Rund 300 Uhren gesammelt

Die Zeitumstellung kostet ihn drei Tage Zeit

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Dieser Mann hat keine Zeit: Werner Stechbarth aus der Au muss bei seinen 300 Uhren den Zeiger um eine Stunde vorstellen

München - Die Zeitumstellung bedeutet für Werner Stechbarth richtig viel Stress: Der 66-Jährige, der in der Au lebt, hat rund 300 Uhren gesammelt. Und alle wollen sie angepasst werden!

Die Uhren ticken, Werner Stechbarth (66) ist im Stress. Samstagnacht wird die Zeit umgestellt – und die Zeit, mei, die läuft momentan ein wenig gegen ihn. Denn: Rund 300 Uhren hängen in seinem Wohnzimmer, und bei jeder einzelnen muss der Rentner den Zeiger mit der Hand eine Stunde nach vorne stellen. „Dafür brauche ich drei Tage, ich muss also rechtzeitig anfangen.“ tz-Besuch bei dem Mann mit dem Uhren-Tick.

Leidenschaftlicher Sammler: Werner Stechbarth

Es ist mittags, zwanzig vor Zwölf. Den Beginn der Tagesschau? Hat Werner Stechbarth (66) noch nie gehört. Keine Chance. Denn zur vollen Stunde fängt es in seinem Wohnzimmer auf die Sekunde pünktlich an zu klingeln, zu bimmeln, zu tuten, es schrillt und läutet und kräht, und natürlich ruft auch noch der Kuckuck aus manchen der insgesamt 280 Uhren, die an den Wänden seiner Wohnung in der Hochstraße hängen.

Stechbarth ist leidenschaftlicher Sammler. Der pensionierte Koch arbeitete drei Jahrzehnte bei der Lufthansa, von München aus hat er die ganze Welt bereist. Anfang der Siebziger Jahre entdeckt er eine kleine Katzenuhr auf dem Bazar in Acapulco. „Die war so schön, ich musste sie unbedingt haben.“ Es war die erste von mehreren hundert Uhren, die der Rentner aus der Au in seinem Leben gekauft hat. An seiner Wand hängen Exemplare aus Ägypten, Brasilien und China. Jeden Monat gibt er 50 Euro für Batterien aus. „Das Ticken ist der Takt in meinem Leben“, sagt Stechbarth. Alle seine Uhren schlagen unterschiedlich. „Gäste wollen bei mir selten übernachten. Denen geht das Gebimmel auf die Nerven.“

Die Münchner Au: Ein Dorf mitten in der Stadt!

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Ihn selbst nervt da eher die Zeitumstellung. „Drei Tage lang muss ich auf die Leiter steigen und mich ständig strecken. Das ist doch wirklich zum Austicken“, sagt Stechbarth. „Wenn ich etwas zu sagen hätte, dann wäre einfach immer Sommerzeit. Es ist länger hell, niemand muss sich umgewöhnen – davon hätten alle was.“

Nur eine Uhr in seiner Auer Wohnung stellt sich von selbst um – sie ist digital und zeigt die Weltzeit an. Für jede Sekunde hüpft ein roter Punkt in einen Kreis, der sich am Ende der Minute schließt. „Eine Lieblingsuhr habe ich nicht“, sagt der Rentner, eine aber ehrt er sehr. Es ist eine der ersten Funkuhren, ein Erbstück seiner verstorbenen Mutter. In der Widmung steht: „Denke daran, wie schnell die Zeit vergeht.“

Andreas Thieme

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