Studentin bittet tz-Bürgeranwalt um Hilfe

Wie viel ist diese Plastik wert?

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Sina Danner mit ihrer wertvollen Pieta zwischen Bürgeranwalt Dietmar Gaiser (li.) und Kunstexperte Edmund Löwe

München - Die Münchner Studentin Sina Danner bittet tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser um Hilfe. Sie hat eine Plastik geschenkt bekommen und fragt sich nun: Wie viel ist diese wert?

Die berühmteste Pieta der Welt steht im Petersdom in Rom und wurde von dem Ausnahmekünstler Michelangelo geschaffen. Um die geht es in unserem heutigen Artikel natürlich nicht. Es geht um eine kleine Holzplastik aus dem 18. Jahrhundert, die ebenfalls eine Pieta darstellt. Dieses Motiv hat eine sehr lange Tradition. Die ersten Pietadarstellungen entstanden im 13. und 14. Jahrhundert. Sie waren ihrer Zeit entsprechend sehr schlicht, aber nicht weniger eindrucksvoll. Im Laufe der Zeit nahm dann die Dramatik der Darstellung zu, und vor allem im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Leichnam Jesu Christi sehr drastisch dargestellt.

Die Pieta, die uns Edmund Löwe kunstgeschichtlich einordnete, kommt aus der Gegend von Neapel, wo es zwischen 1700 und 1800 eine richtige Bildhauer-Industrie gab. Meist wurden Krippenfiguren hergestellt. Eine hervorragende Sammlung davon ist im Bayerischen Nationalmuseum zu bewundern.

Diese Schnitzwerke waren dann über einen längeren Zeitraum aus der Mode. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Trotz Finanzkrise gibt es in Italien einen großen Markt für neapolitanische Schnitzereien aus der Barockzeit. Die in alle Welt zerstreuten Kunstwerke werden wieder zurückgekauft. Entsprechend hoch sind die Preise.

Doch noch mal zurück zur berühmtesten Pieta der Welt im Petersdom: Am 21. Mai 1972 zog ein Besucher des Petersdoms einen Hammer aus der Tasche und schlug auf die Pieta Michelangelos ein. Er wurde schnell überwältigt, richtete aber beträchtlichen Schaden an. Jetzt steht das Kunstwerk hinter Panzerglas.

Ihr Dietmar Gaiser

Die Pieta aus der Studentenbude

Ich studiere in München, aber meine Familie wohnt in Stuttgart. Nun hat mir meine Mutter als Erinnerung an die „ferne“ Familie eine Holzplastik geschenkt.

Es handelt sich um eine Madonna, die den toten Jesus auf den Knien hält. Ich kann mich mit der Plastik sehr schwer anfreunden. Sie passt überhaupt nicht in meine Studentenwohnung. Deswegen trage ich mich mit dem Gedanken, die Holzfigur zu verkaufen. Wie ich gelesen habe, hat der Bürgeranwalt ja bereits öfter Antiquitäten geschätzt. Kann er meine Plastik auch schätzen? Herzlichen Dank im Voraus.

Sina Danner (22) Studentin aus München

Der Bürgeranwalt selbst ist natürlich kein Spezialist für alte Kunst, aber er traf sich mit Sina Danner bei dem durch die Fernsehsendung Kunst und Krempel bekannten Gutachter Edmund Löwe. Als dieser die Figur sah, war er begeistert: „Es handelt sich um eine Pieta aus dem Raum Neapel. Sie wurde Mitte des 18. Jahrhunderts hergestellt.“

Woher weiß Edmund Löwe das nach einer kurzen Untersuchung, solche Figuren wurden ja auch in Süddeutschland hergestellt? Der Spezialist erklärte uns, dass ein sicheres Merkmal die gläsernen Augen der Holzplastik seien. Zwar wurden diese auch in Deutschland verwendet, aber die Technik wurde in der Gegend von Neapel erfunden und kommt deswegen dort sehr früh vor.

Das zweite Indiz für die Herkunft ist die Fassung. Die Bemalung ist noch original und sehr aufwendig gearbeitet. Dabei wurden mehrere Schichten übereinander gelegt. Das Entscheidende jedoch ist die Eleganz der Figur. Der Faltenwurf der Madonna und der fast elegant hingestreckte Leichnam Jesu Christi sprechen für einen sehr guten italienischen Bildhauer.

Edmund Löwe rät deswegen, die Figur auf keinen Fall zu verkaufen: „So einen Familienschatz behält man. Das gute Stück zu verkaufen, wäre unklug.“ Damit gab sich aber die Studentin nicht zufrieden, sie wollte trotzdem wissen, was die Pieta auf dem Kunstmarkt bringen würde. Edmund Löwe setzt den Preis mit etwa 4000 Euro an, betonte aber, dass Sammler bei Auktionen oft auch bereit sind, viel mehr zu bezahlen.

„Obwohl ich als Studentin das Geld gut gebrauchen könnte, werde ich die Figur nun nicht verkaufen. Sie kommt wieder zurück in meine Studentenbude“, versprach uns Sina Danner.

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