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Westpark-Mörder soll im April frei kommen

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Gorazd B. hat seine Tat nicht bereut.Haag, Unfried © Haag, Unfried

München - Im April soll der gefährlichste Verbrecher Münchens auf freien Fuß kommen: Gorazd B., der brutale Westpark-Mörder. Jetzt will die Staatsanwaltschaft München I die Notbremse ziehen.

Die Anklagebehörde hat die nachträgliche Sicherungsverwahrung beantragt, wie die tz am Donnerstag exklusiv erfuhr!

„Dieser Mann ist eine tickende Zeitbombe“, hatte der frühere Chef der Mordkommission, Josef Wilfling vor dem Serien-Straftäter mit dem eiskalten Killerblick gewarnt. „Wenn der wieder rauskommt, muss der Nächste dran glauben!“

Bayerns unheimliche Phantome

Am Abend des 15. Oktober 1993 hatte Gorazd B. eine Mordswut im Bauch. Er sollte für eine Unzahl von Straftaten (Raub, schwere Körperverletzung usw.) in sein Heimatland Slowenien abgeschoben werden. Damals war er 18 Jahre alt, hatte aber schon einige Jahre im Knast verbracht. Gorazd B. wollte aber nicht alleine umziehen. Er forderte seine Freundin Nicole auf, mit ihm zu gehen. Sie dachte aber nicht daran. Darauf verprügelte er sie brutal. Nicoles Vater reichte es und warf den Gewalttäter raus.

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Wurde im Westpark ermordet: Konrad Hierl. © Haag, Unfried

Vor Wut brodelnd, ging Gorazd B. in den Westpark, sein Butterfly-Messer griffbereit in der Tasche. Er suchte sich offenbar das nächstbeste Opfer, an dem er seine Wut auslassen kann. Ahnungslos lief ihm der Architekt Konrad Hierl (40) über den Weg. Hierl kam aus der Sauna, wollte nach Hause. Gorazd B. metzelte den Vater von zwei Kindern mit unzähligen Messerstichen nieder. Aus „purer Mordlust“, wie später vor Gericht festgestellt wurde.

Das Verbrechen konnte erst im Februar 1997 aufgeklärt werden, nachdem ein Mitwisser sich der Polizei anvertraut hatte. Er wurde aus Kroatien ausgeliefert. Es folgte eine Justiz-Posse: Im März 1999 verurteilte ihn die Jugendkammer zu nur sechs Jahren und 10 Monaten Jugendstrafe. Dieses Urteil kassierte der Bundesgerichtshof. Es waren zwei weitere Prozesse notwendig, bis er zur Höchststrafe für Jugendliche verurteilt wurde: Zehn Jahre Gefängnis!

Schon in der Untersuchungshaft hatte sich Gorazd B. wie die Axt im Walde aufgeführt. Er verprügelte Mithäftlinge, bedrohte einen Arzt und ging auf Justizbeamte los. Vor Gericht höhnte er darüber: „Ist das so dramatisch?“ Dafür beschwerte er sich übers Essen: „Ich kann den Stadelheim-Fraß nicht ausstehen.“

Zeugen hatten eine Höllenangst vor dem Gewalttäter. Es reichte, sie mit seinem stahlharten Blick anzustarren und ihnen rutschte das Herz in die Hose. Er stieß Drohungen aus: „Dich fress’ ich!“

In der Haft ist es zwar ruhiger um ihn geworden. Doch nach wie vor gilt er als Zeitbombe. Die Staatsanwaltschaft beantragte die nachträgliche Sicherungsverwahrung, weil er als gefährlich für die Allgemeinheit gilt. Über seine Gefährlichkeit wird noch ein Gutachter befinden. Über den Fall wird die 10. Strafkammer entscheiden.

Eberhard Unfried

Sicherungsverwahrung

Grundsätzlich darf nach geltendem Recht in Deutschland niemand für ein Verbrechen zweimal bestraft werden. Deshalb sind die Voraussetzungen für eine nachträgliche Anordnung der Sicherungsverwahrung sehr hoch. Es muss eine Verurteilung wegen eines Verbrechens gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit und / oder die sexuelle Selbstbestimmung vorausgegangen sein. Werden vor dem Ende des Strafvollzugs neue Tatsachen erkennbar, die auf eine erhebliche Gefährlichkeit für die Allgemeinheit hinweisen, so kann eine nachträgliche Sicherungsverwahrung angeordnet werden. Es muss sich um Tatsachen handeln, die zum Zeitpunkt der Urteilsfindung noch nicht bekannt gewesen sind. Genau beobachtet werden muss deshalb vor allem das Verhalten des Verurteilten im Gefängnis. Rein die Tatsache einer zuvor schon bekannt gewesenen Gefährlichkeit des Täters reicht nicht aus. Im Jugendstrafrecht ist eine nachträgliche Sicherungsverwahrung nach einer Gesetzesänderung erst seit dem 12. Juli 2008 möglich.

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