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tz besichtigt neues Werksviertel

Hier entsteht eine Stadt in der Stadt

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Dieser Plan erläutert die Pläne mit dem Werksviertel: Hier soll künftig Platz sein für Clubs (rot), Büroräume (gelb), Wohnungen (grün) und vielleicht auch einen Konzertsaal.

München - Das Werksviertel soll schon bald in neuem Glanz erstrahlen. Die tz hat sich die Pläne für die Stadt in der Stadt einmal genauer angeschaut.

Fast wie im richtigen Leben: Nach dem Aus der Kultfabrik Ende des Jahres soll „Leben – Wohnen – Arbeiten“ – das Triptychon unseres Daseins – künftig die Eckpfeiler bestimmen im neuen Werksviertel hinter dem Ostbahnhof. Die tz unternahm mit den Machern einen exklusiven Spaziergang.

Bereits heute entstehen auf dem Areal, auf dem einst Pfannis Kartoffelprodukte produziert wurden, urbane Lofts, Büros, Gastronomieflächen. So wie das Werk 3, in das bereits im kommenden Frühjahr die renommierte Kreativ-Schmiede Avantgarde einziehen soll, samt großem Dachgarten, Bar und Swimmingpool. Darunter gibt es Bars, Restaurants und Cafes, wo einst die Zocker an den Daddelautomaten der Spielsalons abhingen. Daran erinnert heute nichts mehr, auch wenn man sich bemüht, das industrielle Flair des ehemaligen Werks aufrecht zu erhalten.

Das sich in der Entwicklung befindliche Werksviertel, gelegen zwischen Rosenheimer, Mühldorf-, Aschheimer und Friedenstraße, wird aber viel mehr als nur die Kultfabrik. Man möchte hier die Geschichte des Quartiers weiterschreiben, nicht aber komplett neu definieren.

1996 Kunstpark Ost - 2003 Kultfabrik

Das erste Kapitel schrieb Gewerbe und Industriegeschichte, neben der Knödelfabrik produzierte auch Zündapp auf dem Gelände seine Mopeds, Optimol lieferte die Schmierstoffe dazu, während Rohde & Schwarz sich zum global tätigen Elektronikkonzern mausert.

Macher des Werksviertels

Kapitel zwei begann mit der Standortverlagerung der Industrie an günstigere Produktionsstätten außerhalb Münchens, nur Rohde & Schwarz blieben. Gleichzeitig Startschuss für die kulturelle Zwischennutzung, 1996 schlug „Hallenmogul“ Wolfgang Nöth dort seinen europaweit einzigartigen Kunstpark Ost auf, den Werner Eckart 2003 zur Kultfabrik machte.

Das dritte Kapitel, dessen Geschichte über die Transformation zum neuen urbanen Stadtquartier mit Zitaten aus der Vergangenheit gerade erst beginnt, wurde allerdings schon Ende letzten Jahrhunderts begonnen: Als sich die zehn Eigentümer des insgesamt 39 Hektar großen Gebietes zusammentaten und zu planen begannen. 39 Hektar entsprechen in etwa 55 Fußballfeldern!

New Yorker Meatpacking District als Vorbild

Hier entsteht eine kleine Stadt in der Stadt mit Kirche (St. Pius), Industrie, Entertainment, Gastronomie, Geschäften, Büros, Hotels, Praxen, Sporteinrichtungen und 1200 neuen Wohnungen. Kein Retorten-Quartier wie die Parkstadt Schwabing soll ihr Werksviertel werden, da waren sich die Eigentümer und die Landeshauptstadt einig.

Vielmehr habe man sich den New Yorker Meatpacking District als Vorbild vorgenommen. Das einstige Schlachtviertel ist derzeit der angesagteste Szene-Hotspot des Big Apple. Und das eben, weil nicht alles Alte abgerissen wurde und die industrielle Vergangenheit dort noch atmen kann. Bis zu zehn Jahre wird es wohl dauern, bis das Münchner Werksviertel fertig ist.

Rot - Leben: Viele Kultfabrik-Clubs bleiben erhalten!

„Erst mal wollen wir Leben reinbringen in das Viertel“, sagt Markus Wiegand, Pressesprecher von Werner Eckarts Anteil am Werksviertel, der Mitte. „Dann können die Leute hier auch wohnen.“ Und arbeiten sowieso. Das mit dem Leben reinbringen ins Quartier macht seinem Chef Spaß, von der Noch-Kultfabrik bleiben Nachtkantine, Tonhalle und Technikum an ihrem angestammten Ort. Kultige Clubs wie das Willenlos haben hier ebenfalls eine Zukunft, allerdings in einem anderen Werk. Derzeit laufen die Gespräche mit potenziellen weiteren Gastronomen, Namen will aber weder Eckart noch sein Pressesprecher verraten.

Zum Leben gehört auch Sport, die Kletterhalle Heavens Gate, oder die benachbarte Boulder-Halle, die irgendwann in die Nähe des künftigen Nahversorgungszentrums Plaza ziehen soll, in dem auch ein Fitnessstudio und Physio-Therapie ihr Zuhause finden wird. Direkt nebenan sollen auch zwei Herbergen der SV-Hotel Gruppe entstehen. Das hippe „Moxy“ mit 150 Betten im Niedrigpreis-Bereich, für die neue Generation von Reisenden und jung gebliebene Gäste. Dazu ein „Residence Inn by Marriott“ mit 72 Zimmern in erster Linie für Gäste mit Langzeitaufenthalten ab fünf Tagen.

Zuvor wird aber auf dem Kultfabrik-Gelände die Hotellerie eröffnen, in einem Turm zwischen Heavens Gate und dem Werk  3. Die unteren Stockwerke sollen ein preisgünstiges Hostel beherbergen, ab dem 9. Stockwerk regieren die Sterne, 4 sollen es werden.

Gelb - Arbeiten: Hier gibt es 10.000 Jobs!

Planungen für das Werk 3

Noch vor wenigen Jahren definierte sich das Areal fast ausschließlich über seine Arbeitsplätze, unter anderem bei Pfanni, Zündapp, Optimol, Rohde & Schwarz. Nach Schichtende und nachts war das Gelände tot. Später, mit Kunstpark Ost, Optimol oder zuletzt der Kultfabrik, war es genau umgekehrt. Im neuen Werksviertel soll nun ein natürliches Gleichgewicht hergestellt werden, mit 10.000 Arbeitsplätzen bei 3000 Bewohnern. Größter Arbeitgeber ist und bleibt der Elektronikkonzern Rohde & Schwarz, ein Viertel seiner weltweit 10.000 Angestellten sind am über 80 Jahre alten Standort beschäftigt. Mit dem Werksviertel will das Unternehmen seinen Hauptstandort und Innovationscampus weiter modernisieren und um ein zweites Technologiezentrum erweitern.

Es geht aber auch kleiner: die städtischen Gewerbehöfe der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) sollen mit der Entwicklung des Werksviertels wachsen und um die 60 Klein-Betrieben als Standort für 150 Arbeitsplätze dienen, der Gastronomie-Großhandel Hamberger an der Grafinger Straße wird bleiben. Nicht mehr vornehmlich produzierendes Gewerbe wie früher wird das Bild des Werkviertels prägen, sondern Kreative, Dienstleister oder Künstler. Bunt, wie die Welt selbst. Als Vorbild dienen hier die sogenannten Pop-up-Citys in den europäischen Metropolen London und Amsterdam.

Grün - Wohnen: 1200 neue Bleiben!

Planungen für eine Dachterrasse

Wohnraum entsteht im Werksviertel neben dem Pfanni-Gelände vor allem auf dem Grundstück der Deutschen Telekom AG, das die Corpus Sireo Asset Management Commercial GmbH auf nahezu 25.000 Quadratmetern rund um den Zentralpark mit dem Schornstein des Pfanni-Werks als Industriedenkmal und Wahrzeichen entwickelt. Dabei soll der demografischen Entwicklung Rechnung getragen werden, weshalb auch Wohnungen für Singles, Studios, aber auch seniorengerechter Wohnraum und sozial geförderter Wohnungsbau für Familien in Planung sind. Eine bunte Mischung, eine lebendige Stadt wünschen sich die Eigentümer für das Werksviertel.

Wann die insgesamt 1200 Wohnungen für ihre Bewohner zur Verfügung stehen, darüber will derzeit noch niemand sprechen, Mitte der 2020er-Jahre jedoch soll das inoffizielle Ziel sein. Spätestens dann sollen auch die drei Kitas und eine Grundschule für rund 200 Schüler an den Start gehen.

Der Traum vom neuen Konzertsaal!

Noch dieses Jahr soll die Entscheidung fallen. „Das zukünftige vielfältige und lebendige kulturelle Angebot im Werksviertel würde der Konzertsaal auf eine wunderbare Weise abrunden“, sagt Werner Eckart. Eckart ist noch bis Ende des Jahres Chef des Ausgeh-Quartiers Kultfabrik an der Grafinger Straße. Viel wichtiger aber: Er ist der Sohn des Pfanni-Gründers Konsul Otto Eckart und verwaltet mit seiner Otto Eckart GmbH & Co. OTEC KG das 90 000 Quadratmeter große Gelände hinter dem Ostbahnhof. Es soll in den kommenden Jahren das Herzstück des neuen Stadtteils „Werksviertel“ werden.

Wenn die Staatsregierung mitspielt, soll das Zentrum dieses Herzstücks der Münchner Konzertsaal werden, den es vor gar nicht allzu langer Zeit eigentlich gar nicht mehr hätte geben sollen. Zwei Standorte sind derzeit nur noch im Gespräch, neben der in die Abenddämmerung ihres Daseins reitende Kultfabrik auch die Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke.

Die Chancen für den Osten sehen Experten aber größer, im Rahmen einer Standortstudie kam die abgewickelte Knödelfabrik auf den ersten Platz. Dort wäre sie übrigens in guter konzertanter Gesellschaft. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich bereits die Tonhalle für bis zu 2000 Besucher sowie das intimere Technikum, wo einst die Pfanni-Rezepturen unter Labor-Bedingungen entwickelt wurden. Kommenden Dienstag um 19.30 Uhr gibt es in der Nachtkantine eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Kultusminister Ludwig Spaenle und dem Chefdirigenten des BR-Symphonieorchesters, Mariss Jansons.

Thomas Osswald

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