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Rückkehr des Mathäser Bräu: Brauer will Münchnern das 150 Jahre alte Kult-Bier wieder einschenken

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Von: Sascha Karowski

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Der Mathäser Bräu in München war einst der größte Bierausschank der Welt.
Der Mathäser Bräu in München war einst der größte Bierausschank der Welt. 150 Jahre nachdem das Bier zum ersten Mal ausgeschenkt wurde, will Marcus Büttner es wieder aufleben lassen. (tz.de-Collage) © Repro Marcus Schlaf/Jens Hartmann

Das Mathäser Bräu kehrt zurück. Marcus Büttner haucht der Münchner Kult-Bier-Marke wieder neues Leben ein. Verkauft werden soll das Weißbier ab Mai.

München - Dieser Mann braut sich was: Marcus Büttner – bekannt für sein „Helleluja“, das er im Westend verkauft –, verhilft dem Münchner Kult-Bier Mathäser Bräu zu einer Renaissance. Im Mai sollen die ersten Flaschen Weißbier abgefüllt werden – 150 Jahre nachdem der Gerstensaft erstmals in Münchner Kehlen floss. Auch Büttner ist gespannt, denn probiert hat er das Original-Rezept selbst noch nicht.

Mathäser Bräu München: Am Stachus gab es einst den größten Bierausschank der Welt

Der Name Mathäser ist den Münchnern heute vor allem wegen des Kinopalastes geläufig. Der geht auf das Mathäser Bräu zurück. Dieses war 1872 von Georg Mathäser nahe dem Stachus gegründet worden. „Wenige Jahre später war es der größte Bierausschank der Welt“, sagt Büttner. „Über 10 000 Liter wurden auf den 4000 Sitzplätzen täglich getrunken. Das war wirklich groß. Das Bier war eine Weltmarke.“

Einst war das Mathäser Bräu der größte Bierausschank der Welt.
Einst war das Mathäser Bräu der größte Bierausschank der Welt. © Repro Schlaf

Und das Brauhaus – historisch: Kurt Eisner rief dort am 8. November 1918 den „Freistaat Bayern“ aus, erklärte König Ludwig III. für abgesetzt. Das Brauhaus diente in der Folgezeit als Hauptquartier der Revolutionsbewegung. Nach der Niederschlagung der Revolution kehrte der Mathäser zu seiner Funktion als Bierlokal zurück. Um aber die Soldatenräte der Roten Truppen, die den Mathäser zuvor besetzt hielten, länger einsatzfähig zu halten, wurde das im Mathäser vorrätige Weißbier mit Zitronenlimonade gestreckt. Daraus entstand unter anderem der Begriff Russenmass.

Mathäser Bräu München: Löwenbräu übernahm die Biermarke und stellte den Betrieb ein

1907 übernahm Löwenbräu Bier und Brauhaus. Das Bier verschwand im Keller, der Braubetrieb an der Bayerstraße wurde 1915 beendet. „Die Marke wurde eingestellt“, sagt Büttner. „Ich weiß nicht warum. Vielleicht wollte Löwenbräu sich auf etwas anderes konzentrieren.“ Das Gebäude wurde schließlich 1997 abgerissen, heute befindet sich an gleicher Stelle der Mathäser-Kinokomplex.

Marcus Büttner will das Mathäser Bräu neu auflegen. Im Mai geht es los. Das Bier wird in Büttners Geschäft an der Westendstraße verkauft.
Marcus Büttner will das Mathäser Bräu neu auflegen. Im Mai geht es los. Das Bier wird in Büttners Geschäft an der Westendstraße verkauft. © Jens Hartmann

Hopfen und Malz waren aber nicht verloren: 2014 sicherten sich Maximilian Wagner und Gregor Schlederer die Markenrechte und ließen bei Wildbräu in Grafing (Landkreis Ebersberg*) das Mathäser Bräu herstellen. Doch nicht für lange: Schlederer übernahm die Brauerei bei München von seinen Eltern. „Er konzentriert sich jetzt auf den Familienbetrieb“, sagt Büttner. 2019 wurde das Mathäser Bräu zuletzt verkauft. Doch nun gärt es wieder in Grafing.

Mathäser Bräu München: Marcus Büttner braut 50 Hektoliter des historischen Biers

Büttner sicherte sich die Rechte an der Marke und die Rezepte und lässt das Mathäser nun wieder im Wildbräu, das übrigens die drittälteste Brauerei in Bayern* ist, herstellen. „Vor drei Wochen habe ich angefangen zu brauen“, sagt der 44-Jährige. Er rechnet mit 50 Hektolitern, 500 Kästen Bier wird die erste Charge ergeben. Das Weißbier wird zunächst nur in Büttners Geschäft an der Westendstraße 21 angeboten, wo bereits sein Helleluja vertrieben wird. „Dort wird es anfangen. Ziel muss es aber sein, in die verschiedenen Getränkemärkte zu kommen und in die Gastronomie.“

Es werden spannende Tage im Mai bei der Renaissance des Mathäser Bräu. Auch für den Brauer, denn gekostet hat er das historische Mathäser selbst noch nicht. „Ich habe mich drauf eingelassen, weil es eine Kundschaft dafür gibt. Es soll ein sehr süffiges Bier sein mit einer fruchtigen Bananennote.“ Aber was ist, wenn es nicht schmeckt? „Davon gehe ich nicht aus“, sagt Büttner und lacht. Notfalls müsse man etwas an der Rezeptur feilen. „Aber ich glaube nicht, dass das notwendig sein wird.“ Ja, dieser Mann, der traut sich was. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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