Im Februar beginnt der Prozess gegen Mario S.

Westend-Entführer: Das war sein perfider Plan

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Mario S. drohen bis zu 15 Jahre Haft! Im Februar beginnt der Prozess

München - Die Entführung der 46-jährigen Bankers-Gattin aus Ottobrunn hielt vor einem halben Jahr die ganze Stadt in Atem. Mario S. drohen bis zu 15 Jahre Haft! Im Februar beginnt der Prozess.

Die Entführung der 46-jährigen Bankers-Gattin aus Ottobrunn hielt vor einem halben Jahr die ganze Stadt in Atem. Nach einer nervenaufreibenden Fahndung wurde Mario S. 16 Tage später in Thailand verhaftet. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft München I wegen erpresserischen Menschenraubs und versuchter schwerer Erpressung Anklage erhoben – sie offenbart die Motive und den perfiden Plan des Westend-Entführers. Mario S. drohen bis zu 15 Jahre Haft! Im Februar beginnt der Prozess.

Bei der Vernehmung entschuldigte sich der 52-Jährige bei seinem Opfer. „Es tut mir leid, ich habe einen Fehler gemacht.“ Auch Behörden-Sprecher Peter Preuß bestätigt gegenüber der tz: „Er hat die Tat gestanden.“ Von Geldnot getrieben setzte Mario S. am 10. Juni seinen lange gehegten Plan in die Tat um. Er soll das Haus des hochrangigen Sparkassen-Managers in Ottobrunn zuvor tagelang ausgespäht haben! An jenem Morgen öffnete der zwölfjährige Sohn die Tür. Der Entführer fesselte den Buben an einen Heizkörper, zwang dann die Mutter mit gezückter Schusswaffe in ihr eigenes Auto und fuhr los Richtung Westend. Dort konnte die Bankers-Gattin auf dem Lidl-Parkplatz entkommen.

Mit diesem Foto suchte die Polizei nach dem Entführer.

Die Ermittler fanden im Haus einen Erpresserbrief, in dem er 2,5 Millionen Euro Lösegeld forderte. Gegenüber seiner Geisel soll Mario S. auf der Fahrt Richtung München angegeben haben, dass die Stadtsparkasse 1,5 Millionen Euro seines Vermögens verspekuliert habe. Die Staatsanwaltschaft geht aber nicht davon aus, dass das der wahre Grund ist. Auch die Stadtsparkasse teilte mit, dass der Mann der entführten Frau keinen Kontakt zu Kunden habe. Stattdessen soll er mit seiner Frau ein Leben weit über seinen Verhältnissen geführt haben. Nachdem er 2013 nach Thailand ausgewandert war, baute er sich dort ein Häuschen, bereiste die Welt.

Als seine Geldsorgen immer größer wurden, reifte offenbar der Plan einer Entführung. Auch Staatsanwalt Preuß bestätigt: „Die Tat wurde akribisch vorbereitet.“ Unglaublich: Sein Opfer soll sich Mario S. willkürlich im Internet gesucht haben. Über die Homepage der Stadtsparkasse München machte er den Banker dann zufällig ausfindig.

Nachdem die Frau am Lidl-Parkplatz geflohen war, versteckte sich Mario zunächst in einer Wohnung in der nahen Bergmannstraße, die er übers Internet angemietet hatte. Dort wollte er offenbar sein Opfer verstecken. Noch am selben Abend flog er zurück nach Thailand. Doch 16 Tage später klickten dort die Handschellen. Seine Handydaten überführten ihn.

Das Protokoll der Entführung:

10. Juni 2015, 7.30 Uhr: Der Entführer überfällt die Familie in deren Haus in Ottobrunn, fesselt den 12-jährigen Sohn an einen Heizkörper und fährt mit der Frau Richtung Westend.

8.40 Uhr: Aus ungeklärten Gründen stoppt Mario S. am Lidl-Parkplatz in der Westendstraße. Die Bankers-Gattin kann entkommen. Der Täter flieht zu Fuß in seine extra angemietete Wohnung in der Bergmannstraße. Die Überwachungskamera des Autohauses nebenan filmt ihn dabei.

Nachmittag: Während die Polizei fieberhaft nach dem Entführer fahndet, verwischt Mario S. alle Spuren in der Wohnung. Er verändert sein Aussehen, rasiert sich den Bart ab. Noch am selben Abend bricht er zum Flughafen auf, dann fliegt er zurück nach Thailand.

26. Juni 2015: Mario S. wird im 9000 Kilometer entfernten Thailand von den dortigen Behörden festgenommen.

9. Juli 2015: Zielfahnder der Münchner Polizei landen mit Mario S. im Erdinger Moos. Jetzt wartet er in der JVA Stadelheim auf seinen Prozess.

Westend-Entführer: Geldnot als Tatmotiv

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