Ungemütlicher Knast in Thailand

Westend-Entführer jammert: "Holt mich aus dem Rattenloch"

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Mit diesen Aufnahmen aus dem S-Bahn-Überwachungsvideo fahndete die Münchner Polizei nach dem mutmaßlichen Westend-Entführer.

München - Das hätte er sich besser vorher überlegen sollen: Der mutmaßliche Westend-Entführer sitzt in Thailand im Gefängnis und will nun, dass ihm die deutsche Polizei ein Rückflugticket besorgt.

Vor rund drei Wochen bedrohte er noch die Gattin eines Sparkassen-Managers aus Ottobrunn mit einer Softair-Waffe, fesselte ihren zwölfjährigen Sohn an die Heizung und wollte 2,5 Millionen Euro erpressen. Doch nun sitzt Mario S. in Thailand im Knast und jammert. "Ich weiß, ich habe etwas sehr Dummes gemacht", räumt der mutmaßliche Westend-Entführer seine Tat im Gespräch mit der "Bild" ein. Und jetzt will er so schnell wie möglich raus aus dem Abschiebegefängnis in Bangkok.

Er hofft auf die deutsche Polizei, die ihm ein Rückflugticket besorgen soll: "Alles ist besser, als eingesperrt zu sein in diesem Rattenloch." Die Zustände in thailändischen Gefängnissen sind deutlich schlechter als in deutschen Justizvollzugsanstalten, teilweise tummeln sich bis zu 50 Kriminelle in einer Zelle, die hygienischen Verhältnisse sind weit entfernt von europäischem Standard. "Ich sitze hier und schaue den Ratten zu", jammert Mario S. über seine Lage," ich halte das nicht mehr lange aus."

Thailändischen Medien zufolge soll der mutmaßliche Entführer,

Mario S. (3.v.r.). wurde in Thailand der Presse vorgeführt.

der vergangenen Freitag zusammen mit anderen Verdächtigen in Thailand öffentlich der Presse vorgeführt wurde, vermutlich schon diese Woche nach München überführt werden. Denn es würde in Thailand keine weitere Strafanzeige gegen den 52-Jährigen vorliegen. In München hält man sich bedeckt, wann Mario S. überführt wird. „Während laufender Fahndungsmaßnahmen machen wir gar keine Angaben, um diese Maßnahmen nicht zu gefährden“, erklärt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I auf unsere Anfrage.

An der Bergmannstraße im Westend hatte er für rund fünf Wochen eine Wohnung angemietet. Am 10. Juni überwältigte er die 46 Jahre alte Bankiers-Gattin in ihrem Wohnhaus in Ottobrunn und zwang den zwölfjährigen Sohn, sich mit Kabelbinder an einen Heizkörper zu fesseln. Mit der Mutter fuhr der Entführer in ihrem silberfarbenen Polo auf den Lidl-Parkplatz an der Westendstraße. In der Wohnung lag ein Erpresserbrief, in dem 2,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert wurden. Auf dem Parkplatz konnte die Frau des Sparkassen-Managers flüchten. Der Entführer versteckte sich in der Wohnung an der Bergmannstraße und flog noch am Tatabend nach Thailand. Die Kriminalpolizei fand offenbar später im Müllcontainer des Wohnhauses einen Prepaid-Handy-Vertrag von Mario S. und kam ihm so auf die Spur.

Sollte er in Deutschland rechtskräftig verurteilt werden, drohen Mario S. bis zu 15 Jahre Haft.

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