Klima & Co.: Antworten auf die häufigsten Fragen

Das Wetter spielt verrückt

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Blitz, Donner und wieder Sonne: Das Wetter scheint unberechenbar - oder?

München - Verhagelte Biergartensaison im Juni, keine Flocke am Himmel im November - warum ist das Wetter so unberechenbar? Was ist dran am Klimawandel? Und wieso stimmt die Prognose oft nicht?

Wetterexperte Michael Klein von Donnerwetter.debeantwortet in einem neuen Buch die Top 15 Fragen, die den Wetterfröschen in den vergangenen Jahren am häufigsten gestellt wurden.

Gibt es in diesem Jahr weiße Weihnachten?

Die Frage nach Schnee zur Bescherung bekommt Klein meist schon im Sommer: „So früh lässt sich aber keine Vorhersage treffen.“ Immerhin: Zu Heiligabend rechnet Klein heuer mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent!

Spielt das Wetter verrückt?

Dürren, Fluten, Tornados: Klimaforscher streiten über die Folgen des Klimawandels und wie stark sich der Globus erhitzt. Einige fürchten hingegen eine Eiszeit auf uns zukommen! Ob es global betrachtet künftig mehr Gewitter und Wetterchaos als früher geben wird, ist deshalb mehr als unsicher.

Warum stimmen die Wettervorhersagen nicht immer?

Schnee am Chinaturm: donnerwetter.de prognostiziert einen kalten Winter.

Die Atmosphäre ist ein nichtlineares System: Meterologen werden deshalb das Wetter niemals mit der Präzision vorhersagen könnenwie zum Beispiel den Lauf der Sterne. Außerdem sind Wetterphänomene lokal sehr stark begrenzt: Die Gewitter-Entstehung in einer größeren Gegend lässt sich recht leicht prognostizieren. Wo jedoch genau, ist erst wenige Stunden vorher auf dem Radar zu sehen.
Noch ein mieser Sommer! Gibt’s den Klimawandel überhaupt?

Die Frage birgt ein Missverständnis: Das Wetter zweier Sommer hintereinander ist noch kein „Klima“. Allgemeiner Konsens der meisten Klimaforscher ist heutzutage jedoch, dass die Temperaturen weltweit ansteigen.

Wieso ist das Wetter bei mir anders als im Nachbarort?

Kleine Unterschiede im Höhenprofil können zu großen Unterschieden im Wetter führen. „Die dicken Wolkentürme ziehen auf ihrem Weg oft über den einen Ort hinweg, lassen den anderen aber aus“, sagt Klein. Das hänge dann oft mehr vom Zufall ab als von lokalen Gegebenheiten.

Sind Langfristprognosen seriös?

Oft ist je nach Wetterlage eine solide Vorhersage über sieben Tage möglich. In anderen Fällen wissen die Wetterfrösche nicht, ob’s morgen Regen oder Sonne gibt. Klein: „Eine Prognose über 20 Tage hinaus wird vermutlich auch künftig nicht machbar sein.“

Wie entsteht eigentlich eine Wettervorhersage?

Aus den Daten von Tausenden Wetterstationen, Radiosonden, Satelliten und Bojen ermittelt ein Großrechner mittels Formeln ein dreidimensionales Gitter, das virtuell um die Erde gelegt wird. In diesem Gitter wird die Entwicklung des Wetters in Dreistunden-Abständen vorhergesagt.

Hier geht's zur tz-Wettervorhersage

Werden die Wettervorhersagen immer unzuverlässiger?

Computerprogramme, die das Abbild der Atmosphäre darstellen, werden immer weiter verfeinert: Heute gilt die Vorhersage der nächsten sieben Tage als so gut, wie sie es zu Beginn der 80er- Jahre für den nächsten Tag war! Täuscht der Eindruck also? „Durch den wissenschaftlichen Fortschritt scheint es uns umso schwerer zu fallen, zu akzeptieren, dass sich das Wetter unserer Beherrschbarkeit entzieht“, sagt Klein.

Was sind gefühlte Temperaturen?

Die eine bibbert, der andere schwitzt - Frauen frieren von Natur aus leichter als Männer! Donnerwetter.de sagt deshalb als erster Wetterdienst die gefühlten Temperaturen für Frau und Mann getrennt voraus.

Woher kommen die Hoch-Namen?

Daria, Vivien oder Wibke gingen als wahre Wetter-Furien in die Geschichte ein - alles weibliche Namen für Tiefdruckgebiete. Seit 2002 gibt’s eine Neuerung bei der Namensgebung: Jeder kann eine Namenspatenschaft für ein Hoch oder Tief übernehmen.

Warum unterscheiden sich Wettervorhersagen oft sehr?

„Je nach Wetterlage kann ein Vorhersage-Wirrwarr leicht entstehen“, sagt Klein. Grund: Wettermodelle berechnen auf Basis der aktuellen Messwerte die Entwicklung neu. Kleine Änderungen wirken sich umso stärker aus, je weiter die Vorhersagen in die Zukunft reichen.

Beeinflusst das Militär das Wetter?

Flugzeuge versprühen Chemikalien, um dem Klimawandel entgegenzuwirken - reine Verschwörungstheorie, meint Klein. „Die angeblichen Chemikalien sind Kondensstreifen der Flugzeuge und halten sich bei feuchter Luft oft stundenlang am Himmel.“

Sind Bauernregeln nicht nur putzige alte Reime?

„Das Wetter am Siebenschläfertag (27.Juni) sieben Wochen lang bleiben mag“: Für München trifft diese Bauernregel zu 80 Prozent  zu!

Kann das Wetter Kopfschmerzen auslösen?

Laut Klein wirkt ein komplexes Geflecht von Elementen auf den Körper: Luftdruck, Hitze und Kälte spielen eine Rolle. „Das Wetter macht jedoch nicht krank, es deckt aber Schwächen im Körper auf.“

Stimmt der „Hundertjährige Kalender“?

Diese Theorie besagt, dass sich das Wetter alle sieben Jahre wiederholt. Völliger Quatsch für Meterologen: Verlässliche Messungen zeigen kein Wiederholungsmuster!

Deutschland trocknet aus

Kein Schnee auf der Zugspitze, die Isar fließt als Rinnsal, am Sylvensteinspeicher gingen 14 Hektar Schutzwald in Flammen auf - Wetterexperten schlagen Alarm! Der November war der trockenste Monat in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst spricht von einem Jahrhundertereignis: „Ausschläge nach oben oder unten sind immer möglich. Aber der November war ein ganz außergewöhnlicher Monat, sowas gab es noch nie!“ In Bayern fiel pro Quadratmeter ein Liter Regen - normal ist im November ein Sollwert von 70 Litern! An einigen Stationen wurde überhaupt kein Niederschlag registriert. Dazu schien die Sonne mit 102 Stunden fast doppelt so lang wie sonst. Vor allem für Kraftwerksbetreiber kann die Rekord-Dürre zum Verhängnis werden: „Bei einigen droht das Kühlwasser für den Betrieb knapp zu werden“, warnt Kirsche. Fällt nach dem Herbst jetzt auch noch der Winter aus? Meterologe Michael Klein von Donnerwetter.de gibt Entwarnung: Pünktlich zum Nikolaus am 6. Dezember soll der erste Schnee rieseln.

C. Lewinsky

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