkehrszeit oder die Taktverdichtung auf der Tramlinie 23.

Aber auch im kommenden Jahr müssen die Verkehrsbetriebe sparen. Bei U-Bahn und Tram ist gleich gar nichts geplant, beim Bus zwar schon, es geht aber auch um eine Reduzierung des Angebotes. So soll der Bus 57 schon ab September häufiger fahren, weil morgens Schüler zum Bildungscampus Freiham müssen. Ähnliches gilt für die Linie 60, wo nach der Verlegung der Eduard-Spranger Schule zur Mittelschule an der Toni-Pfülf-Straße zusätzlicher Bedarf besteht. Gleichsam reduziert die MVG das Angebot auf der Linie 52. Dort soll wochentags ab 9 Uhr nur noch alle zehn Minuten ein Bus fahren, nicht alle sechs beziehungsweise sieben Minuten. Weniger oft frequentieren auch Fahrzeuge auf den Linien 154, 162/163 oder 180.

Das Leistungsprogramm der MVG ist noch im Entwurfsstadium und wird derzeit in den Bezirksausschüssen vorgestellt. Der Stadtrat befasst sich final im Sommer mit dem Papier. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert aber bereits jetzt, dass unter dem Strich ab Herbst keine Angebotsausweitungen geplant seien. Außerdem seien noch zu viele Projekte in der Warteschleife, die bereits seit Dezember hätten umgesetzt werden müssen. „Die Lücke zu den Aussagen im Stadtrat klafft weit auseinander“, sagt Barth.

Die Kritik will SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl so nicht stehen lassen. „Wir müssen erst einmal schauen, dass wir den Bestand erhalten.“ Denn immerhin sei es gelungen, trotz der Einbußen durch die Corona-Pandemie, das Angebot nahezu zu 100 Prozent aufrechtzuerhalten. „Aber klar, wir brauchen dringend einen weiteren Rettungsschirm für das Jahr 2021, wenn wir an dem Ziel festhalten wollen, dass künftig 30 Prozent der Wege mit dem ÖPNV zurückgelegt werden.“

Wegen der Fahrgastrückgänge gebe es eine Sondersituation, sagt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. „Wir haben sehr viel verschoben. Und wir bauen das Angebot tatsächlich jetzt nur dort aus, wo es um neue Siedlungen oder Schulen geht.“ Es bleibe abzuwarten, wie sich die Fahrgastzahlen entwickeln. „Wir hoffen natürlich, dass es wieder besser wird.“

Bundesweit prognostiziert der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) für den ÖPNV im Jahr 2021 einen Verlust von rund 3,5 Milliarden Euro. Eine Erholung sei laut VDV-Präsident Ingo Wortmann erst Ende des Jahres zu erwarten. SASCHA KAROWSKI

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