Ein seltsames 25-Tonnen-Tor

Das ist das größte Geheimnis der S-Bahn

Das Wehrkammertor beim Isartor.

München - Jahrzehntelang hütete die S-Bahn eine ganz besondere Sicherheitseinrichtung auf der Stammstrecke als Geheimnis. Jetzt hat sie dieses gelüftet und der Öffentlichkeit vorgestellt: Das Wehrkammertor beim Isartor.

Jahrzehntelang hütete die S-Bahn eine ganz besondere Sicherheitseinrichtung auf der Stammstrecke als großes Geheimnis. Jetzt hat sie dieses gelüftet und der Öffentlichkeit vorgestellt: Das sogenannte Wehrkammertor beim Haltepunkt Isartor. Bei einem Wassereinbruch der Isar in die S-Bahnröhre soll es verhindern, dass Fahrgäste in S- und U-Bahn ertrinken. Ein Besuch im Untergrund.

Warum wäre ein Wassereinbruch so dramatisch?

Zwei Minuten dauert das Schließen der Tore

Florian Kubelka, Bereichsleiter von DB-Netz: „Im Gegensatz zu den Isarquerungen der U-Bahn wurde die S-Bahnröhre seinerzeit relativ flach unter dem Fluss gebaut. Die Gleise liegen nur elf Meter unterhalb der Oberfläche. Bei einem größeren Wassereinbruch oder Isardurchbruch würden die Wassermassen sofort Richtung Isartor und Marienplatz gedrückt. Da die U-Bahnhöfe Marienplatz, Sendlinger-Tor-Platz und Odeonsplatz wesentlich tiefer als die Isar liegen, würden sie in wenigen Minuten überflutet“. Das bedeutet: Die Fahrgäste würden in den Zügen und auf den Bahnsteigen ertrinken.

Wie schützt das Wehrkammertor die Fahrgäste?

Bei einem Wassereinbruch wird die Oberleitung zur Seite geklappt. Dann werden zwei jeweils 25 Tonnen schwere Tore (eines pro Fahrtrichtung) innerhalb von zwei Minuten heruntergelassen. Sie schotten die Röhre Richtung Isartor hermetisch ab.

Wo liegt das Wehrkammertor?

Rund 150 Meter östlich des Haltepunktes Isartor. Für S-Bahnfahrgäste ist es während der Fahrt nicht zu erkennen. Oberirdisch führt in der Steinsdorfstraße unter einem Metalldeckel verborgen eine schmale Treppe zum Maschinenraum der Geheimtore.

Wie funktioniert die Auslösung in der Praxis?

Mit diesen dicken Ketten werden die Tore abgelassen bis alles dicht ist

Drei Pegel (2,3 Meter und ein Meter unter der S-Bahn sowie einer auf Höhe Schienenoberkante) messen, ob ein Wasser-einbruch vorliegt. Bahnsprecher Franz Lindemair: „Schlägt ein Pegel an, geht die Alarmmeldung an den zuständigen Fahrdienstleiter Stammstrecke in der Betriebszentrale an der Donnersbergerbrücke.“ Dieser lässt dann den Streckenabschnitt Isartor–Rosenheimer Platz leer fahren und löst mit einer Befehlskombination das Absenken des Tors aus.

Was passiert, wenn die Tore nicht funktionieren?

DB-Netz-Experte Johann Kapfer: „Das ist sehr unwahrscheinlich. Die Tore sind mit Notstrombatterien abgesichert. Sollte die Verbindung zur Betriebszentrale unterbrochen werden, können die Tore vom Notfallmanager direkt im Betriebsraum unterhalb der Steinsdorfstraße ausgelöst werden.“ Die beiden Netzexperten räumen aber ein, dass bei einem größeren Einbruch zu viel Schotter im Wasser ein hundertprozentiges Schließen verhindern könnte.

Wie oft werden die Tore getestet?

Ein unscheinbarer Metalldeckel an der Steinsdorfstraße: Darunter verbirgt sich die Treppe in die geheime Welt der S- Bahn

Zweimal im Jahr während der Betriebsruhe. Ausgelöst hat das Tor bisher angeblich immer. Allerdings funktionierte mehrmals das Wiederhochfahren nicht. Für 400 000 Euro hat die DB 2012 und dieses Jahr während der Stammstrecken-Bauarbeiten Steuerung und Spezialmotoren erneuert.

Karl-Heinz Dix

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Kommentare

HausschwammAntwort
(0)(0)

Wie macht er denn das? Blockiert er die Gleise oder erschrickt er die Fahrer nur?

Stachus-PennerAntwort
(0)(0)

mehr dumme menschen = mehr Schäden an den Bahnen

Stachus-PennerAntwort
(2)(0)

wenn am Stachus ein Melder anschlägt fahren die bahnen auch durch und die leute pöbeln wenn ich sie bitte den Bahnsteig zu verlassen. meist ist es nur eine Kleinigkeit z.b. ein Ballon mit alubeschichtung der in die Oberleitung kommt und wie eine Granate hoch geht oder nur ein depp der einfach lust hat mal einen schwarzen Knopf in einer koten Schachtel zu drücken. tss die leute maulen und maulen weil die Sicherheit vor geht. aber cool wäre doch wenn der Bahnhof brennt die s-bahn einfährt und die Türen öffnet? wäre doch nett oder wäre das dann auch wieder ein Problem? die SWM, MVG, DB sorgen mit jeder menge Geld für eure Sicherheit.