Oberbürgermeisterin für einen Tag

Zum Weltfrauentag: So würden Münchnerinnen die Stadt verändern

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Zum Weltfrauentag haben wir Münchnerinnen gefragt, wie sie die Stadt regieren würden. 

Auch, wenn es bisher keine Frau an die Stadtspitze geschafft hat. An Ideen mangelt es nicht. Zum Weltfrauentag haben wir uns umgehört, was starke Frauen tun würden, wenn sie einen Tag lang Oberbürgermeisterin wären. 

Zielstrebig, selbstbewusst und eigenständig: Was auch sonst? Dabei ist die Zeit, in der Frauen nur dekorative Anhängsel ihrer Männer waren, noch gar nicht so lang her. Die Gleichberechtigung der Geschlechter, so wie wir sie heute zum Glück haben, ist tatsächlich keine Selbstverständlichkeit. Das darf man feiern, daran darf man denken – und zwar genau heute, am internationalen Frauentag! Da kann man sich in München etwa Gedanken darüber machen, warum es bisher noch keine einzige Frau an die Spitze der Landeshauptstadt geschafft. Fakt ist ja: An Ideen mangelt es unseren Münchnerinnen nicht. Lesen Sie die tz-Umfrage: Wir haben uns umgehört, was starke Frauen tun würden, wenn sie einen Tag lang Oberbürgermeisterin wären. 

Petra Reiter (54), Gattin des Münchner Oberbürgermeisters: Ich setze mich schon jetzt für eine Verbesserung der Situation für Obdachlose ein und engagiere mich dafür, dass auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien einen guten Start in die Schule haben. Ich halte nichts von Klischees und dem berühmten Schubladendenken. Frauen und Männer sind sich oft ähnlicher als man denkt! Viel wichtiger als der Geschlechtervergleich ist, dass Frauen in allen Bereichen des Lebens von Anfang an die gleichen Chancen bekommen. 

Petra Reiter. 

Natalie Schmid (42), Gattin von Bürgermeister Josef Schmid aus München:

Nachdem der Bürger im Wort des Bürgermeisters ja schon angelegt ist, würde ich Sprechstunden einführen, in denen die Menschen von ihren Sorgen und Wünschen erzählen könnten. Im persönlichen Gespräch kann man besser aufeinander eingehen und komplizierte Sachverhalte eingehender besprechen. Das würde das gegenseitige Verständnis stärken. Dann würde ich unser Nahverkehrsnetz ausbauen. Unsere nostalgischen Trambahnen sind zwar schön, werden dem Autoverkehr aber nicht mehr Herr.

Natalie Schmid. 

Michaela May (64), Schauspielerin: Ich finde es Wahnsinn, dass der Schwabinger Elisabethmarkt verschwinden soll. Denn mit dem Abriss würde man das Herz eines der ältesten Stadtteile zum Erliegen bringen. Das würde ich verhindern und der Stadt stattdessen eine neue Lebensader schenken: einen Tunnel im Englischen Garten. Und ich würde mehr Radlständer aufstellen. Für alle, die trotzdem nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel verzichten wollen, würde ich das unheimlich komplizierte Zonen-System des MVV abschaffen. 

Michaela May.

Monika Baumgartner (65), Schauspielerin aus München: Zum Glück funktioniert hier so ziemlich alles. Aber es gibt immer etwas zu verbessern. Zum Beispiel würde ich mich darum kümmern, dass die Krankenhäuser mehr Personal einstellen und ihre Leute anständig bezahlen. Ich finde es ein Unding, dass Patienten nach wie vor auf dem Flur abgestellt werden. Außerdem würde ich altbekannte Themen noch stärker anpacken: mehr bezahlbare Wohnungen, eine direkte Verbindung vom Hauptbahnhof zum Flughafen und ein eigenes Stadion für die Sechzger.

Monika Baumgartner. 

Ingeborg Staudenmeyer (68), Vorsitzende des Seniorenbeirats: Wir Frauen sind kompromisslos. Unser Nein heißt Nein. Als Bürgermeisterin würde ich zuerst die 9-Uhr-Regelung des MVV abschaffen. Denn die ist einfach nur unsinnig. Außerdem würde ich mich stärker für die Belange der älteren Generation einsetzen. Ich wünsche mir ein respektvolles Miteinander. Und Nummernschilder für Radler. Die Münchner Radler sind rigoros – so schnell wie die oft daherkommen, kann man gar nicht zur Seite springen. 

Ingeborg Staudenmeyer. 

Jutta Speidel (62), Schauspielerin aus München: Ich würde einen „Tag des freundlichen Nachbarn“ ausrufen. Wir sollten einander ein Vorbild sein, statt uns gegenseitig zu denunzieren. Wir sollten uns gegenseitig Komplimente machen und uns füreinander einsetzen, anstatt uns zu beleidigen. Das hat doch früher auch geklappt. Als Anreiz würde ich an ein oder zwei Tagen im Jahr die 1000 freundlichsten Nachbarn an eine große Tafel auf dem Marienplatz setzen und mit einem Festessen belohnen. Am besten mit Weißwürscht und Freibier.

Jutta Speidel.

Claudia Häfner (43), Hochschulpfarrerin aus München: Unsere Gymnasien platzen aus allen Nähten, die Stadt wächst und wächst. Deshalb würde ich als zuallererst in die Bildungseinrichtungen und somit in die Zukunft Münchens investieren. Was man in dem Zusammenhang auch noch angehen müsste, ist das leidige Wohnraumproblem. Die Stadt braucht unbedingt mehr bezahlbare Wohnungen. Und mehr Fußgängerzonen. München hat sich in den letzten Jahren in eine richtige Autostadt verwandelt.

Claudia Häfner.

Carolin Reiber (76), Moderatorin aus München: Als waschechtes Münchner Kindl würde ich mich dafür einsetzen, dass der Charme meiner Stadt erhalten bleibt. Ich finde es schade, dass immer mehr kleine Läden von großen Filialen geschluckt werden - genau wie die Zinn-Mory, die einer weiteren Apotheke im Rathaus weichen musste. Um perfekt auf die Wünsche meiner Bürger eingehen zu können, würde ich mich mit den Einheimischen, aber auch mit den Zuagroastn unterhalten und ein Packerl voller Ideen sammeln. Gegenseitiges Zuhören lautet das Zauberwort!

Carolin Reiber. 

Marion Kiechle (56), Gynäkologin aus München: Ich würde mich dafür einsetzen, dass der Frauenanteil in allen wichtigen Gremien aufgestockt wird. Ich glaube fest daran, dass der weibliche Blickwinkel in vielen Dingen unverzichtbar ist. Beispiel Oktoberfest: Eine Frau im Planungsausschuss würde sich sofort für mehr Damentoiletten einsetzen. Ich will den Männern überhaupt keine Ignoranz oder böse Absichten unterstellen, aber manchmal braucht es einfach noch die weibliche Sicht auf die Dinge. Für mich gilt wie überall: Die Mischung macht’s!

Marion Kiechle.

Waltraud und Mariechen, Kabarettisten-Duo: Ein Senioren-Tanzabend im P1, das wär’s. Mit freiem Eintritt natürlich. Und eine autofreie Maximilianstraße, damit wir mit unseren Gehwagerln weiterhin bequem über die Straße rollen können. Aber das Wichtigste: Wir würden uns so lange einen Superstar beim FC Bayern ausleihen, bis unsere Vereine, der 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth, wieder in der Ersten Liga mitspielen. Ach ja, und wo wir schon mal dabei sind: In unserer Stadt dürfte bloß noch Fränkisch gebrabbelt werden. 

Waltraud und Mariechen. 

Sarah Eichhorn (30), Bloggerin aus München: Es wird allerhöchste Zeit, dass Frauen genauso oft in Führungspositionen zu finden sind wie ihre männlichen Kollegen. Ich glaube, dass Frauen oft ein feineres Gespür haben. Wenn ich an meinem Tag als Oberbürgermeisterin Wunder vollbringen könnte, dann würde ich mehr bezahlbaren Wohnraum in der Innenstadt schaffen. Zudem würde ich mich für Sonderregelungen bei Öffnungszeiten einsetzen. Es kann nicht sein, dass die Supermärkte in einer Großstadt wie München vor 22 Uhr schließen. 

Sarah Eichhorn.

Und das sagen die Münchner Bürgerinnen: 

Therese L. (80) und Helene W. (79), Rentnerinnen aus München: Wir finden die ganzen Ladenketten in der Innenstadt schrecklich. Das sind einfach zu viele. Zum Beispiel in der Neuhauser Straße. Eine dramatische Einöde ist das! Diese Läden sind doch nur was für junge Leute und nichts für ältere. Außerdem ist die Qualität in diesen Geschäften so schlecht. 08/15-Kleidung kaufen wir nicht. 

Laura B. (28), Absolventin aus Frankfurt: Die Bahntickets sind in München viel zu teuer. Ich finde das unverschämt. Für die Fahrkarte zum Flughafen hab ich schon zehn Euro gezahlt – nur für eine Strecke, nicht hin und zurück! Nur, weil die S-Bahn durch vier Zonen fährt, muss man so viel dafür zahlen. Das ist einfach zu viel Geld. Das würde ich auf jeden Fall ändern.

Rosa Sch. (58), Lageristin aus der Maxvorstadt: Die Mieten hier sind einfach viel zu hoch. Ich bin Single und muss die Hälfte meines Gehalts für die Miete abgeben. So viele haben hier einen Nebenjob. Das geht doch nicht! Man sollte mit einem Job überleben können. Diese Luxussanierungen sind einfach nicht nötig. Ich habe keine Million für eine Eigentumswohnung. 

Katja N. (40), Stewardess aus München mit Tochter Elly (20 Monate): Ich würde mehr Geld in Kitas stecken. Gerade bei uns in Bayern sind Kitaplätze sehr teuer für Frauen. Wir müssen die Hälfte von unserem Gehalt allein dafür ausgeben. Das ist schon traurig, weil zu wenig übrig bleibt. In Berlin oder Hamburg zahlt man, glaube ich, nur ganz wenig für den Kindergarten. 

München und Frauen in Zahlen:

29.894 Studentinnen waren im Wintersemester 2014/15 an der Ludwig-Maximilians-Universität eingeschrieben. Das ergibt einen Frauenanteil von 60,4%.

47,2 % Unverheiratete Bei den Männern sind es sogar 52,8%. Übrigens: Der Anteil der ledigen Männer ist stets größer - auch wenn die Münchner den Münchnerinnen zahlenmäßig unterliegen.

31,3 % Jahre ist die Münchnerin im Durchschnitt bei der Geburt ihres ersten Kindes - Tendenz steigend. Im Jahr 2007 lag das Durchschnittsalter der Erstgebährenden noch bei 30,5 Jahren.

779.420 Münchnerinnen: Die Frauen waren auch im letzten Jahr wieder deutlich in der Überzahl. 2016 lebten genau 15 980 mehr Frauen als Männer in der Landeshauptstadt. Das sind 523.250 mehr als noch im Jahr 1900.

18.107 Geburten 2016 wurde der jeweilige Geburtenrekord des Vorjahres zum zehnten Mal in Folge übertroffen.

von Sarah Brenner

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