Natasa S. ersticht vor Augen der Tochter (3) ihren Mann

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Verzweifelt: Natasa S. am ersten Prozesstag.

München - „Es war wie eine Explosion“: So hat Natasa S. (30) die Sekunde geschildert, in der sie ihren acht Jahre älteren Mann Ljuba erstach.

Er hatte ihr zuvor mit der Faust heftig ins Gesicht geschlagen. Das Schwurgericht wertete die Spontantat am Donnerstag als minder schweren Fall des Totschlags und sprach sieben Jahre Haft aus.

Das Paar war seit 2005 verheiratet, hat zwei gemeinsame Kinder. Nach außen führten sie „eine Vorzeigeehe“, hat eine Zeugin ausgesagt. „Es war aber nur die Fassade, das dahinter haben nur die wenigsten mitbekommen.“ Vorsitzender Michael Höhne: „Treffender kann man diese Ehe nicht beschreiben.“ Das Paar hatte Schulden, „selbst zum Essen fehlte das Geld“. Lebhafte Kinder verhinderten, dass der Mann bei seinen Computerspielen Ruhe hatte. Er leistete sich regelmäßig verbale und auch handgreifliche Angriffe auf Frau und Kinder.

So war es auch am 3. Januar. Die Eheleute sprachen bis zum Nachmittag nicht miteinander, bis Natasa S. ihre älteste Tochter zu Nachbarn schickte, um ein Gewürz fürs Abendessen zu borgen. Die dreijährige Valentina wollte mit und kreischte, als es ihr verboten wurde. Es kam zum Streit, als Ljuba S. das Kind schlug und die Angeklagte es schützen wollte. „Hau ab, ich will mit dir nichts mehr zu tun haben!“ schrie der Mann seine Frau an und schlug zu.

Natasa S. stieß ihrem Mann „wortlos, schnell und mit voller Wucht“ das Küchenmesser bis zum Heft in den Bauch. Die Angeklagte wählte Notruf 110 und meldete, ihr Mann habe sich bei einem Unfall verletzt. Unter anderem dieses „schnelle Erfassen der Situation“ war für die Richter ein Beleg, dass Natasa S. ihr Verhalten steuern konnte. „Das Gericht sieht zwar eine affektive Zuspitzung des Partnerschaftskonflikts, eine tief greifende Bewusstseinsstörung lag aber nicht vor“, widersprach Höhne den Verteidigern Heidi Pioch und Nikolaus Köhler.

Ein minder schwerer Fall des Totschlags war es, weil die Angeklagte „ohne eigene Schuld misshandelt wurde, sie griff aus Ärger, Wut und Zorn unmittelbar zum Messer“, so der Vorsitzende. Dennoch sprach das Gericht eine Strafe im oberen Bereich des Möglichen (zwölf Monate bis zehn Jahre) aus. Im Vordergrund standen die Folgen: „Zwei traumatisierte Kinder blieben zurück. Sie sahen nicht nur den Vater in seinem Blut, Valentina war sogar unmittelbare Zeugin der Tat“.

Sarah List

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