Entschädigung für Chaos-Tage

Wer zahlt die 10.000 Therme-Gutscheine eigentlich, die in S-Bahnen verteilt wurden?

Mit 10.000 Gutscheinen für die Therme Erding wollte die S-Bahn-München ihre zuletzt geplagten Fahrgäste besänftigen. Doch wer finanziert die Aktion eigentlich?

München - Es sollte eine versöhnliche Geste nach dem Chaos der vergangenen Wochen sein. Die S-Bahn München hatte am Montag angekündigt, ihre verärgerten Fahrgäste von Mittwoch bis Freitag mit 10.000 Eintrittskarten für die Therme Erding zu besänftigen. Doch wer finanziert die Wiedergutmachungs-Aktion eigentlich?

Ein Sprecher des vielfach gescholtenen Konzerns klingt am Telefon beinahe amüsiert, als man ihm diese Frage stellt. „Na, die S-Bahn München natürlich“, klingt es durch den Hörer. 

Unter normalen Umständen kostet der Eintritt in der Therme Erding für vier Stunden (inklusive Wellenbad und Galaxy-Rutschen) laut Homepage 24 Euro. Die S-Bahn hat offenbar eine nicht unerhebliche finanzielle Anstrengung unternommen, um die Wogen zu glätten.

Fahrgastverband kritisiert Gutschein-Aktion

Dennoch war die von Radio Gong angestoßene Gutschein-Aktion in der Landeshauptstadt von Beginn an kritisch aufgefasst worden. Von Mittwoch bis Freitag verteilten Promoter des Radiosenders gemeinsam mit Bahn-Mitarbeitern die begehrten Tickets in Zügen des gesamten Streckennetzes.

Bedenkt man, dass jeden Tag über 800.000 Fahrgäste mit der Münchner S-Bahn unterwegs sind, war von Beginn an klar, dass viele Pendler auf der Strecke bleiben würden. In diese Kerbe schlug auch Andreas Barth, der Münchner Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. „Es kann doch nicht sein, dass zufällig ausgewählt wird, wer eine Freikarte bekommt und wer nicht“, kritisierte Barth. Stattdessen brachte der Sprecher etwa gezielte Rückerstattungen für Zeitkartenbesitzer ins Gespräch.

Video: Kommen Therme-Gutscheine bei S-Bahn-Kunden an? Ein stundenlanger Selbstversuch

Dass die Gutscheine tatsächlich nicht immer bei den entnervten Pendlern ankamen, bewies der Selbstversuch unserer Reporterin am Donnerstag. Drei Stunden lang fuhr Jil Frangenberg auf der Stammstrecke hin und her - und war verwundert.

Weder in den S-Bahnen, noch am Bahnsteig selbst waren Menschen zu finden, die Gutscheine für die Therme Erding verschenkten. „Nach einer Stunde Herumfahren habe ich mich wirklich gewundert und mal bei anderen Pendlern nachgefragt, ob sie ein Ticket bekommen haben“, erklärt unsere Reporterin. Das ernüchternde Fazit: Die meisten Bahnfahrer wussten entweder nichts von der Aktion oder haben kein Ticket bekommen.

tz.de-Reporterin Jil Frangenberg hat versucht, ein Gratis-Ticket für die Therme Erding zu bekommen, das sie später einem Pendler schenken wollte.

Ein etwas anderes Bild dann am Freitag. Bei einer erneuten Erkundungsfahrt traf Frangenberg tatsächlich zwei Pendler, die den S-Bahn-Stress der vergangenen Wochen schon bald bei einem Thermen-Besuch hinter sich lassen können. Unsere Reporterin selbst wurde auch belohnt - mit einem Kaffee-und-Brezn-Gutschein im Wert von zwei Euro.

Wem der Eintritt in die Therme Erding nicht vergönnt war, durfte immerhin auf einen Kaffee-und-Brezn-Gutschein hoffen.

Nach den Verspätungen und Pannen auf der Münchner S-Bahn-Stammstrecke hatten Politiker zuletzt Konsequenzen gefordert.

Rubriklistenbild: © dpa/Stephan Jansen

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