Samstags-Kolumne von tz-Verleger Dirk Ippen

Weihnachten – ein deutsches Fest für die christliche Welt

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Dirk Ippen.

München - Dirk Ippen erklärt den Ursprung des Weihnachtsfestes und erzählt, was es für ihn persönlich bedeutet. 

In den christlichen Ländern der westlichen Welt bis nach Australien wird Weihnachten auf deutsche Art gefeiert. Von Salzburg aus ist die Melodie von Stille Nacht, heilige Nacht um die Welt gezogen als das Weihnachtslied schlechthin. Ebenso deutsch ist der festlich aufgeputzte Weihnachtsbaum.

Schon im 16. Jahrhundert ist er im Elsass, also am Oberrhein, verbreitet gewesen. Über die Fürstenhöfe, die Handwerkszünfte und das städtische Bürgertum ist er dann im 19. Jahrhundert in jedes deutsche Weihnachtszimmer eingezogen, ungeachtet des Widerstandes der aus katholischen Kreisen gegen den „heidnischen“ Christbaum lange vorgebracht wurde.

Über die deutschen Fürsten auf Europas Thronen wurde der Baum weiter verbreitet. Als Gemahl der Königin Victoria brachte Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha die Sitte des Weihnachtsbaumes in das englische Königshaus. Von dort zog er über die Schlösser des englischen Adels bis in die Wohnstuben der Bürger. 1832 stellte ein deutschstämmiger Harvard-Professor einen Weihnachtsbaum in seinem Wohnhaus auf und brachte damit den Brauch nach Nordamerika. Es dauerte aber bis zum Jahr 1891, als erstmals ein Weihnachtsbaum am Weißen Haus aufgestellt wurde, dem Amtssitz des amerikanischen Präsidenten.

Wie der Baum hat auch der Schmuck seine Geschichte. Begonnen hat sie mit Gebäck und Süßigkeiten, Figuren aus Marzipan sowie Walnüssen und Äpfeln. Dazu die aus Papier, Stroh, Pappe oder verwandten Materialien hergestellten Sterne, Figuren oder farbige Ketten, die um die Zweige geschlungen wurden. Einer Legende zufolge stammt die Idee, farbige Kugeln aus Glas für den Christbaum herzustellen, von einem armen sächsischen Glasbläser, der sich im Jahr 1847 die teuren Walnüsse und Äpfel nicht leisten konnte. Unternehmer in Thüringen, Sachsen und im Erzgebirge sorgten für die liebevolle Herstellung von Figuren, Engeln und Krippen für Baum wie Weihnachtszimmer. Selbst die unchristliche DDR hat diese Kleinindustrie nicht ganz zugrunde richten können. Aus dem Engel aber wurde dabei in der DDR-Sprache die „Jahresendfigur“. In wohlhabenden Familien kam zuerst der Brauch auf, den Baum auch mit den damals teuren Kerzen zu schmücken.

In unseren Familien hat die Sammlung von oft bescheidenem, aber von Generation zu Generation weitergegebenem Christbaumschmuck große Tradition.

Voller Rührung sehe ich, wie wir heute im Alter den gleichen liebevoll verpackten Schmuck aus der Weihnachtskiste herausholen, die meine Mutter schon so sorgsam aufbewahrt hat. Da ist die kleine Krippenszene auf einem geöffneten Blatt, das Jesuskindlein in einer Nussschale, der Posaunenengel, bei dem die Farbe schon ganz abgeblättert ist, und der Hund, über den ich mich schon als Kind vor dem Weihnachtsbaum gefreut habe.

Unsere Enkelkinder lachen über diese unscheinbaren Reste von Weihnachtsfesten, die längst vergangen sind. Mein Herz aber hängt an ihnen und wenn dann am Heiligen Abend die Kerzen brennen, sind sie mir wichtiger, als alles Glänzen und Blinken moderner Weihnacht.

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