Verwunderung über Plakate am HBF

Wie sollen Analphabeten diese Werbung lesen?

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Diese Werbeplakate hängen im Münchner Hauptbahnhof

München - Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat den Münchner Hauptbahnhof mit Plakaten gepflastert, die die vermeintliche Zielgruppe überhaupt nicht lesen kann. Oder doch?

Kaum ein Betroffener spricht darüber, und doch ist Analphabetismus in Deutschland weit verbreitet. Laut einer Studie der Universität Hamburg aus dem vergangenen Jahr können zwei Millionen Erwachsene in Deutschland weder lesen noch schreiben. Das entspricht vier Prozent der Bevölkerung.

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Das Bundesministerium für Bildung und Forschung versucht, Betroffene an sein "Alfa-Telefon" zu holen, um Hilfe zu vermitteln. Dafür schaltet der Staat seit einiger Zeit auch am Münchner Hauptbahnhof großflächig Plakatwerbung.
"Endlich hab' ich es gelernt" ist der Slogan der Anzeigen, die es dort in zwei Motiven gibt. Einmal ist eine junge Frau in einer Großküche zu sehen, einmal ein Trainer auf dem Fußballplatz. Beide Werbefiguren tragen einen Schlüssel in der Hand, auf dem steht: "Lesen & schreiben - Mein Schlüssel zur Welt". Ansonsten gibt es keine optischen Hinweise, wofür das Plakat wirbt.

Stellt sich die Frage: Wie sollen Analphabeten diese Werbung lesen?

"Die knappen schriftlichen Botschaften, Informationen und Zahlen in unserer Plakatkampagne bereiten funktionalen Analphabeten keine Verständnisprobleme. Dies haben uns auch Betroffene und Fachleute bestätigt, die wir in die Konzeption der Kampagne einbezogen haben", erklärt ein Sprecher des Bundesministeriums gegenüber unserem Portal. Von funktionalem Analphabetismus ist die Rede, wenn Personen zwar einzelne Wörter und Sätze lesen und schreiben können, nicht jedoch längere, zusammenhängende Texte.

7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland, satte 14,5 Prozent, sind funktionale Analphabetenen. An den zwei Millionen Erwachsenen, die schon mit einzelnen Worten Probleme haben, dürfte die Printkampagne dennoch vorbeigehen. Der Ministeriumssprecher gibt aber zu bedenken, dass auch das Umfeld Betroffener angesprochen werden soll und die Werbekampagne multimedial angelegt ist, zum Beispiel mit Kino- und TV-Spots. 

Im Internet, ebenfalls ein textlastiges Medium, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Verständnisproblem elegant umschifft. In Videos, zu erkennen durch das gängige Abspielsymbol, wird die Kampagne erklärt. Außerdem können sich Analphabeten die Webseite vorlesen lassen.

kim

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