Vor Tollwood-Auftritt

Werner Schmidbauer im tz-Interview: Aufeinander aufpassen!

+
Verleihung des Bayerischen Verdienstorden: Ministerpräsident Markus Söder verlieh die Auszeichnung vor wenigen Tagen an Werner Schmidbauer (li.).

Werner Schmidbauer (56) ist seit Jahrzehnten als Liedermacher, Moderator, Journalist und Live-Musiker unterwegs. Dafür wurde ihm von Ministerpräsident Markus Söder der Bayerische Verdienstorden verliehen. Wir sprachen mit dem Münchner.

Gratulation zum Bayerischen Verdienstorden, Herr Schmidbauer! Wie war die Verleihung?

Werner Schmidbauer: Herzlichen Dank. Ja, das hat mich sehr gefreut und auch überrascht, als ich die Information von der Staatskanzlei bekam. Der Orden geht an eine recht kleine Auswahl an Menschen, die in ihrem Leben Besonderes geleistet haben, soziales Engagement gezeigt und gute Dinge bewirkt haben.

Was war’s bei Ihnen?

Schmidbauer: Offenbar mein Einsatz über viele Jahre hinweg für eine gute Gesprächskultur in Bayern; und mit meinen Liedern und Fernsehformaten war ich dabei recht nah an den Menschen.

Apropos Gesprächskultur: Beschäftigen die aktuellen Debatten auch Sie und Ihre Musik?

Schmidbauer: Ja. Das, was aktuell politisch passiert, beschäftigt mich sehr. Wobei ich mich nicht als realpolitischer Mensch im klassischen Sinne verstehe. Ich habe sicherlich nicht das nötige Hintergrundwissen, um politische Geschehnisse wirklich objektiv beurteilen zu können.

Dennoch schlagen Sie auf der Bühne oft moralische Töne an.

Schmidbauer: Das stimmt. Wobei ich damit in diesen Zeiten auch mal bei einem Teil des Publikums anecke. Man kann zum Beispiel nur auf Dinge stolz sein, für die man etwas geleistet hat. Im Gegensatz dazu klingt es für mich reichlich albern und auch anmaßend, wenn jemand stolz auf seine Nationalität ist, in die er völlig zufällig hineingeboren wurde.

Was empfinden Sie?

Schmidbauer: Dankbarkeit. Ich bin dankbar, dass ich in Deutschland geboren bin, weil ich hier keinen Hunger leiden muss und das große Glück habe, in einer wohlhabenden, sicheren und wunderschönen Region wie Bayern leben zu dürfen. Aber ja – viele Menschen definieren sich sehr stark über ihre Nationalität. Ich weiß, dass ich da oft polari­siere.

Lesen Sie auch: Tollwood 2018 beginnt: 17 erstaunliche Zahlen zum Kult-Festival

Sehen Sie sich als Künstler in besonderer Verantwortung?

Schmidbauer: Für mich hat jeder die Pflicht, Stellung zu beziehen, wenn es nötig ist. Sei es nun in der U-Bahn, wenn ein anderer Fahrgast angepöbelt wird oder man mitbekommt, dass jemand rassistischen Unsinn erzählt, dann musst du – egal ob du in der Öffentlichkeit stehst oder nicht – eine Haltung haben. Wir Künstler natürlich besonders.

Wie halten Sie das?

Schmidbauer: Ich versuche, meine persönliche Art von Politik in meinem direkten Umfeld zu leben: die Liebe, die ich zu meinen Kindern habe, Hilfsbereitschaft meinen Freunden und Nachbarn gegenüber – das kann ich beeinflussen. Gerade wenn eine gewisse Härte in die Gesellschaft einzieht, ist es besonders wichtig, ein sogenannter Gutmensch zu sein.

Ein Begriff, der nicht nur positiv besetzt ist, oder?

Schmidbauer: Ja, aber was ist das Gegenteil? Ein Schlechtmensch? Dann bin ich lieber einer, der sich dafür einsetzt, dass man aufeinander aufpasst. Für den Wunsch, dass man dem anderen die Hand reicht; dafür, dass ein Miteinander gelingt.

Wie kam es eigentlich zur Neuauflage der „Süden“-Tour?

Schmidbauer: Der Wunsch, wieder einmal zusammen zu spielen, war bei uns allen – Pippo Pollina, Martin Kälberer und mir – sehr groß. Mit der Tour wollen wir eine kulturübergreifende Freundschaft pflegen, deshalb schreiben und singen Pippo und ich ja auch alle unsere Süden-Lieder bairisch-italienisch. Weil die Tour schon 2013 so gut ankam und die Themen aktuell geblieben sind, spielen wir sie jetzt wieder.

Sind Sie auch privat mit Pippo Pollina befreundet?

Schmidbauer: Ja, wir sind Seelenbrüder. Wir treffen uns jedes Jahr Silvester in seiner sizilianischen Heimat. Und dann tanzen wir mit Freunden und Familie ins neue Jahr und machen Musik, in so einem kleinen Dorf am Meer. Auch während meiner Auszeit von Juli 2016 bis Juli 2017 habe ich ihn besucht.

War dieses Sabbatjahr nicht irgendwann fad?

Schmidbauer: Nein, ich habe es sehr genossen. Ich habe damals gemerkt, dass die vielen Live-Auftritte doch sehr anstrengend waren. Auch auf meine Gesundheit musste ich etwas aufpassen, ich hatte lange Zeit Probleme mit dem Knie.

Ist das Ihre Art von Luxus – sich Zeit für sich zu nehmen?

Schmidbauer: Die Gesellschaft leidet generell an Zeitnot und Stressüberflutung. Daher bin ich sehr dankbar für die Freiheit, die ich in meinen beiden Berufen habe.

Interview: Nicole Adami

Auch interessant

Meistgelesen

Mann raste ins Stauende, 25-Jährige starb - Verfahren eingestellt, keine Entschuldigung
Mann raste ins Stauende, 25-Jährige starb - Verfahren eingestellt, keine Entschuldigung
„Hier rasen alle“: Münchner sucht beim KVR nach Hilfe - und erhält eine kuriose Auskunft
„Hier rasen alle“: Münchner sucht beim KVR nach Hilfe - und erhält eine kuriose Auskunft
Bluttat in Harlaching: Angeklagter gesteht Mord - und verrät gruseliges Detail
Bluttat in Harlaching: Angeklagter gesteht Mord - und verrät gruseliges Detail
Computer-Panne am Wahltag? Helfer schildert chaotische Szenen - Verwaltung mit vielen Problemen konfrontiert 
Computer-Panne am Wahltag? Helfer schildert chaotische Szenen - Verwaltung mit vielen Problemen konfrontiert 

Kommentare