Nach Shitstorm

Wut auf "White Dinner": So wehrt sich der Veranstalter

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Mit diesem Posting hat die Facebook-Seite des Veranstalters "White Dinner München" die Veranstaltung in Riem wenige Stunden vor Beginn beworben.

München - Gegen den Shitstorm wegen miserabler Organisation beim "White Dinner" in München-Riem wehrt sich nun Veranstalter Leon Roewer. Er wittert eine gezielte Kampagne. 

Die Wut auf den Veranstalter des "White Dinner" in München, das am Sonntag auf der Galopprennbahn in Riem stattfand, ebbt nicht ab. Auf Facebook-Gruppen, die von enttäuschten Gästen gegründet wurden, werden weiterhin Beschwerden laut. Im Kern geht es immer um dieselben Vorwürfe:

  • Miserable Qualität beim Essen statt nobler Speisen (Die Rede ist von "Fast Food" und "Semmeln die als Burger verkauft wurden")
  • Langes Anstehen für Getränke an der Bar und langsamer Service
  • Lange Schlangen vor der Frauentoilette
  • Keine vor Sonne oder Regen schützenden Zelte oder Schirme
  • Langweiliges und schlechtes Showprogramm

Gegenüber unserer Onlineredaktion bezieht der Berliner Veranstalter des White Dinner in München, Leon Roewer (19) nun ausführlich Stellung zu den massiven Vorwürfen.

Hier lesen sie die zahlreichen Vorwürfe der Besucher.

Veranstalter: Gezielte Hetzkampagne einiger Menschen

Den Internet-Shitstorm nach dem Münchner Event sieht er keineswegs als Ausdruck kollektiver Empörung: "Dahinter steckt eine kleine Gruppe von zehn oder 20 Menschen. Die haben sich zu einer Hetzkampagne im Netz zusammengetan." Er vermutet, dass es sich bei diesen Leuten um entschiedene Befürworter des "Dîner en Blanc"-Konzeptes handle. Bei diesen Events (wie im Juli in München) verabreden sich weißgekleidete Menschen spontan zu Freiluftessen - und kaufen nicht wie beim "White Dinner" in Riem zuvor Karten.

Das Feedback der Teilnehmer des "White Dinner" auf der Galopprennbahn sei auch weit besser gewesen als im Netz. "Die Leute vor Ort waren alle glücklich", versichert Roewer. Er findet es "heftig, dass ein positives Meinungsbild von 2.000 Menschen nun im Internet runtergeschrieben wird". 

Caterer für Essen bei White Dinner verantwortlich

Mit der Qualität des in Riem angebotenen Essens (Teilnehmer durften auch selbst Essen mitbringen) war der 19-Jährige nach eigenem Bekunden selbst unzufrieden. Aber schuld daran sei der lokale Caterer (Name der Redaktion bekannt). "Bei allen White-Dinner-Events holen wir lokale Caterer ins Boot. So auch in München. Leider war die Qualität des Essens bei unseren Veranstaltungen in Köln und Berlin deutlich besser." Allerdings habe der Caterer den Veranstalter und sein Team zuvor mit seinen Top-Referenzen überzeugt. Für Leon Roewer steht mittlerweile fest: "Wir distanzieren uns deutlich von diesem Caterer."

Auch die Vorwürfe mit langen Wartezeiten an der Bar will der Berliner Veranstalter nur zum Teil gelten lassen. "Es stimmt: Die Bar war in den ersten 30 Minuten des White Dinner überlaufen. Wir hatten damit gerechnet, dass deutlich mehr Besucher ihre eigenen Getränke mitbringen. Aber wir haben auch umgehend reagiert und nach einer halben Stunde eine zweite Bar eröffnet."

Thema lange Schlange vor der Frauentoilette: Hier weist Roewer darauf hin, dass es eine Etage höher noch ein zweites Damen-WC gegeben habe. "Nur ist das vermutlich nicht so vielen Gästen bewusst gewesen."

"War nicht so heiß, dass man einen Schirm brauchte"

Zudem habe man auch für Schutz vor Wind und Wetter gesorgt. "Es waren sternförmige Zelte aufgestellt. Außerdem hatten die Gäste die Möglichkeit, sich unter die Tribüne der Galopprennbahn zu stellen. Aber man sollte auch betonen, dass es am Sonntag in München nicht so heiß war, dass man unbedingt einen Sonnenschirm brauchte."

Was die Kritik am wenig unterhaltsamen Showprogramm angeht, so machte Roewer ebenfalls unterschiedliche Reaktionen vor Ort und im Netz aus. "Viele Gäste fanden den von uns engagierten, professionellen Pianisten großartig. Auch wir Veranstalter waren sehr zufrieden mit ihm." Die brasilianische Capoeira-Gruppe sei vielleicht gewöhnungsbedürftig gewesen. "Ich fand sie gut. Man muss aber vielleicht die brasilianische Tanzkultur verstehen."

Und was die Zensur negativer Facebook-Kommentare auf der offiziellen Seite "White Dinner München" angeht: "Facebook hat einen Filter für vulgäre Ausdrücke. Und dieser Filter hat eben die Kommentare ausgeblendet."

Auch nach der massiven Kritik im Netz wertet Veranstalter Leon Roewer das White Dinner in München als Erfolg. "Wir hatten 2.000 Teilnehmer. Das ist schon sehr gut."

Ob es auch 2015 wieder ein White Dinner in München geben werde, wisse er noch nicht. "Aber wahrscheinlich schon." Dann allerdings mit Änderungen. "Ich denke an einen Moderator, der durch das Programm führt. Außerdem wird es definitiv einen neuen Caterer geben und ein anderes Showprogramm."

Das sagen Gäste zu den Roewer-Aussagen

Ob diese Stellungnahme die enttäuschten Besucher besänftigt? Auf der Facebook-Seite "White Dinner 2014 - Beschwerden" jedenfalls stoßen die Roewer-Aussagen auf Kritik.

René H. stößt sich an der Behauptung des Veranstalters, wonach man damit gerechnet habe, dass deutlich mehr Besucher ihre eigenen Getränke mitbringen. er zitiert aus den AGB des Events: "Das Mitbringen von Getränken ist nicht gestattet. Das Mitbringen von Speisen ist gestattet. Bitte kein Glas auf das Gelände bringen. Dies ist aus Sicherheitsgründen in der Regel untersagt. Porzellan ist voraussichtlich bei allen Veranstaltungen erlaubt." Dies wurde aber nachträglich noch geändert. So schildert es uns auch Userin Jana S.: "Auch hieß es, dass man Essen und Getränke selbst nicht mitnehmen darf. Das wurde jedoch nachträglich geändert und auf einmal hieß es, man darf Getränke und Essen selber mitnehmen."  

Auch die Behauptung des Veranstalters, es habe Sternzelte zur Überdachung gegeben, stößt bei René H. auf Widerspruch: "Es waren sternförmige Zelte aufgestellt? Wie viele? zwei für maximal 50 Personen? Ansonsten gab es Plastik-Abdeckplanen 4 x 5 Meter. Er postet auch ein Bild solch einer Abdeckplane, wie sie auch im Baumarkt erhältlich ist.

Ähnlich teilt es uns Userin Trixi K. mit: Vor der Veranstalter habe der Veranstalter per Facebook verkündet, man werde große Sternzelte aufbauen lassen. Aber: "Diese bestanden aus Abdeckfolien aus dem Baumarkt."

Ähnlich äußert sich Jana S.: "Wo war das angekündigte Zelt das aufgebaut werden sollte zwecks Wettervorhersage? Dann gab's Abdeckplanen vom Obi." 

fro

Shitstorm nach "White Dinner": Bilder einer Teilnehmerin

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