Weltmeisterin Mittermayer: Die unglaubliche Geschichte ihres Knies

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Mittermayer im Jahr 1996 beim Freestyle-Weltcup in Lake Placid (USA).

München - Dass die Freestyle-Skiweltmeisterin von 1988 Tatjana Mittermayer noch mit links Buckelpisten fährt, grenzt an ein Wunder. Eigentlich wäre ihr Knie ein Fall für eine Prothese.

Dr. Volker Smasal hält das Röntgenbild gegen das Licht und schüttelt den Kopf. „Eigentlich ist das ein Fall für eine Prothese. Kaum zu glauben, dass sie mit diesem Knie noch Ski fährt!“ Mit „sie“ meint der Münchner Orthopäde die Freestyle-Skiweltmeisterin von 1988, Tatjana Mittermayer. Die 46-Jährige betreibt heute eine eigene Skischule. Und obwohl ihre beiden Knie kaputt sind, flitzt sie wie eh und je über die Buckel oder durch den Tiefschnee – dank eiserner Disziplin.

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In den 1980er-Jahren war die gebürtige Rosenheimerin eine hoffnungsvolle Fahrerin im deutschen Alpinkader. Ihre Pistenkarriere fand ein jähes Ende, als sie vom Deutschen Skiverband wegen dreier Kreuzbandrisse ausgemustert wurde. Dabei hatte sie die Verletzungsfolgen gut im Griff. So gut, dass sie drei Jahre später im Buckelpisten-Kader zurückkehrte und bis 1997 bei Freestyle-WMs insgesamt fünf Medaillen abräumte.

Den Todesstoß erhielten Tatjana Mittermayers Knie vor vier Jahren. „Damals ist mir auf der Piste einer reingefahren“, erzählt die gebürtige Rosenheimerin, als die tz sie mit ihrem Arzt Dr. Smasal im Münchner Orthopädiehaus Streifen­eder traf, wo sie sich individuell angepasste Skischuhe besorgte. „Bei dem Zusammenstoß ist das rechte Wadenbein gebrochen, das Knochenköpfchen schlug ins Knie ein.“ Acht Wochen lang musste die Vollblutskifahrerin an Krücken gehen. „Dadurch ist auch mein linkes Bein aus dem Geschirr gelaufen.“ Die Knorpel, die Gelenkspalte, die Nerven – an Mittermayers Knien ist eigentlich alles hinüber.

Doch die Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerin von Nagano (1998) hat nicht nur auf der Buckelpiste einen starken Willen. „Man muss kämpfen, immer ein Ziel vor Augen haben“, erklärt sie ihren Ansporn für konsequenten Muskelaufbau. Drei Mal pro Woche macht sie Krafttraining und Kniegymnastik, fährt viel Fahrrad, steigt konsequent Treppen statt mit dem Aufzug zu fahren.

Dr. Smasal erklärt: „Ihre Muskulatur hält das Knie so gut zusammen, dass es trotz der Vorschäden funktionsfähig bleibt.“ Einzige Einschränkung: Beim Sport trägt Mittermayer eine Gelenkschiene, die das linke Knie stabilisiert. Auch Nicht-Trickskifahrer sollten sich an Mittermayer ein Vorbild nehmen, denn, so Dr. Smarsal: „Durch Muskelaufbau und Gymnastik kann man Knieschäden auch vorbeugen.“

IW.

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