Von wegen Hagel, Sturm & Starkregen

Wetter-Warnungen: Wie kann man sich so täuschen?

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Hagel und Regengüsse prasseln auf die Maximilianstraße herunter – so sollte es laut Deutschem Wetterdienst auch am Mittwoch werden. Tatsächlich blieb die Stadt trocken und heiß.

München - Die Warnung des Deutschen Wetterdienstes klang ernst. Aber: Das Wetter in der Stadt blieb freundlich. Kein Tropfen Regen, dafür (meistens) blauer Himmel. Wie kann man sich so täuschen?

Die Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) klang ernst: „Achten Sie auf herabstürzende Äste, Dachziegel und Gegenstände. Schließen Sie alle Fenster und Türen! Sichern Sie Gegenstände im Freien!“ Nachdem die schweren Unwetter sechs Tote und Schäden in Millionenhöhe im Norden Deutschlands forderten, sollten sie laut DWD-Prognose am Mittwoch auch in München wüten. Tausende Münchner deckten daraufhin ihre Autos ab oder gingen aus Sorge nicht mehr aus dem Haus. Aber: Das Wetter in der Stadt blieb freundlich. Kein Tropfen Regen, dafür (meistens) blauer Himmel. Viele ärgerten sich über diese Wettervorhersage. Und wollen wissen: Wie kann man sich so täuschen?

Die tz hakte bei Münchens DWD-Chef Volker Wünsche nach. Er sagt: „Im Alpenraum gab es am Mittwoch teilweise schwere Gewitter, die im Raum Traunstein und Rosenheim aufgetreten sind und sich in Richtung Norden ausgedehnt haben. Unsere Unwetterwarnung haben wir deshalb auch auf die Stadt München ausgedehnt.“ Die erste Warnung schicken die Meteorologen um 18.40 Uhr heraus und sagen bis 21 Uhr schwere Gewitter mit Sturmböen voraus, die mit 85 Kilometern pro Stunde über die Stadt hinwegfegen. Dazu gibt es angeblich heftigen Starkregen mit Niederschlagsmengen bis zu 40 Liter pro Quadratmeter sowie Hagel mit drei Zentimeter großen Körnern. Um 19.22 Uhr wird die Warnung wieder aufgehoben – nachts um 2.53 Uhr wieder herausgegeben und um 3.41 Uhr wiederum aufgehoben. Passiert ist letztlich aber gar nichts!

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„München hatte Glück: Es gab einzelne Blitze am Himmel, aber bei der Verlagerung vom Alpenraum in das flachere Gebiet hat sich die Gewitterwolke wieder abgeschwächt und ist nicht bis in die Stadt vorangekommen“, sagt Wünsche. „Deshalb haben wir die Warnung wieder aufgehoben.“ Das Problem: „Eine Gewitterwolke ist ein sich ständig verändernder Prozess, sie kann sich örtlich schnell ausdehnen. Dazu kam es am Mittwoch aber nur eingeschränkt.“ Auch gestern warnten die Experten weiter. Bis zum Abend blieb es jedoch ebenfalls ruhig.

So funktionieren Wetter-Prognosen

Der Astrium-Satellit Metop-B zeichnet Wetterdaten vom Weltall aus auf.

Ob dunkle Gewitterwolken aufziehen, wissen Meteorologen meist schon Tage vorher. Eine genaue Vorhersage über Ort und Zeitpunkt können sie aber erst maximal drei Stunden vorher treffen. „Wir orten sie mithilfe von Wetter-Radar, Blitzortungssysteme und Satellitenbildern“, sagt Volker Wünsche, Chef des Deutschen Wetterdienst in München. Eine erste grobe Prognose gibt der DWD oft schon viele Stunden vor einem Unwetter heraus – auch, damit sich bei schweren Unwettern jeder rechtzeitig schützen kann. „Unsere Vorabinformationen benennen aber nur das Potenzial für ein schweres Gewitter und basieren auf Wetterberechnungen für die Atmosphäre.“ Tatsächlich vorhersagen lässt sich das Gewitter erst in der Entstehung – „also, wenn sich die erste Zelle gebildet hat“, sagt Dominik Jung vom Portal www.wetter.net. Mithilfe von hoch aufgelöstem Radar, Blitzortung und Satellitendaten können die Meteorologen voraussichtlich betroffene Gebiete sehr gut warnen. Unwetter-Warnungen gibt der DWD jeweils für Landkreise heraus – aber nur dann, wenn sehr wahrscheinlich schwere Gewitter bevorstehen mit heftigem Starkregen, orkanartige Böen mit mehr als 103 Stundenkilometern oder Hagel mit mehr als zwei Zentimeter großen Körnern auftritt – oder auch alles zusammen. „Teilweise stimmen die Warnungen dann aber nicht, denn es lässt sich schwer prognostizieren, wo das Gewitter tatsächlich herunterbricht“, sagt Jung.

Die aktuellen Wetter-Prognosen finden Sie hier.

Andreas Thieme

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