Mann hat interessante Ausrede

Prozess um Sex am V-Markt

+
Martina A. modelte angeblich für Peter M.

München - Sex auf einem Supermarkt-Parkplatz - damit haben sich ein Mann und eine Frau Ärger einbrockt. Vor Gericht haben sie eine abenteuerliche Geschichte parat.

"Mama, was machen die Leute denn da?“ Die Eltern des kleinen Mikail (4) staunen nicht schlecht, als der Bub auf ein eng umschlungenes Pärchen zeigt: Unfreiwillig sehen sie, wie sich Peter M. (53) mit der leicht bekleideten Martina A. (50) auf dem V-Markt-Parkplatz in der Maria-Probst-Straße vergnügt. „Die beiden hatten minutenlang Sex und jeder konnte zusehen“, behauptet Ayla A. (39) – und rief die Polizei. „Die Beamten mussten die Dame sogar noch bitten, ihr Höschen wieder anzuziehen“, sagt sie. Die Frau sei krank, erzählt sie schließlich dem kleinen Mikail.

Zeugin Ayla A. mit Mann Harun

Vor dem Amtsgericht galt diese Ausrede am Freitag nicht. Dort mussten sich Peter M. und Martina A. wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verantworten. Tatvorwurf: Sie hätten sich am 26. August gegen 17 Uhr ganz bewusst öffentlich geliebt – mitten am Parkplatz, an eine Mauer gelehnt.

„Es ist richtig, dass wir da waren“, sagt Peter M. „Wir haben aber keinen Sex gehabt, sondern ein Fotoshooting gemacht. Und waren deshalb sehr überrascht, als die Polizei kam“, behauptet der Hobby-Fotograf. Es sei ein sonniger Tag gewesen, perfekt für erotische Aufnahmen mit Martina A., was ja nicht verboten ist. „Sie hat für mich gemodelt“, behauptet er. „Ihr graues Kleid war ein schöner Kontrast zur Fassade des V-Markts. Ich stand zwei bis fünf Meter entfernt von ihr.“ Aber: Er hätte sein Model „ausrichten müssen“, also ihr die richtige Pose zeigen. „Da stand ich dann direkt vor ihr und musste sie auch anfassen.“

Jubel unter zuschauenden Flüchtlingen

Nur mit Mühe gelingt es Richterin Margret Eisenmann bei diesen Aussagen ernst zu bleiben. „Ihre Hose mussten Sie dafür aber nicht herunterlassen?“, fragt sie. Denn wie Augenzeugen behaupten, wurden die eindeutigen Szenen von etlichen Besuchern beobachtet. „Es standen sogar Flüchtlinge drumherum, die haben laut gejubelt“, sagt Ayla A.

Trotzdem wurden Peter M. und Martina A. nicht verurteilt. „Es muss die klare Absicht vorliegen, dass man beim Sex gesehen werden will“, begründete die Richterin. Das könne man den beiden Angeklagten aber nicht nachweisen, zumal sie sich am Rande des Parkplatzes aufgehalten hatten. Ein Foto des Shootings legte Peter M. der Richterin sogar zum Beweis vor. Sie stellte daraufhin das Verfahren ein. Die Kosten für den Schmuddelprozess trägt nun die Staatskasse.

Andreas Thieme

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare