Wächter des Christkindlmarkts

Fahnder verrät: So enttarne ich Taschendiebe

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Stefan Stark (r.) ist einer von vielen Münchner Taschendiebfahndern.

München - Wo Gedränge herrscht, sind Taschendiebe in ihrem Element – so wie derzeit auf den Christkindlmärkten. Stefan Stark (31) ist ein Grund dafür, warum sich immer weniger Langfinger nach München trauen. Die tz besuchte ihn an seinem Arbeitsplatz.

„Entschuldigung für die Verspätung“, sagt Stefan Stark bei seiner Ankunft in der Altstadtwache noch völlig außer Atem. „Aber wir hatten gerade noch eine Festnahme.“ Eine Weißrussin, 34 Jahre alt, hat einer Frau in einem Modegeschäft in der Fußgängerzone den Geldbeutel aus der Handtasche gezogen. „Sie wollte abhauen, wir haben sie aber am Ausgang geschnappt“, erzählt der 31-Jährige, als hätte er gerade eine belanglose Akte abgeheftet.

Der Kriminalhauptkommissar macht seit fünf Jahren Jagd auf Taschendiebe in München. Nicht nur zur Adventszeit observiert er die Stadt, auch auf der Wiesn und am Messegelände ist er unterwegs. Stark ist nicht der einzige Fahnder. Wie viele es in München gibt, will er aus taktischen Gründen nicht verraten. „Wir sind so viele, dass es reicht“, versichert er. Ein Blick auf die Zahlen gibt ihm Recht. Pro Jahr nimmt die Polizei zwischen 80 und 120 Diebe fest. Rund 5500 Anzeigen nehmen die Beamten im selben Zeitraum entgegen. Klingt viel? „Schauen Sie mal nach Barcelona“, sagt Stark. Da gehen in einem Jahr 125.000 Anzeigen ein, die Dunkelziffer ist noch um einiges höher.“

„Bei uns gibt es die härteren Strafen“

Und warum passiert in München vergleichsweise wenig? „Weil es bei uns die härteren Strafen gibt“, sagt Stark. Während in Spanien ein erwischter Dieb im Schnitt 100 Euro Strafe zahlt, wandern Gauner in Bayern bis zu ein Jahr pro Delikt ins Gefängnis. Lange Haftstrafen würden Taschendiebe besonders hart treffen. „In dieser Zeit verdienen sie kein Geld“, sagt Stark. „Das sind Profis, für die ist das ihre Arbeit. Und wenn einer gut ist, dann macht der 50.000 Euro pro Monat.“ Taschendiebstahl als Bombengeschäft? „Nicht bei uns“, sagt Stark.

Die Verdrängungstaktik – bestehend aus hoher Polizeipräsenz, gepaart mit 14 Kameras in der Innenstadt – macht den Tätern das Leben schwer.

Trauen sich die Gauner doch nach München, müssen sie an Stefan Stark vorbei. Und der hat die Verdächtigen fest im Blick. Wie ein Mosaik setzt er einzelne Auffälligkeiten zu einem konkreten Verdacht zusammen. Laut Stark bewegen sich Taschendiebe schneller als andere Menschen durch die Massen, haben den Blick meist nach unten auf Taschen und Jacken gerichtet, tragen oft eine kleine Umhängetasche und festes Schuhwerk.

Immer wieder erstaunlich: die Geschwindigkeit, mit der die Diebe vorgehen. Stark erinnert sich an einen Fall auf der Wiesn: „Das waren 17 Versuche und zwei vollendete Taten innerhalb von nur vier Minuten in einem Bierzelt.“ Auf Geldbeutel und Handys haben es die Täter am häufigsten abgesehen. Stark mahnt zur Vorsicht: „Offen getragene Taschen sind praktisch eine Einladung.“

Die Tricks der Taschendiebe funktionieren, weil jahrelange Erfahrung dahintersteckt. Genauso verhält es sich übrigens bei Fahndern. Stark sagt: „Eine Ausbildung gibt es nicht. Aber Übung macht den Meister.“

Hier werden die Gauner observiert!

Auch bei der Jagd auf Taschendiebe gilt das bewährte Prinzip: Der Mensch braucht die Technik – und die Technik braucht den Menschen.

Fahnder Stefan Stark: „Die Kollegen in der Altstadtwache sind meine zusätzlichen Augen.“ 14 sind es, um genau zu sein. So viele Kameras hat die Polizei an den Innenstadt-Christkindlmärkten installiert, also an Marienplatz, Marienhof und Rindermarkt.

Ulrich D. vor den Monitoren.

Vor den Monitoren in der Zentrale sitzen mit Ulrich D. (25, Foto) und David C. (26) während der Betriebszeiten der Märkte immer zwei Beamte, die das Treiben zwischen den Bretterstandln genau beobachten. Jede Kamera lässt sich separat steuern: Jeder mutmaßliche Dieb kann genau beobachtet werden. Die Beamten sind dabei immer mit ihren Fahndern vor Ort verbunden. Schlägt ein Täter zu, heißt es: Zugriff!

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