Weltneuheit am Giesinger Bahnhof

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Dank des neuen Bodens gibt’s hier nie mehr Pfützen.

München - Die Zukunft liegt auf der Straße. Die Stadt testet am Giesinger Bahnhof eine Weltneuheit, wie die tz erfuhr: Die Straße wurde nicht asphaltiert, sondern der Kunststoff Polyurethan einfach auf den Boden geklebt.

 „Ein sehr interessantes Material“, bestätigt der Tiefbau-Chef der Stadt, Karl Höferle. Der größte Vorteil: Auf dem Platz können sich nie wieder Pfützen bilden! Das Prinzip klingt einfach: Die Arbeiter mischen den flüssigen Klebe-Kunststoff mit Kies und tragen alles auf. Am Giesinger Bahnhof geschah das im November auf 3000 Quadratmetern. Schon nach zwölf Stunden durften die Anwohner dort wieder spazieren.

Polyurethan gilt bei Bauschaum oder als Polster in Matratzen als Standard. Je nach Hersteller und Produktion kann der Kunststoff hart oder weich, massiv oder offen sein. Der Konzern BASF hat den Stoff zum Straßenbelag weiterentwickelt. Hier soll er fest und trotzdem durchlässig sein. Darum kann er nach Konzern-Angaben 4000 Liter Wasser pro Stunde und Quadratmeter aufnehmen – das schafft nicht einmal der stärkste Starkregen. Der Giesinger Bahnhof stellt den größten Einsatz dar: Bislang seien nur ein Wendehammer und zwei Parkplätze an BASF-Niederlassungen geklebt worden. Entsprechend vorsichtig hat die Stadt geplant.

Das Baureferat holte zwei Gutachten von Technischer Universität und Oberster Bau­behörde ein und unterrichtete den Stadtrat, erklärt Tiefbau-Chef Karl Höferle. Die ersten Erfahrungen begeistern den Experten: „Das Material liegt so eben wie Teppich auf dem Boden.“ Das helfe Rollstuhlfahrern und Menschen mit Gehproblemen. Außerdem lasse sich der Kleber leichter einbauen als Pflaster und sparsamer instandhalten. Unterm Strich koste der Stoff mit 50 Euro pro Quadratmeter etwa so viel wie Asphalt. Dem mit ältesten Baustoff der Menschheitsgeschichte droht Konkurrenz – wenn das Polyurethan sich bei Minusgraden und in den nächsten 15 bis 20 Jahren bewährt.

Höferle zeigt sich zuversichtlich, ein Risiko ­gebe es aber immer: „Wenn Städte wie München nicht neue Bauweisen ausprobieren, dann wären unsere Straßen noch mit Steinen gepflastert.“ Der Grund für die Nutzung war aber ein anderer – die Optik. „Der Boden sieht auch sehr schön aus“, sagt Höferle. Der natürliche Kies wirke nämlich wie glasiert.

DAC

Stichwort: Polyurethan

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