"Es ist etwas Schlimmes passiert"

Wegen SMS: Münchner Firma erlebt Telefon-Terror

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Diese Nachricht ging an einen Journalisten: Moderator Alexander Woldrich vom Augsburger Radio Fantasy hat die SMS bekommen. 

München - "Es ist etwas Schlimmes passiert, ruf mich bitte an": Dieser Text wird seit einigen Wochen per SMS verschickt. Und das ist der Grund, dass bei einer Münchner Firma das Telefon pausenlos klingelt.

Wahrscheinlich würde Johannes Leiner am liebsten gar nicht mehr ans Telefon gehen. Denn meistens sind es keine Kunden, die bei seiner Münchner Schlüsselfirma anrufen. Der Chef, der eigentlich anders heißt, muss sich seit ein paar Wochen mit etwas ganz anderem auseinandersetzen: Mit einer neuen Form von SMS-Terror.

Grund dafür sind Kurznachrichten oder Whats-app-Mitteilungen, die seit etwa Ostern verschickt werden - sie sind offenbar computergeneriert und gehen an wahllos ausgewählte Handynummern. "Es ist etwas Schlimmes passiert", ist darin zu lesen. "Ruf mich bitte an." Und dann steht da eine Nummer - eben die Geschäftsnummer von Johannes Leiner. Der ahnungslose Empfänger der SMS ruft zurück und landet beim Münchner Schlüsseldienst.

Anrufe auch um 3 Uhr in der Nacht

"Wir haben tausende Anrufe bekommen", sagt Johannes Leiner. Mitgezählt hat er irgendwann nicht mehr. "Tagsüber klingelt das Telefon permanent, im Minutentakt." Doch damit ist es nicht getan. Denn die Nachrichten werden zu allen Tages- und Nachtzeiten versendet. Nicht selten bekommt also ein Handy-Nutzer mitten in der Nacht um 3 Uhr eine Ruf-mich-bitte-an-SMS. Und wählt dann Leiners Nummer.

Dementsprechend fallen oft auch die Reaktionen aus. "Querbeet ist alles da dabei", sagt der Schlüsseldienst-Chef. "Von wüsten Beschimpfungen á la ,Was soll denn das, du Depp?' bis zu Mitleidsbekundungen." Denn die Menschen, die die SMS bekommen, wissen oft überhaupt nicht, wo sie da eigentlich gerade anrufen.

Der Hintergrund für diesen SMS-Terror ist möglicherweise ziemlich simpel. Denn: Wenn Johannes Leiners Leitungen ständig belegt sind, kommen tatsächliche Kunden, die den Schlüsseldienst wirklich brauchen, nicht mehr durch. Konsequenz: Sie rufen bei einer anderen Firma an. Die Kurznachrichten sollen also wohl vor allem eins: Das Geschäft schädigen.

Polizei bestätigt die Masche

Leiners Betrieb ist offenbar auch nicht der einzige Schlüsseldienst, der mit diesem Problem zu kämpfen hat. Auch andere Firmen hätten schon Erfahrung damit gemacht, sagt er.

Auch die Polizei München bestätigt gegenüber unserer Online-Redaktion, dass es diese Art des Telefon-Terrors tatsächlich gibt. Weiter wollen sich die Beamten aber wegen der laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Auch Johannes Leiner will abwarten, was die Polizei herausfindet. Viel mehr bleibt ihm auch nicht zu tun - denn seine Nummer ändern kann er nicht. "An dieser Telefonnummer hängt mein gesamter Betrieb", sagt er. Die Schlüsselfirma gibt es in München schon seit 25 Jahren, unter der Telefonnummer ist er schon seit fast zehn Jahren zu erreichen. "Sämtliche Werbung und noch jede Menge andere Dinge sind mit diesem Anschluss aufgezogen. Wir können uns nicht einfach einen anderen geben lassen."

pak

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