Zu wenig Personal, Technikprobleme

Droht das Mainzer Bahnchaos auch bei uns?

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Dichtes Gedränge am Münchner Hauptbahnhof

München - Der Bahnsinn: In den vergangenen Tagen war der Mainzer Bahnhof abends und nachts komplett vom Fernverkehr abgeschnitten. Personalmangel! Mainz bleibt Mainz … Aber München?

Bahnvorstand Frank Sennhenn räumte am Montag ein, dass nicht nur in Mainz, sondern bundesweit Fahrdienstleiter fehlen. Ein Schwerpunkt ist auch Bayern. Und: Besonders betroffen ist die Betriebszentrale der DB in München. Paul Eichinger, Geschäftführer der Gewerkschaft EVG, sagt der tz: „Mainz kann auch bei uns passieren.“ Außerdem gibt es weitere Probleme: Die neuen Triebwagen nach Passau und Augsburg fallen reihenweise aus. In der Werkstätte in Steinhausen fehlt Personal. Und bei der MVG gibt’s Probleme mit der U-Bahn. Droht das Chaos auch bei uns?

Werkstatt: Handwerker wandern ab

Das Betriebswerk Steinhausen ist überlastet. Speziell, seit auch noch die neuen Züge für den Fugger-Express gewartet werden müssen sowie Triebwagen für die elektrifizierten Nebenbahnen in Oberbayern. Immer wieder fallen deshalb S-Bahn-Taktverstärker aus. Wegen Fahrzeugmangels werden auch auf Strecken wie Murnau – Oberammergau immer wieder Züge durch Busse ersetzt. Nach Passau und Augsburg fahren kürzere Züge. Verschärft wird das dadurch, dass im Vorjahr laut EVG 25 Prozent der Handwerker wegen schlechter Bezahlung gekündigt haben. Damit nicht noch mehr abwandern, bekommen die verbliebenen Handwerker laut EVG seit 1. Juli monatlich 500 Euro Bleibeprämie.

U-Bahn: Züge fallen aus

Bei den U-Bahnen der MVG fallen immer wieder Züge aus. Nach tz-Informationen liegt der Grund nicht nur in der mangelnden Verfügbarkeit von Fahrzeugen. Angeblich fehlt es auch an Fahrern. Wegen der schlechten Bezahlung hätte in den vergangenen Monaten ein Fünftel aller Fahrer gekündigt und sich bei der DB beworben. Sprecher Michael Solic bestreitet das: „Die Kündigungszahlen sind niedriger – es kommt zu keinen Ausfällen.“

Verspätungen, weil Personal fehlt

„Auch bei uns ist die Situation sehr angespannt. Jederzeit können wegen Personalmangels Strecken stillgelegt werden“, sagt Eichinger von der Bahngewerkschaft EVG. In der riesigen, runden und weitgehend fensterlosen Beriebszentrale, in der der Bahnverkehr für halb Bayern gesteuert wird, sind 20 von 300 Stellen gar nicht besetzt. Dazu kommen Urlaub und Krankheit. Eichinger: „Als Folge ist für Strecken wie München – Rosenheim oder München – Mering nur mehr ein statt bisher zwei Fahrdienstleiter im Einsatz.“ Das führt bei Störungen zu größeren Verspätungen. Außerdem dürfen deshalb keine Streckenbauarbeiten durchgeführt werden. Stark betroffen ist auch der Fahrdienstleiterbereich Augsburg, der alle Strecken zwischen Lindau und Ingolstadt abdeckt. Hier schieben die Fahrdienstleiter 54 000 Überstunden vor sich her.

Mops-Züge mit „neuartigen Schäden“

Auch bei den Zügen hapert es in Bayern: Die neuen Triebwagen der Baureihe ET 440 (Spitzname: Mops), die als Donau-Isar-Express (DIX) nach Passau und als Fugger-Express nach Donauwörth und Ulm unterwegs sind, fallen reihenweise aus. An mehreren Tagen im Juli waren auf der Passauer Strecke nur sieben von zwölf Triebwagen einsatzbereit, die anderen in der Werkstatt. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, fuhren auch Garnituren mit defekten Motoren sowie Toiletten. Mit alten Zügen versucht die DB den Fahrplan einigermaßen einzuhalten. Dennoch fahren immer wieder ­Züge mit fehlenden Triebwagen. Ein Sprecher sagt: „An den Zügen sind neuartige Schäden im Antriebsbereich aufgetreten …“

Karl-Heinz Dix

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