Von wegen altes Eisen:

So wertvoll ist die Generation 60 plus

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1860-Präsident Dieter Schneider sagt: "Freilich haben viele über 60-Jährige noch Schmalz. Und je stärker man ein Leben lang in der Verantwortung gestanden ist, desto größer ist auch die Leistungsbereitschaft, wenn man älter wird!"

München - Es vollzieht sich ein Strategiewandel: Politik und Wirtschaft entdecken die Qualitäten von erfahrenen Köpfen neu. Die über 60-Jährigen fühlen sich fit genug, um weiter durchzustarten.

Die SPD schickt den 63-jährigen OB Christian Ude ins Rennen um die Staatskanzlei, Ministerpräsident Horst Seehofer (62) will noch mindestens sieben Jahre weiterarbeiten - und Peter Gauweiler (62) hat sich gerade um den stellvertretenden CSU-Vorsitz beworben (tz berichtete).

So unterschiedlich das Trio sein mag - eins verbindet sie: Sie fühlen sich noch fit genug, um beruflich weiter durchzustarten. Ein Ziel, das auch immer mehr ältere Mitarbeiter in Münchens Firmen teilen. Und ihre Chefs scheinen die Zeichen der Zeit zu erkennen. Sie haben ihre Strategie geändert, bewerten die Vorzüge der Generation 60 plus neu. Wirtschaftsbosse und Arbeitspsychologen sprechen sogar von einem neuen Trend. Die tz beleuchtet die Gründe. Und berichtet von Menschen, die mehr Schaffenskraft an den Tag legen als mancher Jungspund.

Darum sind die Älteren wieder so wichtig für uns:

Teuer, unflexibel, hoher Urlaubsanspruch, häufiger krank - in der globalisierten Wirtschaft müssen ältere Mitarbeiter gegen viele Vorurteile kämpfen. Lange machten die Wirtschaftsbosse nicht viel Federlesens, wenn es darum ging, die alte Garde durch jüngere Kollegen zu ersetzen. Doch inzwischen kristallisiert sich eine Strategiekorrektur heraus: Immer mehr Personalchefs erkennen, wie wertvoll die Generation 60plus für ihr Unternehmen sein oder noch werden kann.

Das liegt zum einen am demografischen Wandel. So dokumentieren Zahlen des Statistischen Bundesamts, wie dramatisch sich die Altersstruktur unserer Gesellschaft ändert: Jeder fünfte Deutsche ist 60 Jahre und älter. Der Anteil der Erwerbstätigen zwischen 55 und 64 Jahren am Arbeitsmarkt lag 2009 bei 56 Prozent - das ist der fünfhöchste Wert in Europa. In keiner Altersgruppe hat der Anteil der Erwerbstätigen in den   letzten Jahren so stark zugenommen wie bei 55- bis 64-Jährigen.

BMW-Personal-Vorstand Harald Krüger.

Dieser Entwicklung trägt die Wirtschaft Rechnung, zum Beispiel BMW. Personal-Vorstand Harald Krüger zur tz: "Schon heute sind 22 Prozent unserer Mitarbeiter 50 Jahre und älter, viele davon über 60. Bis 2020 wird dieser Anteil auf über 40 Prozent steigen." Der Top-Manager sieht darin kein Risiko, im Gegenteil: "Wir haben ein hohes Interesse an den älteren Kollegen. Sie besitzen sehr viel Erfahrung, große Fachkompetenz und ein enorm hohes Qualitätsbewusstsein. Es wäre ja schade, diese Stärken zu verlieren." Die enge Einbindung und Weiterbildung der älteren Mitarbeiter sei "eine der Top-Prioritäten in der Personalpolitik von BMW". Der Vorstand weiter: "Wir brauchen innovative Konzepte, wie ältere Arbeitnehmer hocheffizient arbeiten können. Das kann zu einem neuen Exportschlager Deutschlands werden."

Die Generation 60plus ist Gold wert, das bestätigt der Vorstandschef der Stadtsparkasse. Harald Strötgen zur tz: "Erfahrene Mitarbeiter sind im Bankgeschäft besonders wertvoll. Viele Kundenbeziehungen basieren auf einem von langjährigem Vertrauen geprägten Verhältnis zwischen dem Kunden und seinem Berater."

Zur Erfahrung kommt noch ein Vorteil: "Viele Arbeitnehmer sind im Alter wesentlich fitter als früher - auch dank Fortschritten in der Medizin", weiß Dr. Werner Kissling, leitender Oberarzt am Uniklinikum rechts der Isar: "Warum sollte jemand, der voll im Saft steht, nicht mehr arbeiten?"

Andreas Beez

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