Wegen toter PKK-Frau: Riesen-Zoff im Rathaus

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Andrea Wolf starb vermutlich 1998 in der Türkei

München - Der Tod der linksradikalen Münchner Aktivistin Andrea Wolf soll am Freitag Thema im Rathaus sein. Die Sache ist diffizil – doch ist es eine Rathaus-Angelegenheit?

Das Rathaus ist die Zentrale der Münchner Stadtpolitik – die Fraktionen haben dort Räume, in denen sie sich um ihre Arbeit kümmern können. Einstimmige Stadtratsbeschlüsse regeln, dass diese Räume nur für kommunalpolitische Zwecke da sind.

Für Grünen-Fraktions-Chef Sigi Benker gehört dazu auch der Tod der linksradikalen Münchner Aktivistin Andrea Wolf, die die türkische Armee 1998 in der Osttürkei erschossen haben soll. Die 1965 geborene Wolf gehörte zum Umfeld der RAF, gegen sie wurde im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf das Gefängnis in Weiterstadt 1993 ermittelt, es gab einen Haftbefehl. Wolf bestritt die Beteiligung, floh in das osttürkische Kurdistan, wo sie mit der PKK gegen die türkische Armee kämpfte. Türkische Soldaten sollen sie 1998 gefangen genommen und ohne Gerichtsverfahren erschossen haben.

Benker und seine Ehefrau, die Rechtsanwältin Angelika Lex, wollen, dass die deutschen Justizbehörden Wolfs Tod als Mord verfolgen. Darüber wollten sie am Freitag in einer Pressekonferenz im Rathaus berichten. Das Thema ist diffizil – doch ist es eine Rathaus-Angelegenheit? „Eindeutig nein“, so SPD-Fraktionsvize Helmut Schmid zur tz. „Ich sehe da keinen kommunalpolitischen Zusammenhang.“

Benker sieht das anders: „Andrea Wolf hat lange in München gelebt, ich kannte sie persönlich. Ich habe als Fraktionsvorsitzender das Hausrecht.“ Das Rathaus-Direktorium drängte aber auf die Verlegung der Veranstaltung, sie findet nun in der Grünen-Zentrale am Oberanger statt. Benker bleibt stur, er könne „diese Einwände in keiner Weise nachvollziehen“. Das Thema der Pressekonferenz dürfe aber nicht durch einen Streit „um Formalitäten“ in den Hintergrund gedrängt werden.

Johannes Welte

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