Chefermittler: Lasst den Westparkmörder nie mehr frei

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Aus Mordlust tötete Gorazd B.im Westpark den Architekten Konrad H. (40). Ein Freund des Mörders verpfiff ihn später

München - "Er hat einen Menschen aus Mordlust umgebracht. Das bleibt ihm!", sagt Josef Wilfling, der frühere Chef der Mordkommission. Er fordert: Lasst den Westparkmörder nie wieder frei!

Wilfling lässt keinen Zweifel daran: Er geht davon aus, dass Westparkmörder Gorazd B. (36) auch 18 Jahre nach den Verbrechen, für die er verurteilt wurde, jederzeit wieder morden kann. Am Montag sah Wilfling ihn wieder – als Zeuge vor Gericht.

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Gegen Gorazd B. läuft derzeit vor der 10. Strafkammer ein Prozess – es geht um nachträgliche Sicherungsverwahrung. Experten halten den gebürtigen Slowenen nach wie vor für gefährlich, die Staatsanwaltschaft will ihn deshalb für immer wegsperren. Doch juristisch ist die Sache hochkompliziert – nicht zuletzt durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Allein die Feststellung der Gefährlichkeit reicht nämlich nicht, um einen Straftäter nach verbüßter Strafe weiter in Haft zu lassen.

Als abschreckendes Beispiel nannte Wilfling im Zeugenstand den Fall des Kindermörders Martin P., der nach einer neunjährigen Jugendstrafe im Februar 2005 erneut zu Mörder wurde: „Man musste ihn freilassen – und prompt hat er wieder ein Kind getötet.“

Josef Wilfling ist überzeugt: Der Mann, der hier mordete, ist nach wie vor gefährlich

Wilfling, Autor des Bestsellers „Abgründe“ lässt keinen Zweifel da­ran, was er von der Anwendung des Jugendstrafrechts mit einer Höchststrafe von zehn Jahren für Heranwachsende (18 bis 21) hält: „Das sollte die Ausnahme sein und nicht die Regel.“ Sowohl der Westparkmörder als auch Kindermörder Martin P. waren zur Tatzeit 18 und sind nach Jugendstrafrecht verurteilt worden. Wilfling: „Gorazd B. hätte nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden sollen.“ Er sagt: „Wenn die Experten der Meinung sind, dass er gefährlich ist, dann sollte man ihn nicht auf die Menschheit loslassen.“ Also: Lasst ihn nie wieder frei!

Der Ort des Grauens: der Westpark.

Dem Verbrechen am Abend des 15. Oktober 1993 im Westpark widmete Wilfling in seinem Buch ein Kapitel. Weil der Serienstraftäter abgeschoben werden sollte und weil seine Freundin nicht mit ihm gehen wollte, ließ B. seinem Frust freien Lauf: Er metzelte den Konrad H., der ihm zufällig über den Weg lief, mit unzähligen Messerstichen nieder. Wilfling verlegte in seinem Buch den Tatort in den Ostpark und nennt den Täter „Serdar“. Was Anwalt Gunther Haberl, der Verteidiger von Gorazd B., zum Anlass nahm, das Buch auf den Wahrheitsgehalt abzuklopfen. Er habe die Daten absichtlich verändert, betonte Wilfling, „damit ich keine Persönlichkeitsrechte verletze“.

Der Prozess dauert wohl bis Ende August oder September.

ebu

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