Münchner Kunst-Professor starb mit 51

Weizsäcker trauert um seinen Sohn

Seinen berühmten Familiennamen empfand er eher als Bürde statt als eine Empfehlung.

Update vom 31. Januar 2015: Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist am Samstag im Alter von 94 Jahren gestorben.

Und auch mit Politik hatte er nicht viel im Sinn. Er führte lieber ein scheues Künstlerleben. Jetzt die schreckliche Nachricht für seine Frau, seine prominenten Eltern und für seine Freunde: Am Freitagmorgen starb im Alter von erst 51 Jahren Andreas Freiherr von Weizsäcker. Er soll einem hartnäckigen Krebsleiden erlegen sein. Der zweitgeborene Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (88) war offenbar bereits als Jugendlicher an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Die letzten sieben Jahre wirkte er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München. Gewohnt hat er in der Landeshauptstadt und in Wackersberg bei Bad Tölz.

Der am 25. Juni 1956 in Essen geborene Andreas von Weizsäcker galt wegen seiner frühen Erkrankung an Morbus Hoodgkin als „Sorgenkind“. Doch der Jugendliche besiegte den heimtückischen Krebs und legte mit 20 Jahren das Abitur ab. Dass er eine Lehre als Bau- und Möbelschreiner begann, soll seine Eltern Richard und Marianne von Weizsäcker nicht sonderlich begeistert haben. Politiker-Sohn Andreas: „Kein Wunder, alle anderen von uns haben ein handfestes Studium gewählt, meine beiden Brüder Volkswirtschaft und meine Schwester Jura. Und ich komme daher mit einem Beruf, bei dem man nie voraussagen kann, ob es zum Leben reicht.“

Von Köln, wo er als Bühnenschreiner beim WDR arbeitete, zog es Andreas von Weizsäcker nach Thailand – als Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdiensts. Wenig später wechselte er an die Isar und begann ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste.

Freunde und Künstler-Kollegen bestätigen, dass der Promi-Sohn ein „besonders empfindsamer, feiner Mensch“ gewesen sei. Das zeigt auch sein Engagement auf sozialem Gebiet. 1987 entwarf er kostenlos für die bayerische Aids-Stiftung ein Plakat, das für zwei sensationelle Wohltätigkeitskonzerte u.a. in der Olympiahalle warb.

Der Münchner Akademie blieb Andreas von Weizsäcker zeitlebens verbunden: als Lehrbeauftragter, hier baute er eine Studienwerkstatt auf und erhielt schließlich 2001 eine Professur für künstlerische Papierformung. Seine Werke zeigte der Künstler u.a. in Budapest, Magdeburg, San Francisco und New York. Besonders gefreut haben soll ihn aber, als auch seine Eltern in ihrem privatem Heim seine Kunstobjekte aufstellten. Private Käufer für seine Reliefs aus Papiermaterail fand er nicht allzuviele.Das Berliner Büro Richard von Weizsäckers, der von 1984 bis 1994 als sechster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland amtierte, bestätigte am Freitag lediglich den Tod des Politiker-Sohns. Mit Rücksicht auf die Familie wolle man aber keine Einzelheiten nennen.

sas/leu

Quelle: tz

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