Spektakulärer Paulaner-Umzug

Wegen dieser Tanks müssen Ampeln abgebaut werden

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Das Foto vom 20.08.2014 zeigt Schwertransporter einer Spedition, die Biertanks mit einem Durchmesser von 5,10 Meter nach München (Bayern) transportieren.

München - Verbreiterte Straßen, demontierte Ampeln, zerlegte Gartenzäune: Der Transport der Tanks für die neue Paulaner-Brauerei in München ist eine logistische Herausforderung.

So manch heimgekehrter Urlauber aus Manching, Schrobenhausen oder Markt Indersdorf dürfte sich derzeit wundern, wenn er spätabends aus dem Fenster blickt. Seit Ende August wiederholt sich in den oberbayerischen Gemeinden zweimal wöchentlich ein besonderes Schauspiel - aufgeführt von einer Stuttgarter Firma. Gartenzäune werden dabei zerlegt, Verkehrsschilder abgebaut und Ampeln demontiert. Doch am nächsten Morgen ist alles wieder wie zuvor. Die nächtlichen Besucher hinterlassen keine Spuren. Sie schaffen nur Platz für einen besonderen Konvoi.

Ihr aktueller Auftrag ist selbst für die auf Schwertransporte spezialisierte Firma eine Herausforderung. Für die Paulaner-Brauerei bringt das schwäbische Unternehmen 87 Gär- und Lagertanks von Kelheim an der Donau nach München, wo im Stadtteil Langwied eine neue Brauerei entsteht. Zwei Nächte dauert es, bis die mindestens 5,20 Meter breiten und mehr als 30 Meter langen Tanks nach 165 Kilometern im Münchner Westen ankommen.

Das Problem: „Die Tanks sind so hoch und breit, dass sie nicht unter Autobahnbrücken durchpassen“, sagt Paulaner-Sprecher Burkhard Rüdiger. Stattdessen geht es per Schiff vom unterfränkischen Bürgstadt, wo die Tanks gefertigt werden, über Main und Donau nach Kelheim. Von dort werden immer drei Exemplare bis nach Bergkirchen bei Dachau gebracht - immer nachts, weil dafür mehrere Straßen gesperrt werden müssen. Einen Tag später bewältigen die Sattelschlepper dann die restliche Strecke nach Langwied. „In der ersten Nacht ist die Strecke ziemlich weit, dafür ist das letzte Stück ziemlich anspruchsvoll“, sagt Transportleiter Mirko Lud.

Vor allem die letzten zwölf Kilometer stellen die Fahrer vor Herausforderungen. „Ab Bergkirchen ist es äußerst diffizil, vieles steht sehr eng an der Straße“, sagt Lud. Weniger als fünf Meter seien die Durchfahrten an manchen Stellen breit - zu wenig für die Tanks. Also wurden Straßenränder und Wiesen mit Kies aufgeschüttet oder Äste von Bäumen gesägt. Bewegliche Dinge wie Schilder und Gartenzäune müssen vor jeder Durchfahrt ab- und hinterher wieder aufgebaut werden. Mindestens zehn Menschen sind dann in der Vor- und Nachhut sowie in den Fahrerhäusern der Schwertransporter im Einsatz.

An einer Kreuzung am Münchner Stadtrand konnten aber auch die Experten nichts ausrichten. Eine dortige Linkskurve ist einfach zu eng für die Tanks. Also dachten die Planer um: Jetzt biegen die Schwertransporter erst rechts ab und fahren dann die etwa 500 Meter bis zur nächsten Kreuzung rückwärts.

Solche Manöver hätten in den ersten Nächten zahlreiche Neugierige angezogen, erzählt Lud. In vielen Gemeinden seien die Konvois beobachtet und fotografiert worden. Paulaner-Sprecher Rüdiger ergänzt: „Natürlich ist das auch nicht immer angenehm für die Anwohner, aber sie sind sehr hilfsbereit.“

Die Brauerei hat einiges dafür getan. Vorab wurde ausführlich über den Routenverlauf und die Eingriffe aufgeklärt. Es gibt verschiedene Kontaktmöglichkeiten und im Internet wird über den Fortgang des Neubaus und die Termine für die Tank-Transporte informiert. Auch die betroffenen Gemeinden bestätigen, dass es bislang kaum Beschwerden gab. „Wir bekommen davon oft gar nicht viel mit“, sagt etwa Manchings Bürgermeister Herbert Nerb.

Bis Ende November sollen alle 87 Tanks auf dem neuen Gelände der Brauerei sein. Das Areal am Nockherberg, auf dem Paulaner seit der Gründung im Jahr 1634 braut, soll größtenteils verkauft und dann neu bebaut werden. Es sei der Brauerei in den vergangenen Jahren schlicht zu klein geworden, sagt Rüdiger. Eine Zeit lang wird am Nockherberg trotzdem noch gebraut. Erst 2016 soll der Vollbetrieb in Langwied beginnen.

dpa

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