Florierender Handel mit Anabolika

Mit drei Komplizen: Angeklagter vertickte Präparate zum Muskelaufbau

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Mit dem Handel illegaler Muskelaufbau-Präparate bestritt der Hauptbeschuldigte seinen Lebensunterhalt.

Ein 45-Jähriger soll mit muskelaufbauenden Präparaten Handel betrieben haben. Nun steht er vor Gericht. Es droht eine lange Haftstrafe.

München - Doping kennt man vom Hochleistungssport. Doch auch jenseits sündiger Top-Athleten gibt es einen florierenden Markt mit illegalen Mitteln. Das wurde am Donnerstag bei einem Prozess vor dem Landgericht deutlich.

Juha M. (Name geändert) betrieb seit Jahren von Köln aus einen gewinnbringenden Handel mit Arzneimitteln für den beschleunigten Kraft- und Muskelaufbau. Teilweise konsumierte der Bodybuilder die Präparate selbst, doch Hauptantrieb war der Aufbau eines gewerbsmäßigen Handels. Einen der zahlreichen Abnehmer hatte der heute 45-Jährige in München. Dem verkaufte er mindestens sechs Mal Steroid-Cocktails in erheblichen Mengen. Juha M. ließ sich die Rohstoffe aus China kommen und verarbeitete sie teilweise in einem eigenen Untergrund-Labor weiter. Die Geschäfte flogen auf, obwohl sich der Beschuldigte die illegale Ware meist an Tarnadressen liefern ließ - in der Absicht, die Spuren zu verwischen. Der Zoll kam ihm ebenfalls auf die Schliche. Auch Einkaufsgeschäfte in den USA, der Schweiz, Bulgarien und Griechenland wurden aufgedeckt. Insgesamt wurden dem Angeklagten 19 Fälle nachgewiesen.

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Bis zu 55 Euro Gewinn mit einer Ampulle

Die Gewinnspannen bei diesen Deals sind nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Kai Gräber groß. Eine Ampulle der gehandelten Anabolika koste in der Herstellung fünf bis zehn Euro, im Verkauf seien zwischen 30 und 60 Euro zu erlösen. Offenbar konnte der Angeklagte davon ganz gut leben. Er war arbeitslos und fuhr trotzdem ein teures Auto.

Vor Gericht standen am Donnerstag auch drei Komplizen, die bei der Doping-Geschäftemacherei Hilfsdienste leisteten: So entwarfen zwei weitere Angeklagte Etiketten mit dem Label „Premium Medicals“. Juha M. druckte diese aus und beklebte damit die Zehn-Milliliter-Ampullen der von ihm gebrauten Untergrundware. Besonders kurios stellt sich der Fall des dritten Komplizen dar: Es handelt sich um einen Rentner aus der Schweiz (67), den Juha M. im Kölner Karneval kennenlernte. Der Rentner erledigte Kurierdienste, holte Pakete ab, teilweise wurden diese auch an seine Adresse geschickt. Anschließend fuhr der 67-Jährige die Ware nach Köln und übergab sie dem Hauptangeklagten. Dafür war jeweils eine Entlohnung von 300 Euro vereinbart.

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Bis zu zehn Jahre Haft möglich

Der Schweizer ist geständig, er dürfte mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Für die beiden anderen Prozessbeteiligten beantragten die Anwälte die Einstellung des Verfahrens. Der Kölner Doping-Dealer sitzt unterdessen bereits seit April 2017 in Untersuchungshaft in Stadelheim. Für sein Vergehen ist eine Mindeststrafe von einem Jahr bis zu einem Höchstmaß von zehn Jahren möglich. Für den Prozess sind sieben weitere Verhandlungstage angesetzt, weil zahlreiche Zeugen gehört werden müssen. Unter anderem der Münchner Thomas E. (Name geändert), der Anabolika konsumierte, aber auch selbst weiterverkaufte. Er soll mittlerweile geständig sein. Ein anderer Zwischenhändler aus Kempten, mit dem Juha M. in Kontakt stand, wurde in einem weiteren Verfahren bereits zu sechs Jahren Haft verurteilt - auch, weil er schon einschlägig vorbestraft war.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die Abnehmer der Ware und der Hauptangeklagte aus Köln gar nicht persönlich gekannt haben. Die Geschäfte würden in einschlägigen Bodybuilding-Foren im Internet angebahnt, so Gräber. Juha M. firmierte in den Foren unter dem Decknamen „Hook“, wie die Piratenfigur aus der Kindergeschichte „Peter Pan“. Das Geheimlabor des 45-Jährigen haben die Ermittler der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping übrigens nicht gefunden.

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Klaus Vick

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