Wenn der Tabak-Qualm durch die Decke stinkt

München - Die Eigentumswohnung in einem schönen Altbau der Kreittmayrstraße in der Maxvorstadt war für Barbara M. ein Traum. Inzwischen ist diese zum Albtraum geworden. Der Nachbar im Erdgeschoss ist starker Raucher.

Und der Qualm zieht nach oben ins Wohnzimmer! Das im Jahr 1890 errichtete Gebäude war von einem Bauträger teilsaniert worden. Für etwa 330 000 Euro erwarb Barbara M. im Dezember 2001 eine Wohnung im Obergeschoss.

Glücklich wurde die Nichtraucherin damit nicht: Es roch ständig widerlich nach Tabakrauch! Die Wohnungsbaugesellschaft weigerte sich, den Mangel zu beheben, Luftdichtigkeit könne man in den denkmalgeschützten Haus nicht garantieren. Barbara M. klagte, ein Gutachter wurde eingeschaltet. Der stellte fest, dass die Architekten damals absichtlich die Böden luftdurchlässig gebaut haben, damit es in den Hohlräumen nicht schimmelt.

Rauchverbote in den Bundesländern

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Das Landgericht in erster Instanz wies die Klage der Eigentümerin ab. Grund: Bei Altbauwohnungen können die Käufer nicht den heute üblichen technischen Stand erwarten. Barbara M. zog nun vors Oberlandesgericht. Hier stellten die Richter zwar fest, dass Abdichtmaßnahmen in der unteren Wohnung laut Gutachten möglich seien. Doch Thomas Guldenkirch, Anwalt des Bauträgers, widersprach: „Auch die Mauern sind nicht luftdicht. Man müsste abreißen und neu bauen.“

Für die Klägerin ist es auch verzwickt: Sie könnte zwar das Parkett rausreißen und den Boden abdichten. Doch der historische Parkettboden fällt unter den Denkmalschutz! Nach langem Tauziehen schloss man einen Vergleich: Der Bauträger zahlt 8500 Euro. Ein geringer Trost für die Besitzerin, die inzwischen ausgezogen ist: „Die Wohnung ist nicht bewohnbar, nicht vermietbar und nicht zu verkaufen.“

Eberhard Unfried

Rubriklistenbild: © dpa

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