Experten blicken voraus

Unschöne Folge nach Wetter-Chaos - auch Region um München trifft es voll: „Das geht jetzt los“

Stechmücken lieben warme und feuchte Bedingungen, die sie derzeit auch in und um München vorfinden. Experten prognostizieren spannende Wochen.

München - Feuchtwarmes Wetter und Hochwasser haben in Bayern die Ausbreitung von kleinen fliegenden Plagegeistern enorm begünstigt. Im gesamten Freistaat sei derzeit ein erhöhtes Mückenaufkommen zu beobachten, sagte die Biologin Silke Göttler, bei der Regensburger Firma Biogents zuständig für die Stechmückenüberwachung. Reichlich Niederschlag sowie hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen bedeuteten das „ideale Mückenwetter“.

„Mückenwetter“ in München: Experten beleuchten Hintergründe

Von einem „guten Mückenjahr“ sprach auch Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und Leiterin des „Mückenatlas“. Von einer „massiven Plage“ sei man aber weit entfernt. Die vergangenen beiden Jahre seien sehr trocken gewesen, es habe kaum Mücken gegeben. „Wir haben uns daran gewöhnt, deshalb empfinden wir es nun als ungewöhnlich viel“, sagte sie. Süddeutschland sei aufgrund der anhaltenden Regenfälle aber stärker betroffen als andere Gebiete.

Von den Hochwassern der vergangenen Wochen im Freistaat profitieren demnach „Überschwemmungsmücken“. Das sind Arten, die ihre Eier im Boden ablegen und deren Larven schlüpfen, wenn das Gebiet unter Wasser steht. Sie kommen laut Mückenexpertin Göttler derzeit etwa beim niederbayerischen Weltenburg an der Donau, in der Gegend um München sowie am Wörth- und Ammersee vor. Am Wochenende hatte der DWD für die Landeshauptstadt erneut Wetter-Warnungen ausgegeben.

Wetter-Chaos hat unschöne Folge: Auch Region um München betroffen

Feuchtwarmes Wetter und Hochwasser begünstigen die Ausbreitung von Mückenschwärmen.

Die Ortsgruppen des Bund Naturschutz in den von den Hochwassern der vergangenen Wochen betroffenen Gebieten Berchtesgadener Land, Neustadt an der Aisch, Bamberg, Schweinfurt und Haßberge meldeten kein erhöhtes Mückenaufkommen. In den überschwemmten Gebieten dürfte es aber bald mehr Mücken geben, sagte Werner. „Das geht jetzt los“, sagte sie. Die Mücken bräuchten maximal zwei Wochen zum Schlüpfen.

Überschwemmungsmücken seien „kleine, fiese Stecher, die den Leuten sehr aggressiv auf die Pelle rücken“, sagte Werner. Die Arten stünden unter einem enormen Erfolgsdruck, sie hätten nur ein kleines Zeitfenster, um zu fressen und sich fortzupflanzen.

Hausmücken sowie Wald- und Wiesenmücken sind schon weniger penetrant. Sie sind nicht auf Überschwemmungen, die am Wochenende im Allgäu drohen, angewiesen, finden aber das nasse, warme Wetter der vergangenen Wochen gut. Hausmücken legen ihre Eier in stehendem Gewässer ab. Das können Teiche, Eimer, Regentonnen, Gießkannen oder Gullis sein.

Fürth gleich dreifach getroffen: Tigermücken gesellen sich zu Hausmücken und Überschwemmungen

„In Fürth gibt es dieses Jahr viel mehr Stechmücken als in den vorangehenden trockenen Sommern“, sagte Waltraud Galaske, stellvertretende Vorsitzende des Bund Naturschutz in der Stadt. Die Stadt wird gleich dreifach getroffen: Zu Überschwemmungs- und Hausmücken gesellen sich auch noch Asiatische Tigermücken. Diese hätten im Freistaat vor allem in Fürth eine große Population, würden mittlerweile aber schon gut bekämpft, sagte Göttler.

„Bei Überschwemmungsmücken kann man nicht viel machen“, sagte Göttler. Man könne zum Beispiel lange, helle Kleidung anziehen oder die Gebiete eben meiden. Zum Beispiel am Chiemsee oder in Neustadt an der Donau würden Biozide ausgebracht, um die Tiere zu bekämpfen. Bei Hausmücken könne man etwa im Garten die Wasserbehälter abdecken, um die Weibchen an der Eiablage zu hindern, sagte Werner. Mücken seien aber auch Nahrung für Vögel oder Fledermäuse und wesentlicher Bestandteil in Nahrungsketten. „Ohne Mücken würde das alles nicht funktionieren“, sagte sie. (dpa/lks)

Rubriklistenbild: © Manuel Schwarz/dpa

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