Westfriedhof: Zehn Grabkreuze angezündet

+
Die letzte Ruhestätte – Ort des Trauerns und Gedenkens. Doch davor hat der unbekannte Täter, der Holzkreuze schändet, keinen Respekt.

München - Ist den Vandalen gar nichts mehr heilig? Ein irrer Feuerteufel zündet auf dem Westfriedhof Holzkreuze und Madonnen-Bildstöcke an. Zehn Mal schlug der Täter bereits zu.

Der November ist der Monat der Trauernden: An Allerseelen, dem Volkstrauertag oder dem Totensonntag gedenken die Menschen ihrer verstorbenen Eltern, Gatten oder Freunde. Ausgerechnet in dieser Zeit zündet ein irrer Feuerteufel auf dem Westfriedhof Holzkreuze und Madonnen-Bildstöcke an den Gräbern an. Schon zehn Mal schlug der Täter zu. Auch in Aubing verwüsteten Unbekannte 90 Gräber – ist den Vandalen gar nichts mehr heilig?

Kurz vor Allerheiligen bemerkten die Angestellten der Münchner Friedhofsverwaltung, dass vier Holzkreuze auf dem Gottesacker angezündet worden waren. „Die brannten nicht richtig ab, sie verkohlten aber“, berichtet Peter Lippert von der städtischen Friedhofverwaltung. „Ein Holzbildhauer kann so einen Schaden zwar reparieren, aber das kostet Hunderte von Euro. Ganz zu schweigen davon, was dieser Täter bei den Angehörigen anrichtet, die hier Menschen betrauern, die ihnen nahe standen.“

So erging es auch einer Münchnerin (66), die am Tag vor Allerheiligen das Familiengrab schmücken wollte, als sie ein verkohltes Kreuz vorfand. Alleine hier beträgt der Schaden rund 2000 Euro. Am Montag Mittag entdeckte der Bestattungsunternehmer Andrej K., wie wieder ein Kreuz am Westfriedhof in Flammen stand. „Ich schlug das Feuer mit den bloßen Händen aus“, erzählt Andrej. K, der tz. Die Polizei rätselt, welche Motive der verrückte Brandstifter hat, der am helllichten Tag zuschlägt und den bislang noch niemand bei seinen Anschlägen entdeckt hat.

Auch Peter Lippert von der Friedhofsverwaltung ist ratlos: „Wir wissen nicht, wie er das macht. Er benutzt offenbar eine Lunte, die er anzündet, bevor er wegrennt.“ Lippert ist verzweifelt: „Am schlimmsten ist die Ohnmacht, dass sich jemand an den Gräbern vergreift, ohne dass man seiner habhaft werden kann.“ Der Westfriedhof ist das zweitgrößte Gräberfeld der Stadt. Lippert: „Man kann nicht das gesamte Gelände rund um die Uhr bewachen und auch nicht Sorge dafür treffen, dass nachts niemand über die Zäune klettert.“ Dabei steckt Lippert noch der Schock darüber in den Knochen, dass Unbekannte kurz vor Allerheiligen in Aubing 90 Gräber verwüstet hatten: „Die haben die Laternen runter geschlagen und Weihwasserkessel zetrümmert. Die müssen einen Baseballschläger genommen haben.“

Die Polizei bittet um Zeugenhinweise und die Geschädigten, die noch keine Anzeige erstattet haben, sich zu melden. Telefon: 089/29100 .

Johannes Welte, Eberhard Unfried

Auch interessant

Kommentare