Wer rettet unseren Papa?

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Sie hoffen alle so sehr, dass bald ein geeigneter Stammzellenspender für den Papa gefunden wird: Susanne und Wolfgang Luck mit ihren Söhnen Eduard (2, li.) und Ferdinand (4).

Was genau mit ihrem Papa los ist, verstehen die beiden Buben noch nicht.

Trotzdem haben Eduard (2) und Ferdinand (4) nur einen Wunsch: „Der Papa soll wieder gesund werden!“ Grausamer als bei Familie Luck aus Pöring (Landkreis Ebersberg) hätte das Schicksal kaum zuschlagen können. Erst erkrankte Mutter Susanne (31) an Krebs, kämpfte monatelang um ihre Gesundheit. Kurz darauf der nächste Schock: Vater Thomas (43) hat Leukämie! Seine einzige Überlebenschance: die Transplantation gesunder Stammzellen.

„Die Krankheit stiehlt unsere gemeinsame Zeit, das ist das Schlimmste,“ sagt Susanne Luck traurig. Erst letzten September wird bei der Ergotherapeutin die furchtbare Diagnose gestellt: Morbus Non Hodgkin, Lymphdrüsenkrebs. „Ich dachte nur: Ich will nicht sterben, sondern meine Kinder aufwachsen sehen,“ erinnert sich die 31-Jährige. Die nächsten Wochen werden zur emotionalen Zerreißprobe. Erst als sich die Familie mehr über die Krankheit informiert, bessert sich der Zustand etwas: „Wir haben gemerkt, dass Krebs nicht immer ein Todesurteil ist – und Mut gefasst.“

Sieben Monate lang unterzieht sich Susanne Luck im Klinikum rechts der Isar einer ambulanten Chemo- und Strahlentherapie – und sie hilft! Seit Mitte April können die Ärzte kein Tumorgewebe mehr finden. „Wir haben uns so gefreut, dass wir mit den Kindern eine Alles-ist-vorbei-Party gefeiert haben – mit Würstchen und Musik am Lagerfeuer,“ erzählt Susanne Luck. Keiner ahnt, dass nur zwei Wochen später bei Thomas eine ähnliche Diagnose gestellt wird.

Es ist ein sonniger Frühlingstag Ende April, der ihr Leben erneut schlagartig verändert: „Mein Mann ist morgens mit geschwollenen Lymphknoten an der Leiste aufgewacht. Wir haben uns nichts schlimmes dabei gedacht, trotzdem ist er zum Arzt.“ Doch nur eine Woche später zeigt das Blutbild: Thomas Luck leidet an Akuter myeloischer Leukämie (AML), einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs. Er kommt sofort ins Krankenhaus, noch am gleichen Tag beginnt die Chemotherapie. „Unser erster Gedanke war: Da muss ein Irrtum vorliegen,“ erzählt die junge Mutter kopfschüttelnd.

Acht Wochen war der Berufsmusiker bereits in stationärer Behandlung, gerade ist er für ein paar Tage zu Hause. Die Buben genießen die Zeit mit ihrem Papa. „Diese gemeinsamen Tage sind ein Geschenk des Himmels,“ sagt Susanne Luck. Der kleine Ferdinand (4) denkt seit der Erkrankung der Eltern viel über den Tod nach: „Er fragt oft: Mami, wie ist es, wenn man stirbt? Besonders schlimm ist es für die Kinder, wenn mein Mann im Krankenhaus ist.“ Halt findet die Familie, die einer freien Kirche angehört, in dieser schweren Zeit in ihrem Glauben: „Angst haben wir uns verboten, die hilft uns nicht weiter. Wir vertrauen auf Gott.“

Nun setzt die Familie ihre ganze Hoffnung in die Typisierungsaktion am Samstag, bei der ein passender Stammzellenspender für den Papa gesucht wird. „Wir wollen kein Mitleid, sondern Menschen, die uns die Kraft geben, weiter zu kämpfen“, sagt Susanne Luck. Und fügt leise hinzu: „Auch wenn wir mit der Aktion keinen Spender für Thomas finden, wird sie einem anderen Menschen das Leben retten.“

Christina Schmelzer

Am Samstag, 12. Juli, veranstaltet die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) im Gospel Life Center in Feldkirchen (Am Kiesgrund 2) von 10 bis 16 Uhr eine Typisierungsaktion zugunsten von Thomas Luck. Hier werden den potentiellen Spendern nach einer persönlichen Datenerfassung fünf Milliliter Blut abgenommen – das entspricht gerade mal einem Teelöffel voll. Als Spender eignen sich gesunde Menschen zwischen 18 und 55 Jahren, die nicht an chronischen Krankheiten wie Hepatitis oder Multiple Sklerose leiden. Infotelefon: 089 / 45694420. Spendenkonto: Raiffeisenbank Zorneding, BLZ 70169619, Konto-Nummer 100811.

tz-Stichwort

Stammzellenspende

Über 1,7 Millionen Spender sind bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert. Dennoch wartet jeder fünfte Leukämiepatient auf einen Stammzellenspender. Eine Transplantation ist nur möglich, wenn die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. Für die Transplantation gibt es zwei Möglichkeiten. Bei der peripheren Entnahme werden die Zellen ambulant direkt aus dem Blut gewonnen. Bei der stationären Knochenmarkentnahme wird dem Spender aus dem Becken Knochenmark entnommen. Mehr Informationen im Internet unter www.dkms.de oder telefonisch unter 0 70 71/ 94 32 45.

Quelle: tz

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