„Nicht immer Hüllen fallen lassen“

500 Plakate in der Stadt verteilt: München prangert mit eigenem Plakat sexistische Werbung an

Mit dem Siegermotiv: Bürgermeisterin Katrin Habenschaden mit Elena Faist und Anna Hubrich (v. l.)
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Mit dem Siegermotiv: Bürgermeisterin Katrin Habenschaden mit Elena Faist und Anna Hubrich (v. l.).

Nackte Tatsachen in der Werbung erscheinen nicht besonders, doch was bedeutet es für die Gesellschaft? München startet eine große Kampagne - mit einer zentralen Botschaft.

München - Man muss nicht immer die Hüllen fallen lassen, um aufzufallen. Mit diesem Slogan sagt die Stadt München* jetzt Sexismus in der Werbung den Kampf an. „Viele Menschen haben sich so an den Anblick von halb nackten Frauen gewöhnt, dass sie kaum noch hinterfragen, was solche Bilder auf der Reklame für den Supermarkt um die Ecke verloren hat“, sagt Katrin Habenschaden (Grüne), Bürgermeisterin und Schirmherrin der Aktion. „Ich habe da eine klare Meinung: So etwas gehört nicht in unsere Stadt.“

Mit der Hochschule Macromedia und dem Werbeunternehmen Ströer startete die Stadt München die Kampagne „Sexism isn’t sexy“. Ein Semester lang entwarfen die Macromedia-Studenten aus dem Studiengang Medienmanagement passende Motive. CSU-Politiker waren im Vorfeld gegen die Kampagne und wehrten sich.

München startet Kampagne gegen Sexismus - Auch zum Schutz für Kinder und Jugendliche

Das Siegerplakat gestalteten Elena Faist (22) und Anna Hubrich (26), beide Studentinnen im vierten Semester: Ein Dalmatiner, ein Zebra und eine Giraffe sind darauf abgebildet. Um den Bauch herum verlieren sie ihre Streifen und Punkte, darüber steht der Spruch „Man muss nicht immer die Hüllen fallen lassen, um aufzufallen“. Die Studentinnen haben die Idee der Tierwelt ganz bewusst für ihre Botschaft gewählt: „Wir wollten Sexismus thematisieren, ohne selbst sexistische Motive zu zeigen“, erklärt Anna Hubrich. Im August werden ihre Plakate im ganzen Stadtgebiet auf 500 digitalen Plakatflächen, etwa in Bus- und Tram-Wartehallen, zu sehen sein.

Katrin Habenschaden, die an der Stadtspitze auch für das Thema Gleichstellung von Männern und Frauen verantwortlich ist, hofft, dass ein Bewusstseinswandel stattfindet: „Das Problem ist, dass man Werbung oft nur unbewusst wahrnimmt.“ Wenn durch sie aber Frauen und auch Männer auf Klischees und stereotype Rollen reduziert werden, sei das vor allem für Kinder und Jugendliche schädlich. „Die Firmen sollen merken, Sexismus ist kein Mittel, mit dem man seine Produkte besser verkaufen kann.“ Problematisch ist übrigens auch Werbung für ungesunde Lebensmittel. Kinder sollen besser geschützt werden:

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