Nach Wiesn-Besuch war seine Auto geknackt

Wer hat meine Doktorarbeit geklaut?

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Sandro P. in der Landwehrstraße: Hier wurde sein Smart aufgebrochen.

München - Zweieinhalb Jahre hat Sandro P. (28) an seiner Doktorarbeit geschrieben. Interviews hatte er geführt, Daten ausgewertet, 80 Seiten gewünscht trocken und wissenschaftlich aufgeschrieben. Im Januar wollte er abgeben. Jetzt hat der BWL-Doktorand wieder von vorne anfangen. Denn seine Doktorarbeit wurde geklaut.

Der Dieb wird nichts mit den Ausführungen über Neue Formen der Zusammenarbeit in der Automobilentwicklung anfangen können. Er hatte am 2. Oktober zwischen 16 und 23 Uhr den schwarzen Smart von Sandro P. (Name geändert) in der Landwehrstraße aufgebrochen, einen schwarzen Rucksack und eine Laptop-Tasche gestohlen. „Wegen mir kannst du den Laptop behalten, auch das Handy, meine Brille, mein Aufzeichnungsgerät sowie die Auto-Motor-Sport. Aber bitte gib mir den schwarzen USB-Stick zurück“, schreibt Sandro in einem Appell an den Dieb, den er rund um den Tatort aufgehängt hat.

Der Doktorand hatte am 2. Oktober einen Teil seines Gepäcks ins Auto geräumt und war mit seiner Freundin auf der Wiesn. In der Nacht wollte das Paar nach Stuttgart fahren und eine Woche bei P.s Familie bleiben. An seiner Doktorarbeit wollte er auch dort weiterarbeiten. „Ich weiß, dass man nicht alle Sicherungskopien an einem Ort aufbewahren soll. Aber wegen des Stuttgart-Trips hatte ich auch meine zwei USB-Sticks mit den Sicherungen mitgenommen“, sagt Sandro. Als sie gegen 23 Uhr zum Auto kommen, ist die Tür aufgebrochen. Rucksack, Laptoptasche und zwei USB-Sticks sind weg. „Ich habe in dieser Nacht das Ausmaß der Katastrophe nicht richtig begriffen“, sagt er. Nachdem die Polizei die Spuren gesichert und ihm wenig Hoffnung gemacht hat, setzt er sich wieder an seinen Schreibtisch: Um nochmal Interviews zu führen und nochmal die Daten auszuwerten. Und um nochmal die Doktorarbeit zu schreiben. Etwa ein Jahr später als geplant wird er die Arbeit abgeben – außer, der Dieb lässt ihm den USB-Stick zukommen.

„Auf dem schwarzen USB-Stick ist die ganze Arbeit, alle meine Daten. Wenn ihn mir jemand wiederbringt, ist mir das 500 Euro wert. Jeder kann den Stick in einem Mülleimer gefunden haben und ihn mir bringen. Oder einfach im Fundbüro abgeben“, sagt der 28-Jährige. Dann muss er weiter, ein Interview führen für seine Doktorarbeit, die doch eigentlich schon fast fertig war.

Jasmin Menrad

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