Westparkmörder: Prozess abgesagt

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Gorazd B., der Westpark-Mörder.

München - Der Prozess über die nachträgliche Sicherungsverwahrung des grausamen Westparkmörders ist wegen Befangenheit eines Gutachters vorerst abgesagt.

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Die Staatsanwaltschaft will ihn für immer wegsperren. Der inzwischen 35 Jahre alte Westpark-Mörder gilt als Gefahr für die Allgemeinheit. Doch schon vor dem Prozess um seine nachträgliche Sicherungsverwahrung, der am 18. Oktober beginnen sollte, ging alles schief: Das Gericht lehnt den berühmten Kriminologen Prof. Michael Bock (60), der als Gutachter aussagen sollte, wegen Befangenheit ab! Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Serien-Straftäter Gorazd B. hatte am Abend des 15. Oktober 1993 im Westpark den zufällig entgegenkommenden Architekten Konrad H. (40) mit unzähligen Messerstichen niedergemetzelt – aus purer Mordlust. Er wurde erst Jahre später zu einer zehnjährigen Jugendstrafe verurteilt, sitzt aber schon wesentlich länger.

Im Mai sollte Gorazd B. endgültig freikommen. Die Justiz reagierte jedoch rechtzeitig (tz berichtete exklusiv). Das Oberlandesgericht erließ einen Unterbringungsbefehl, zunächst für ein halbes Jahr. Dieser läuft also bald aus. Wie lange kann ihn die Justiz noch einsperren? Schließlich ist die Verhängung der nachträglichen Sicherungsverwahrung nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs juristisch ohnehin umstritten.

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Ausgerechnet jetzt platzt der Prozess schon im Vorfeld. Prof. Bock wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft für befangen erklärt. Wegen unbedachter Äußerungen, wie die tz erfuhr. So etwas ist eine Steilvorlage für die Verteidigung. OLG-Sprecherin Margarethe Nötzel wiegelt jedoch ab: „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass Gorazd B. in naher Zukunft entlassen wird."

E. Unfried

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