Vor einem Jahr auf der Wiesn

Weißbierglas-Attacke: Gericht mildert Urteil ab

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Mario S. (35) wurde erneut verurteilt.

München - Diese Attacke ist der Albtraum aller Wiesn-Besucher: Am 3. Oktober 2013 schlägt Mario S. (35) im Streit mit einem Weißbier-Glas zu – und verletzt Thomas K. so stark an Kinn und Hals, dass dieser fast verblutet.

Nur, weil ein Polizist mit seiner Faust eine Schlagader abdrückt, überlebt das Opfer (wir berichteten). Für drei Jahre muss Mario S. wegen gefährlicher Körperverletzung in den Knast – seit 13 Monaten sitzt er bereits ein.

Weil sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil eingelegt hatten, wurde am Landgericht neu verhandelt. Montag das Urteil! Nach zwölf Prozesstagen schickte Richterin Sigrun Broßart den Bierglas-Schläger nur zwei Jahre und acht Monate in Haft – und milderte damit das Urteil aus erster Instanz ab. „Die Kammer hätte gerne eine höhere Strafe verhängt“, sagte die Vorsitzende. Tat es aber nicht, weil Mario S. geständig war, die Schuld einsah und 5000 Euro Schmerzensgeld gezahlt hat.

Der Tatort vor der Bräurosl auf dem Oktoberfest: Polizisten suchen nach Spuren.

Stach S. im Reflex zu – oder wollte er sein Opfer bewusst verletzen? Darum stritten die Anwälte am Montag in den Plädoyers. Staatsanwalt Mayer beharrte auf der „schnellen, fließenden Handbewegung“, die S. als „halbmondförmigen Schwung“ mit dem Weißbierglas ausgeführt hat. Dazu soll es unmittelbar vor dem Stich am Hals „eine Kippbewegung mit dem Handgelenk“ gegeben haben, was die Verletzungsgefahr deutlich erhöht habe. Eben diese Bewegung bestreitet Verteidiger Kolja Prieß heftig, denn sie habe sich angeblich gar nicht kontrollieren lassen. Grund: S. hatte 2,2 Promille intus. Zudem sei die Attacke erst entstanden, nachdem Thomas K. den Täter an der Schulter herumgerissen hatte.

Richterin Broßart zweifelte aber nicht daran, dass Mario S. eine „willentliche Bewegung ausgeführt hat“, als er nach Thomas K. schlug – und habe ihm das Weißbierglas regelrecht in den Hals gerammt. „Ein Dorn des Glases ist drei bis vier Zentimeter tief eingedrungen und hat die Aorta aufgeschlitzt. Das Blut ist fontänenartig herausgespritzt. Wir haben hier einen Geschädigten, der nur mit sehr viel Glück überhaupt überlebt hat.“

Nicht nur die Attacke an sich – vor allem die schweren Verletzungen des Opfers sind also der Grund, warum Mario S. im Knast bleiben muss.

So geht es dem Opfer heute

Sie sind Freunde geworden: Polizist Torsten H. und Wiesnopfer Thomas K., der eine tiefe Narbe (kl. Foto) davontrug.

Zentimeterlange Narben prangen unter dem Kinn von Thomas K. (28) - er überlebt die Attacke mit dem Weißbier-Glas im Oktober 2013 nur knapp. Für den Rest seines Lebens werden ihn seine dicken Narben daran erinnern. Im Berufungsprozess vor dem Landgericht musste er am Montag erneut aussagen! Noch immer leidet er unter den Folgen des Angriffs, kann nur eingeschränkt als Schlosser arbeiten. „Die Motorik meiner rechten Hand ist noch gestört, aber mein Chef hat Verständnis.“ Zudem werde er auch im Familienkreis manchmal aus nichtigen Anlässen heraus plötzlich aggressiv. Um die Narben zu glätten, zahlte Mario S. seinem Opfer eine Schönheits-OP. Nur ein Teil des Gewebes konnte aber rekonstruiert werden. Richterin Broßhardt: „Narben kann man nicht wegzaubern.“ Das gelte auch für die Psyche.

Andreas Thieme

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